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Bürgerhaus-Schaden bleibt offen

Vor zehn Jahren wurden die Fenster am Bürgerhaus eingesetzt. Sie erweisen sich als Schwachstelle, durch die immer wieder Wasser eindringt.
Vor zehn Jahren wurden die Fenster am Bürgerhaus eingesetzt. Sie erweisen sich als Schwachstelle, durch die immer wieder Wasser eindringt. FOTO: Tobias Roitsch
Spremberg. Als "einen einzigen Baumangel" bezeichnet der Spremberger Bauausschuss-Vorsitzende Peter Reininger (CDU) die Fenster im Dachgeschoss: Der neue Wasserschaden im Bürgerhaus am Markt führt dazu, dass sich die politischen Gremien der Stadt wieder mit dem nötigen Reparaturaufwand für das Gebäude befassen. René Wappler

Indirekt geht es dabei auch um die langwierigen Verfahren am Cottbuser Landgericht: Dort stritt sich die damalige Altstadtsanierungsgesellschaft, die heute nur noch das Kürzel ASG im Namen trägt, mit dem Architekturbüro Mayerwittig.

Wie Rathaussprecher Alexander Adam mitteilt, handelte es sich um zwei selbstständige Beweisverfahren, in denen keine Rechtsfragen geklärt wurden. Vielmehr lassen die Parteien in diesen Verfahren einen Sachverständigen einsetzen, der das Bauwerk untersucht: Darauf wies Landgerichts-Pressesprecher Frank Merker während des Vorganges im Jahr 2015 hin. Auf dieser Grundlage könnten die beteiligten Parteien schließlich zu einer außergerichtlichen Lösung finden - mit Hilfe der schriftlichen Gutachten durch die Sachverständigen.

So verhielt es sich auch im Fall des Spremberger Bürgerhauses. Rathaus-Mitarbeiter Alexander Adam erläutert: "Am Ende lagen zwei Sachverständigen-Gutachten vor." Daraus ließen sich nach seinen Worten die Verantwortlichkeiten für die Baumängel ableiten. "Auf deren Basis hätte man den eigentlichen Zivilprozess führen können" - allerdings auf die Gefahr hin, dass er sich lange hinzieht und erneute Kosten für Anwälte und Gericht auslöst. "Unter Abwägung des Für und Wider ist von solch einem weitergehenden Prozess abgesehen worden", erläutert der Rathaus-Pressesprecher, "und es ist gelungen, dass sich die Parteien außergerichtlich geeinigt haben". Im Ergebnis sei eine Zahlung an die Stadt Spremberg erfolgt. Zur genauen Höhe äußern sich die Mitarbeiter der Stadtverwaltung bislang noch nicht öffentlich. Die Stadtverordneten behandelten die Details der Beweisverfahren am Cottbuser Landgericht ebenfalls stets im nichtöffentlichen Teil ihrer Konferenzen. Als Grund dafür führen die Fachleute im Rathaus "schützenswerte Interessen Dritter" an: Gerade im Prozess der außergerichtlichen Einigung sei "Fingerspitzengefühl" nötig, wobei die im Vorfeld abgeschlossenen Verträge mit vertraulichem Inhalt eine Rolle spielten. Allerdings merkt der Pressesprecher an: "Die Stadt Spremberg hat außerdem die umfassenden Rechte erhalten, Veränderungen am Gebäude vorzunehmen."

Weitere Gerichtsverhandlungen zu den Schäden am Bürgerhaus werden nach den Worten von Alexander Adam nicht stattfinden. Der genaue finanzielle Umfang der Schäden lasse sich jedoch bis heute nicht beziffern.

Im Zuge der starken Regenfälle der vergangenen Woche war erneut Wasser in den Ratssaal des Bürgerhauses gelaufen: Das teilte Fachbereichsleiter Frank Kulik am Montag den Mitgliedern des Spremberger Bauausschusses mit, die wegen der Havarie mit ihrer Konferenz ins Rathaus ausweichen mussten. "Momentan lässt sich der Saal des Bürgerhauses nicht nutzen", erklärte Frank Kulik. "Wir wollen aber dafür sorgen, dass nicht so schnell wieder Wasser eintritt."

Zum Thema:
Dabei wurde das Bürgerhaus am Spremberger Markt erst vor neun Jahren eingeweiht. Die Baukosten beliefen sich auf ungefähr sechs Millionen Euro. Schon bei der Eröffnung stellten aufmerksame Besucher fest, dass viele Fliesen unsauber verlegt waren. Kurz darauf häuften sich die Beschwerden wegen Feuchtigkeitsschäden und Wassereintritts, wegen Blasen und Rissen in der Haut des Schrägdaches. Im Ratssaal tagen regelmäßig die Stadtverordneten und die Mitglieder der Fachausschüsse. Auch Einwohnerversammlungen finden dort statt.