Schon am Türschild spiegelt sich der Wechsel auf dem Chefsessel in der Stadtverwaltung wider. Wo in der zweiten Etage im vergangenen Jahr noch der Name von Klaus-Peter Schulze prangte, hängt nun der Schriftzug: "Bürgermeisterin Christine Herntier". Und in ihrem Büro steht eine Kiste voller Ordner auf dem Tisch. "Die größten Aktenberge sind gar nicht sichtbar", sagt Christine Herntier. "Die befinden sich nämlich im Computer."

Am Nachmittag traf gestern Klaus-Peter Schulze während seiner Wahlkreiswoche in Spremberg ein, um mit ihr über die bevorstehenden Aufgaben zu sprechen. Er sagt: "Ich hatte ihr ja schon kurz nach der Wahl zur Bürgermeisterin zugesichert, dass ich für Gespräche zur Verfügung stehe." So berieten beide Politiker zum Beispiel über die städtischen Gesellschaften, den regionalen Wachstumskern und den kommunalen Haushalt. Der CDU-Bundestagsabgeordnete sagt: "Zwar mögen die handelnden Personen wechseln, aber die bestimmenden Themen der Stadt Spremberg bleiben ja bestehen."

Politiker im Einvernehmen

Christine Herntier erläutert zu diesem Gespräch: "Selbst wenn ich einige Sachen sicher anders angehen werde, als es Klaus-Peter Schulze in seiner Funktion als Bürgermeister getan hat, gibt es doch viele Aspekte, bei denen ich auf seiner Arbeit aufbauen kann." Schließlich sei sie im Wahlkampf auch nicht gegen ihn angetreten: Denn die Abstimmung für ein neues Stadtoberhaupt wurde erst nötig, nachdem sich Klaus-Peter Schulze im September 2013 aus dem Spremberger Rathaus in die Berliner Politik verabschiedet hatte.

Gleich an ihrem ersten Arbeitstag im Rathaus, am Montagmorgen gegen 8.30 Uhr, stellte sich Christine Herntier den Mitarbeitern der Stadtverwaltung vor, die sie mit Beifall begrüßten - und die sich zugleich bei Frank Kulik bedankten. Der Fachbereichsleiter für Ordnung und Sicherheit hatte neben der stellvertretenden Bürgermeisterin Christina Schönherr, die am 1. Januar in den Ruhestand ging, in den vergangenen Monaten die Rathausgeschäfte geführt.

Christine Herntier sagt: "Dieser Applaus für Frank Kulik war eine schöne Geste der Mitarbeiter, die auch dafür spricht, dass hier eine gute Arbeit geleistet wurde." Um neun Uhr traf sie sich dann am Montag mit den Fachbereichsleitern, um zwei Stunden mit ihnen über die drängenden Probleme zu sprechen - zu denen in Zukunft wie in den vergangenen Jahren der städtische Haushalt zählen wird. Er spielt auch während der nächsten Konferenz der Stadtverordneten am Mittwoch, 19. Februar, eine wichtige Rolle. Denn die Kommunalpolitiker werden sowohl die Satzung für das Haushaltsjahr 2014 behandeln als auch über das Konzept zur Sicherung des Haushalts bis zum Jahr 2016 diskutieren.

Studium im Wahlkampf

Schon während der Zeit des Wahlkampfes hatte sich Christine Herntier mit dem Haushaltsentwurf und weiteren Unterlagen wie der Sozialraumanalyse für Spremberg vertraut gemacht: Dies versichert sie mit einem Hinweis auf die Kiste voller Aktenordner, die in ihrem Büro steht. "Mir ist ja in den vergangenen Wochen manchmal der Vorwurf begegnet, ich hätte mich nicht inhaltlich mit den Herausforderungen der Stadt Spremberg beschäftigt", sagt sie. "Aber das war ein Trugschluss." Nun will sie sich erst mal dem großen unsichtbaren Aktenberg widmen, der im Computer des Bürgermeister-Büros auf sie wartet.

Kommentar: Der politische Alltag beginnt

Der Besuch des früheren Spremberger Bürgermeisters bei seiner Nachfolgerin Christine Herntier besitzt sicher auch einen symbolischen Wert: Die Zeit des Wahlkampfes ist endgültig vorbei, nun beginnen die Mühen des politischen Alltags. Da ist es schon mal ein gutes Signal, dass Klaus-Peter Schulze dem neuen Stadtoberhaupt seine Unterstützung zusichert.

Denn die Stadt Spremberg steht wie viele andere Orte vor enormen Herausforderungen. Künftig werden weniger Fördermittel zur Verfügung stehen. Die Kommune muss weiter sparen, obwohl ihr das Geldproblem kaum noch Spielraum lässt. Harte Zeiten brechen an. r.wappler@lr-online.de