Am Dienstag haben sich Ingo Senftleben und Frank Kupfer im Kraftwerk Schwarze Pumpe zu einem Gespräch mit dem sächsischen CDU-Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich getroffen. Aus der Konferenz brachten sie eine Erklärung beider christdemokratischer Landtagsfraktionen mit: Die Braunkohle bezeichnen sie als unverzichtbar, und sie setzen sich das ehrgeizige Ziel, in der Lausitz "eine hochwertige Alternative zu den Metropolen Berlin, Dresden und Leipzig" zu schaffen - als Region zum Wohnen und Arbeiten. Das CDU-Positionspapier führt unter dem Titel "Zukunft der Lausitz" ein paar Vorschläge auf, wie dies zu schaffen sei. Es setzt auf eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Firmen und Hochschulen und auf digitale Pilotprojekte des Bundes und der Länder - zum Beispiel beim Erproben des automatisierten Fahren. Darüber hinaus heben die CDU-Fraktionen beider Bundesländer das wirtschaftliche Potenzial des Tourismus hervor.

Etwas konkreter äußern sich die beiden Fraktionschefs nach dem Gespräch mit dem sächsischen Ministerpräsidenten im Kraftwerk Schwarze Pumpe. Sie plädieren für eine Sonderwirtschaftszone zwischen Brandenburg und Sachsen als Chance zum Experimentieren, und Ingo Senftleben weigert sich beharrlich, von einem Strukturwandel in der Lausitz zu sprechen. "Den haben wir doch im Jahr 1990 erlebt", sagt er. "Was uns heute bevorsteht, ist hingegen eine Strukturentwicklung." Darum beharrt er auf einem "klaren Bekenntnis zur Braunkohle". Eine "Diskussion über Ausstiegsszenarien" lehnt der brandenburgische CDU-Fraktionschef ab: "Jeder Industriearbeitsplatz in der Region ist Gold wert", sagt Ingo Senftleben. "Wir können nicht zulassen, dass junge Leute hier keine Zukunft mehr haben."

Auch der sächsische CDU-Fraktionschef Frank Kupfer beteuert: "Wir stehen zur Lausitz, zur Braunkohle". Er spricht von einem "ideologisierten Kampf in Deutschland" um diesen Energieträger, obwohl die Alternativen noch nicht die nötige technische Reife erlangt hätten, um die Braunkohle abzulösen. "Mit Erdgas machen wir uns wiederum von den Russen abhängig", sagt Frank Kupfer. "Das halte ich nicht für klug."

Zu den Gesprächspartnern der CDU-Politiker zählt der Vorstandschef der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag), Helmar Rendez, der wie sie von einer "Strukturentwicklung" statt des vielbeschworenen Strukturwandels spricht. "Wir stellen uns aktiv den Herausforderungen der Energiewende", erklärt er. Dies gehe aber nur mit der Braunkohle. "Jede zehnte Kilowattstunde, die jetzt bundesweit bei Winterwetter verbraucht wurde, kam hier aus der Lausitz."

Die CDU-Fraktionschefs legen Wert darauf, dass ihre Position in den Bundestagswahlkampf einfließt - "und in die folgenden Koalitionsverhandlungen", wie Frank Kupfer betont. "Da muss die Lausitz eine Rolle spielen."

Differenziert reagiert der Spree-Neiße-Kreisvorstand der Bündnisgrünen auf das Positionspapier der CDU. So erklärt Wolfgang Renner, der Grundtenor des CDU-Papiers gehe "in die richtige Richtung". Eine enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft, der Ausbau der Lausitzer Infrastruktur und der flächendeckende Anschluss der Region ans schnelle Internet gelte als "Kernvoraussetzung für das Gelingen des Strukturwandels in der Lausitz". Völlig aus der Rolle falle hingegen die CDU-Position zur Braunkohle. "Die Kohlepartei SPD am populistischen Rand zu überholen, wird nicht funktionieren", vermutet der bündnisgrüne Politiker.