Die Landräte und Bürgermeister "müssen sich um ihren Verantwortungsbereich kümmern": Dies erklärt das Spremberger Stadtoberhaupt zum Selbstverständnis der Lausitzrunde, nachdem die Spremberger Stadtverordneten in der vergangenen Woche über die Ziele der Lausitzrunde diskutiert hatten. So kritisierte der Fraktionschef der Nächsten Generation, Benny Stobinski: "Ich wünsche mir von der Lausitzrunde deutlich mehr Transparenz statt nebliger Aussagen, zum Beispiel zu den Fragen, wer wann welche Gesellschaft gründen wird und was dies kostet."

Bürgermeisterin Christine Herntier erläutert: Das Bündnis aus Politikern der Region sei "gar nicht in der Lage, Aufträge zu erteilen und Rechnungen zu bezahlen". Für die Kommunikation der Lausitzrunde habe der Geschäftsführer der Agentur Zwei helden, Jens Taschenberger, frühzeitig den Namen der Internetdomain www.lausitzrunde.de gesichert. Er ist zugleich Pressesprecher des Vereins Pro Lausitzer Braunkohle. Die Homepage dient nach Auskunft der Bürgermeisterin lediglich als "geeignetes Medium, um im Interesse einer breiten Transparenz interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren".

Die Energiewende, laut Christine Herntier durch klimapolitische Entscheidungen von Bund und Europäischer Union vorangetrieben, werde "gerade in Bergbauregionen wie der Lausitz Veränderungen nach sich ziehen". Sie sagt: "Wir haben nicht umsonst die höchste Arbeitsplatzdichte im Land Brandenburg, wissen aber auch, dass diese Situation künftig kippen kann, sofern wir nicht in enger Abstimmung mit Land, Bund und EU rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergreifen." So weist sie darauf hin, dass sich die Förderrichtlinien der Europäischen Union in den Jahren 2019 und 2020 ändern werden. Die Lausitzrunde betrachte es deshalb als ihre Pflicht, sowohl der Bundesregierung als auch der Europäischen Union zu vermitteln: Ohne besondere Unterstützung könne die Lausitz die fortschreitende Strukturentwicklung nicht stemmen. "Man könnte durchaus sagen, die Mitglieder der Lausitzrunde sind aufgrund ihrer Kenntnis der Auswirkungen der Klimapolitik kohlefreundlich", sagt die Bürgermeisterin. "Aber wir sind auch anderen konstruktiven und geeigneten Ideen gegenüber sehr aufgeschlossen, um uns Chancen in der Region aufzubauen und damit einen tiefgreifenden Strukturbruch zu verhindern."

Trotz aller kritischen Fragen aus der Politik sehe sie sich auf einer Linie mit den Spremberger Stadtverordneten. "Die Bereitschaft, sich für die Region einzusetzen, gibt es auch bei den Unternehmern", stellt Christine Herntier fest. So unterstützen die drei Sparkassen der Region die Tagung im Industriepark Schwarze Pumpe am 9. Dezember. Wenn es der Lausitzrunde als künftigem Teil einer starken Wirtschaftsregion Lausitz gemeinsam mit den Partnern im Land, beim Bund und in der EU gelingen sollte, einen Förderrahmen über das Jahr 2019 hinaus für die Region zu erhalten, wäre nach den Worten der Bürgermeisterin schon ein wichtiges Ziel erreicht.

Unterdessen warnt der Rietschener Gemeinderat Helmut Perk (Freie Wähler) davor, den Einfluss der Kohlelobby zu groß werden zu lassen. "Die Lausitzrunde scheint unterwandert vom Verein Pro Lausitzer Braunkohle zu sein", mahnt er.

Die Lausitzrunde soll laut dem Weißwasseraner Bürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) mit zwei Stimmenanteilen in der sich neu konstituierenden Wirtschaftsregion Lausitz GmbH vertreten sein.