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| 02:45 Uhr

Bücherklause gibt Gastronomie auf

Das Team der Bücherklause bereitet das Mittagessen für die Gäste vor.
Das Team der Bücherklause bereitet das Mittagessen für die Gäste vor. FOTO: René Wappler
Spremberg. Die Besucher der Spremberger Bücherklause bedauern, dass dieses besondere gastronomische Angebot seinen Betrieb zum 31. Januar aufgibt. Doch nach Angaben des Geschäftsführers rechnete es sich langfristig nicht. René Wappler

Am Fenster sitzt die 73-jährige Rosemarie Noss. Sie wartet auf ihr Mittagessen, und sie bedauert, dass die Bücherklause bald den Restaurantbetrieb aufgeben wird. "Hin und wieder komme ich zum Essen her, aber künftig muss ich mich wohl wieder selbst versorgen", sagt die Rentnerin aus Spremberg. "Die Mitarbeiterinnen waren immer nett und freundlich."

Bis zum 31. Januar hält die Bücherklause ihr Mittags-Angebot für die Gäste der Innenstadt aufrecht. In einer Nachricht an die Kunden schreiben Antje Selge und ihr Team: "Wir bedanken uns für die jahrelange Treue und Ihr Vertrauen in unsere Kochkünste."

Zu den Besuchern zählten auch die Mitarbeiter des Spremberger CDU-Bürgerbüros. Der Landtagsabgeordnete Raik Nowka hebt "den tollen Service, das angenehme Ambiente und das leckere Essen" hervor.

Dem Sozialarbeiter Markus Weiß vom Jugendklub Erebos tut es ebenso leid, dass die Bücherklause ihr bisheriges Geschäft aufgibt. "Wir sind öfter zum Plinse-Essen hingegangen und haben uns dort jedes Mal wohlgefühlt", sagt er. "Erwähnenswert finde ich außerdem, dass der Eingang ebenerdig liegt und somit für Rollstuhlfahrer konzipiert ist."

Zwar äußern sich derzeit viele Spremberger betrübt ob der Nachricht vom Ende des kleinen Restaurants. Zugleich hegen viele Einwohner der Stadt den Wunsch nach "attraktiveren und vielfältigeren gastronomischen Angeboten": Das geht aus einer Umfrage mit 280 Teilnehmern hervor, die Anja Kießlich vom Tourismusverein Spremberger Land im Juli 2016 bei einer Konferenz der Stadtverordneten vorstellte. Doch ein kostendeckender Betrieb der Bücherklause ließ sich nicht erreichen: Das erklärt der Geschäftsführer des BWS Behindertenwerks Spremberg, Hartmut Höhna. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagt er. "Das Team führte die Bücherklause sehr engagiert, aber die Gastronomie ist nun einmal ein schwieriges Geschäft."

Der Geschäftsführer betont, dass die Bücherklause als Begegnungsstätte bestehen bleibt - "vielleicht auch mit der einen oder anderen öffentlichen Veranstaltung oder für ein Treffen in gemütlicher Runde". Nur für die tägliche Versorgung mit Speisen wird sie nicht mehr dienen. Eine Querfinanzierung des Hauses über andere, profitablere Bereiche im Unternehmen ist nach den Worten von Hartmut Höhna kein Modell für die Zukunft, da es nicht auf Akzeptanz der jeweiligen Kostenträger stoßen würde. "Wir entwickeln Projekte, die für sich genommen unter dem Strich wenigstens zu einer schwarzen Null führen müssen", erläutert er. "Falls dies nicht gelingt, ist der Mut vonnöten, eine getroffene Entscheidung noch einmal anzupassen - wenn es auch schwerfällt, wie in diesem Fall."

Das Team der Bücherklause kommt nach den Worten des Geschäftsführers in anderen Bereichen des Behindertenwerks zum Einsatz. So betreibt die GmbH eine anerkannte Werkstatt mit Stätten in Spremberg, Forst, Kolkwitz und Burg. Als Beispiel nennt Hartmut Höhna den Fiedermannhof im Spreewald, ein Hotel, das auf die Wünsche behinderter Menschen zugeschnitten ist.

In diesem Jahr hätte die Bücherklause ihren 10. Geburtstag als gastronomisches Angebot für die Spremberger gefeiert. Das Haus am Kirchplatz wurde nach Angaben der GmbH bereits zur Mitte der 90er errichtet.

Zum Thema:
Der Arbeitsbereich der BWS-Werkstatt mit seinen verschiedenen Gewerken ist nach Auskunft des Hauses Dienstleister für Industrie und Handwerk. Zu den Gebieten zählen eine Druckerei, Pflege von Gärten und Landschaft, Montagen, Metallbau, eine Wäscherei, Gebäudeservice, die Gastronomie am Fiedermannhof in Burg und die Begegnungsstätte am Spremberger Kirchplatz.