Erwin Strittmatters „Ochsenkutscher“ ist im Jahr 1976 in der DDR als „Schönstes Buch des Jahres“ gefeiert worden. Zu verdanken hatte das Strittmatter dem Keramiker, Grafiker und Illustrator Lothar Sell (1939-2009). Er hatte mit seinen Holzschnitten Strittmatters Figuren Gesicht, Gestalt und ihre Welt geschenkt.
Selbst sagte Sell einmal zu seinem Auftrag für den „Ochsenkutscher“: „Ich hatte keine Beziehung zur Strittmatters Lausitz, aber ich bin auf dem Dorf aufgewachsen. Diese Leute gab es auch bei uns. Sie hießen nur anders. In Strittmatters Dorf sehe ich eine ganze Welt.“

Strittmatter-Illustrator Sell taucht im Tagebuch und in Briefen auf

Am 7. November in der Strittmatter-Begegnungsstätte „Unter Eechen“ in Bohsdorf soll sich eine ganze Literaturcafé-Veranstaltung nun dem Künstler widmen. Das kündigt Renate Brucke, die Vorsitzende des Erwin-Strittmatter-Vereins, an. Sie fand mehrere Stellen in Strittmatters Tagebuch und in Briefen. „Sell gehört zu jenen Malern, die sich bei uns durchhungern, weil sie nicht bereit sind, Aufträge zu übernehmen, deren Ausführung Leute ,überwachen, lenken und leiten’, die keinerlei Ahnung von Kunst haben“, hielt Erwin Strittmatter Ende Februar 1970 fest.
Und im Juli 1971, so Renate Brucke, gab Strittmatter in einem Brief an Sell ein Lob von Eva Strittmatter weiter: „Es ist, als ob die Geschichten auf dem Marionetten-Theater nachgespielt werden.“ Auch „Ein Dienstag im September“ und „Der Wundertäter“ wurden von Lothar Sell daraufhin illustriert.

Manfred Schemel und die Tochter des Künstlers erinnern in Bohsdorf an Sell

Manfred Schemel aus Cottbus, Mitglied des Erwin-Strittmatter-Vereins, wird am 7. November gemeinsam mit Gundula Sell das Schaffen des Künstlers würdigen. Schemel hatte die Bücher „Eine Stunde ist eine Stunde“ und „Zeitchen vergeht“ mit Strittmatter-Texten und Sell-Illustration herausgegeben und den Bohsdorfer Verein als Vorsitzender achteinhalb Jahre lang bis 2011 durch eine nicht ganz einfache Zeit geführt.
Gundula Sell, die Tochter des Künstlers, die in Meißen lebt, ist eine begnadete Erzählerin und Lyrikerin. Im Gedicht „Was ich von ihm gelernt habe“ erinnert sie sich an ihren Vater. „Er hat auch selbst Episoden aus seiner Kindheit aufgeschrieben“, sagt Gundula Sell, „auch daraus will ich lesen“. Beginnen wird das „Literaturcafé“ am 7. November um 14 Uhr.