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| 14:37 Uhr

Dorf wächst zusammen
Esche gepflanzt, Zwiebeln gesteckt

Die Frauen übernehmen den Lindenplatz. Er ist der zentrale Platz im Dorf, muss gefegt und von Unkraut befreit werden.
Die Frauen übernehmen den Lindenplatz. Er ist der zentrale Platz im Dorf, muss gefegt und von Unkraut befreit werden. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Die Cantdorfer machen aus einem Arbeitseinsatz ein Fest. Von Annett Igel-Allzeit

Seit Cantdorf sich seinen Ortsteilstatus erkämpft hat, kann man dem Dorf beim Zusammenwachsen zuschauen. Die Spremberger Frühjahrsaktion „Die Perle putzt sich“ funktioniert dort auch im Herbst. Mit Schubkarren, Besen, Harken, Spaten, Heckenscheren und Unkrautstechern sind viele Cantdorfer am Samstag zum Lindenplatz gezogen. Ortsvorsteher Rene Nakoinz kann es nicht fassen. „Im Frühjahr waren wir zur Putztaktion 20, jetzt sind hier nahezu 40 Leute“, zählt er. Fünf Einsatzorte stehen auf seinem Zettel. Um die Gruppenleiter bilden sich schnell Trauben, dann wird ausgeschwärmt.

Nur die ersten Gruppe bleibt am Treffpunkt. Mit den Reinigungsklassen 5 A und 6 ist der Lindenplatz von der Straßenreinigung ausgenommen, nur der Winterdienst schiebt hier Schnee. Einfach lässt sich das alte Kopfsteinpflaster nicht kehren, möglichst wenig von dem Splitt im Zwischenraum darf weggefegt werden. Die Frauen beginnen, auf dem Weg Unkraut zu jäten. Steine gehoben und Erde aufgeschüttet wird an der Ecke Spinnerweg/Wiesental. „Hier haben wir am Freitag schon einiges vorbereitet. In die Erde sollen Zwiebeln, damit es hier im Frühjahr blüht“, erklärt Rene Nakoinz. Blühen soll es auch an der Ortseinfahrt an der B 97. Die Gärtnerei Niere fährt Erde auf die Insel zwischen Ein- und Ausfahrt. Das Unkraut zwischen den Gehwegplatten wird entfernt. Geich nebenan an der Kochsa, dem Bach, der durch Cantdorf fließt, sind Baumtriebe zu schneiden.

Wieder sichtbar wird am Friedhof die lange Treppe, die von der Wendeschleife am Waldfrieden zur Kapelle führt. Die hohen Bäume hatten sie mit Herbstlaub zugedeckt. Jetzt wird Stufe um Stufe frei gefegt. Der Handlauf am Holzgeländer, das im Frühjahr neu hergerichtet wurde, wird um ein Stück erweitert.

Auf dem Friedhof sind ein großer Sack Mulch und die junge Eberesche angekommen. „Der Baum ist übrig von unserem Arbeitseinsatz im Frühjahr“, erklärt Rene Nakoinz. Bei der Wahl des Baumes hatte der Cantdorfer Ortsbeirat auf den Hinweis der Imker und des Spremberger Nabu-Regionalverbandes gehört: Die Eberesche bietet für mehr als 70 Insektenarten Nahrung, ihre Beeren fressen mehr als 60 Vogelarten. Augenmaß ist gefragt, Holzpfähle und ein Band ziehen den Stamm gerade. Die Krone richtet die Natur, sind sich die Männer einig. „Eine Blumenwiese werden wir hier noch anlegen“, sagt Rene Nakoinz. Biologin Christina Grätz von dem Gubener Rekultivierungsunternehmen Nagola Re will den Cantdorfern Samenmischungen einheimischer Wiesenblumen geben. „Ein Bauer aus Cantdorf will die Wiese pflegen.“

Gefeiert wurde der Arbeitseinsatz vor Grögers Wildhandel am Lindenplatz. Was muss man tun, um so viele Cantdorfer zusammenzutrommeln? „Das läuft über die App unseres Heimatvereins“, erklärt Rene Nakoinz. Jedes Mitglied bekomme Zugang zur App. Und jedes Mitglied hat Freunde oder Nachbarn. Im Mai 2016, drei Monate nach der Wahl des Ortsbeirates, hatten die Cantdorfer den Heimatverein gegründet, um Bräuche aufleben zu lassen, Aktivitäten zu organisieren, Geschichte zu sammeln. „Über die App können wir uns schnell erreichen“, sagt der Ortsvorsteher, „ob wir für ein Fest noch Kuchen brauchen, in einer Straße der Strom ausgefallen ist oder uns wieder das Hochwasser Sorgen bereitet.“

Die Ecke Spinnerweg/Wiesental in Cantdorf ist mit Steinen neu gestaltet worden.
Die Ecke Spinnerweg/Wiesental in Cantdorf ist mit Steinen neu gestaltet worden. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Die Eberesche wurde auf dem Friedhof gepflanzt – in Absprache mit den Imkern und Naturschützern.
Die Eberesche wurde auf dem Friedhof gepflanzt – in Absprache mit den Imkern und Naturschützern. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit