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Cantdorf sammelt Ideen gegen Wasserproblem

Frank Jannack (links) und Werner Schiemenz von der Cantdorfer Initiativgruppe, hier an einer Brücke über die Kochsa, fühlen sich an die DDR erinnert. Schon damals habe die Maßgabe gelautet: Cottbus wird gerettet, und wenn Cantdorf dabei untergeht.
Frank Jannack (links) und Werner Schiemenz von der Cantdorfer Initiativgruppe, hier an einer Brücke über die Kochsa, fühlen sich an die DDR erinnert. Schon damals habe die Maßgabe gelautet: Cottbus wird gerettet, und wenn Cantdorf dabei untergeht. FOTO: René Wappler
Spremberg. Auf den Wiesen in Cantdorf staut sich das Grundwasser, und bei den Einwohnern staut sich der Ärger: Sie erheben Einwände gegen die jüngsten Pläne der Landesregierung für ihren Ort. Denn sie arbeiten schon an eigenen Ideen. René Wappler

Nur ein paar Meter muss Frank Jannack auf dem Bahndamm entlangwandern, bis sich ihm das Problem zeigt. Ein Blick hinunter nach Westen: Dort tritt das Wasser auf die Wiese, schon jetzt im Frühling, und es verwandelt die Landschaft in einen kleinen Sumpf. Dies könnte nur der Anfang sein: Zumindest befürchten das die Mitglieder der Initiativgruppe "Hochwasser Cantdorf".

In einem Grundsatzpapier schildern sie ihre Sorgen. Drei Aspekte ärgern sie dabei besonders.

Seit dem Jahr 2010 überflutet das Hochwasser aus der Spree demnach mehr und mehr Wiesen, Gärten, Keller und Wirtschaftsräume. Selbst die Wohnzimmer sind nicht sicher.

Zwar trug der Tagebau Welzow-Süd dazu bei, dass der Grundwasserpegel 40 Jahre lang sank. Doch das scheint vorbei zu sein: So wie das Wasser jetzt schon in der Nähe des Bahndamms auf der Wiese steht, wird es wohl bald auch in die Keller dringen.

Bei starkem Regen nimmt Oberflächenwasser die Bewohner von Cantdorf ebenfalls in die Zange.

Für diese Probleme präsentieren die Mitglieder der Initiativgruppe eine eigene Lösung: Die Kochsa ließe sich nach Norden parallel zum Bahndamm in einen früheren Graben verlegen, so dass sie parallel zur Spree an Wilhelmsthal vorbeifließt, in die Teiche hinein und dann weiter in das Vorstaubecken. Für einen besseren Hochwasserschutz soll unterdessen der gemeinsame Einlauf der Kochsa und des Cantdorfer Grabens verfüllt und gesichert werden.

Außerdem plädieren die Einwohner von Cantdorf für den Bau eines Dammes links von der Spree, der dann von der früheren Kochsamündung bis Wilhelmsthal führt.

Mehr als 80 Unterschriften haben sie bereits im Dorf für diese Variante gesammelt und der Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier überreicht. Irritiert äußern sie sich allerdings zu den jüngsten Aussagen der Landesregierung. Werner Schiemenz von der Initiativgruppe beklagt Ignoranz gegenüber dem Grundwasserproblem, und er zweifelt an der Feststellung, die Flut des Jahres 2013 stehe nicht in Zusammenhang mit der Wasserführung in der Spree und der Talsperre.

Auch Frank Jannack äußert sich verstimmt: "Uns wurde signalisiert, es werde keine Bürgerversammlung mehr geben, bevor die ersten Projekte in die Tat umgesetzt werden. Dabei hätten wir noch einiges dazu anzumerken."