Die CDU-Fraktion lehnte den Vorschlag zur Überprüfung der Zugehörigkeit der Stadt Forst zum gesetzlich angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden schon vor der politischen Diskussion im Gremium ab und blieb auch dabei. Wie Jens-Holger Wußmann (CDU) im Sozialausschuss darlegte, gebe es in Forst in den letzten Jahren keine sichtbare sorbische und wendische Tradition. Auch in Bezug auf die Forster Bevölkerung, die nach seiner Einschätzung größtenteils einer Überprüfung ebenfalls kritisch gegenüberstehe, werde sich die CDU-Fraktion dagegen positionieren.

Auch die FDP-Fraktion stimmte gegen solch eine Überprüfung. Wie Thomas Jaehn erläutert, ist eine "sorbische Tradition in Forst nicht fassbar". Er gehe auch davon aus, dass mit einem möglichen Beitritt zum Siedlungsgebiet auch jede Menge zusätzliche Auflagen in der Stadt Forst erfüllt werden müssten wie zweisprachige Beschriftungen, die Einrichtung von sorbischen Kindertagesstätten oder die Integration von Sorbisch-Unterricht in Schulen.

Marcus Koinzer, stellvertretender Domowina-Geschäftsführer, widerlegte diese Aussagen, indem er erklärte, dass jegliche Aussagen nur Empfehlungen der Domowina seien. "Niemand muss zweisprachige Beschriftungen anbringen oder sorbische Kitas einrichten", widersprach er. Doch auch das konnte Jaehn nicht umstimmen.

Die Fraktionen der Linken und der SPD stehen einer Überprüfung hingegen offen gegenüber. Wie Doris Dreßler (Die Linke) bemerkt, möchte sie eine Überprüfung nicht ausschließen. Vielleicht könne doch eine sorbische Kontinuität nachgewiesen werden. Doris Dreßler zumindest war von dem ausgegebenen Heft in der letzten Stadtverordnetenversammlung, was die Domowina erarbeitete und das Hinweise zum noch heute vorhandenen sorbischen Gebiet in und um Forst geben soll, recht ergriffen. Auch habe die Stadt sich im Jahr 1999 im Zusammenhang mit der Umsiedlung von Horno in die Stadt Forst mit einem Beschluss offen dazu bekannt, die sorbischen Traditionen in der Stadt Forst zu pflegen und zu fördern. Kritiker sehen dies aber allein auf den Ortsteil Horno beschränkt

Auch verschiedene Bewohner aus den Ortsteilen meldeten sich zu Wort: So sind die Hornoer zwar für die Überprüfung einer Zugehörigkeit, doch wolle man nicht, dass allein wegen Horno einer Überprüfung stattgegeben werde. Aus einem anderen Ortsteil hingegen kam eine Positionierung gegen eine Überprüfung.

Am Ende fiel das Ergebnis nur knapp aus, indem drei Ausschussmitglieder dafür und vier Ausschussmitglieder dagegen stimmten. Der Sozialausschuss gibt demnach die Empfehlung ab, sich gegen eine Überprüfung aufzustellen. Die endgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit ist aber noch längst nicht gefallen. Am 27. April wird dazu im Haupt- und Wirtschaftsausschuss und am 13. Mai in der Stadtverordnetenversammlung beraten.

Zum Thema:
Noch bis 31. Mai 2016 können Gemeinden und der Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur einen Antrag auf Feststellung der Zugehörigkeit zum angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden stellen. Voraussetzung dafür ist allerdings der Nachweis der sprachlichen oder kulturellen Tradition bis zur Gegenwart.