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| 19:00 Uhr

Feuerteufel
Gericht beschäftigt Brandserie von Welzow

Ein trauriger Anblick: die ausgebrannte Rathsburg in Welzow.
Ein trauriger Anblick: die ausgebrannte Rathsburg in Welzow. FOTO: Richter-Zippack
Cottbus/Welzow. Ein unheimliche Brandserie hat Ende Januar, Anfang Februar die Welzower nächtelang nicht ruhig schlafen lassen und die Feuerwehren der Region in Atem gehalten. Die mutmaßlichen Brandstifter sollen sich ab Ende Oktober vor Gericht verantworten. Von Verena Ufer

Diese Brandnächte im Winter 2018 werden die Welzower so bald nicht vergessen können. In kurzen Abständen loderten Feuer vor allem in leer stehenden Gebäuden der Stadt im Spree-Neiße-Kreis.

Voraussichtlich ab Ende Oktober werden sich nun die mutmaßlichen Brandstifter, zwei Brüder, vor Gericht verantworten müssen. Das erfuhr die RUNDSCHAU am Mittwoch auf Anfrage von Amtsgerichtsdirektor Michael Höhr, der zugleich Sprecher des Gerichts ist.

Bereits im Juli hatte die Staatsanwaltschaft Cottbus Anklage gegen die Tatverdächtigen erhoben, wie Höhr sagt. Die Behörde wirft den Brüdern, die zur Tatzeit 18 und 30 Jahre alt waren, Brandstiftung in zehn Fällen, versuchte Brandstiftung und Sachbeschädigung vor. Verhandelt wird der Fall vor dem Jugendschöffengericht in Cottbus, „da einer der beiden Beschuldigten noch Heranwachsender ist“, erläutert Michael Höhr die Besonderheit des Falles. Da beide gemeinsam gehandelt hätten, sei es sinnvoll, die Verfahren zusammenzulegen. Zumal ein Jugendschöffenrichter die selbe Strafgewalt wie ein Erwachsenenschöffenrichter habe. Er müsse allerdings prüfen, ob beim Heranwachsenden Jugendstrafrecht anzuwenden sei oder Erwachsenenstrafrecht, erläutert Höhr.

Bereits seit dem 21. Februar hatten die beiden mutmaßlichen Feuerteufel in Untersuchungshaft gesessen. Nach einer Haftprüfung ist der jüngere, mittlerweile 19-jährige Bruder, seit Ende Juli auf freiem Fuß. „Für den jetzt 31-jährigen Älteren wurde die weitere Untersuchungshaft angeordnet“, erklärt der Gerichtsdirektor. Allerdings sei gegen diesen Beschluss Beschwerde eingelegt worden, fügt er hinzu. Nach sechs Monaten Untersuchungshaft müsse aber ohnehin das Oberlandesgericht entscheiden, ob die Haftfortdauer angeordnet bleiben darf. Diese Frist läuft am 21. August ab. Der Prozess ist erst für Ende Oktober/November terminiert.

Die Feuerwehrleute der Region hatten im Januar/Februar viele schlaflose Nächte.
Die Feuerwehrleute der Region hatten im Januar/Februar viele schlaflose Nächte. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit

Am 26. Januar war das erste Feuer in Welzow aufgeflammt. Elf weitere sollten folgen, bis die Polizei der mutmaßlichen Täter habhaft wurde (Die RUNDSCHAU berichtete). Nur dem beherzten Agieren der Einsatzkräfte ist es zu verdanken, dass bei den Bränden keine Menschen ernsthaft verletzt wurden. Besonders traurig sind die Spremberger nach einem Brand in der ehemaligen Gaststätte Rathsburg. Der markante Turm, ein Wahrzeichen der Stadt, ragt am Tag danach als verrußte Säule in den Himmel. Das gesamte Dachgeschoss ist ein Raub der Flammen geworden.

Die Stadt setzt schließlich eine sogar eine Belohnung von 1000 Euro aus für Hinweise, die zum Täter führen. Als Polizeibeamte die beiden mutmaßlichen Brandstifter schließlich verhaften, laufen bereits intensive Vorbereitungen für eine Sicherheitspartnerschaft in der Stadt. Schon zuvor hatten Einwohner begonnen, abends zu Kontrollgängen durch die Stadt aufzubrechen, um weitere Brandstiftungen zu verhindern.