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| 15:39 Uhr

Aus alt mach neu
Schandfleck in Spremberg wird schick saniert

 Das ehemalige Wasch– und Färbehaus an der Berliner Kreuzung wird aktuell zu neuem Leben erweckt. Wo einst das Nebengebäude stand, sollen demnächst Parkplätze und eine Terrasse für das sanierte Gebäude entstehen. Im Hintergrund die leerstehende Sinapius-Villa.
Das ehemalige Wasch– und Färbehaus an der Berliner Kreuzung wird aktuell zu neuem Leben erweckt. Wo einst das Nebengebäude stand, sollen demnächst Parkplätze und eine Terrasse für das sanierte Gebäude entstehen. Im Hintergrund die leerstehende Sinapius-Villa. FOTO: LR / Marcel Laggai
Spremberg. Das Wasch– und Färbehaus ist vielen Sprembergern ein Dorn im Auge. Nach  25 Jahren Leerstand nagt der Zahn der Zeit unaufhörlich an dem Gebäude. Von Marcel Laggai

Das Nebengebäude des Wasch- und Färbehauses an der Berliner Kreuzung ist im vergangenen Sommer abgerissen worden. Seitdem scheint hinter dem Bauzaun wieder Ruhe eingekehrt. Doch der Schein trügt.

Obwohl sich die Fassade noch immer in ihrem schmucklosen „Kleidchen“ präsentiert, wird im Inneren bereits fleißig gewerkelt, wie der Eigentümer, Stefan Ebeling, stolz berichtet. Seit 2016 ist er Besitzer der geschichtsträchtigen Immobilie. Zum vermeintlichen Stillstand sagt er: „Ich kümmere mich nicht hauptberuflich um das Objekt und muss es demzufolge also neben meinem eigentlichen Beruf beackern.“ Allein das Beräumen des Gebäudes habe nahezu ein ganzes Jahr Zeit gekostet. Allerhand Unrat aus zig Jahren und der teils marode Zustand waren anfangs kaum abzuschätzen. Dank Muskelkraft und Unterstützung aus dem Freundeskreis gehe es allerding gut voran. „Wir haben das Objekt bereits restlos entkernt und teilweise auch Wände eingerissen“, erklärt Ebeling.

Der finanzielle Aspekt ist allerdings nicht zu unterschätzen. So habe ein Gutachten eines Fachmanns ergeben, dass eine komplette Sanierung des Hauses knapp eine Million Euro kosten würde.  „Eben um diese Summe etwas zu drücken, wird so viel wie möglich in Eigenleistung erledigt.“  Zugute kam Eberling indes, dass die Erneuerung des Objekts vom Land bezuschusst wird.

Daran mitgewirkt hat allerdings auch die Stadt. „Im Rahmen der Altbauaktivierungsstrategie hatten wir dieses Objekt auch auf dem Schirm, um gegebenenfalls Mittel zu organisieren“, so Bürgermeisterin Christine Herntier. Besagtes Strategiepapier wurde im September 2017 präsentiert und enthält ein „Konzept zur Sanierung und Sicherung stadtbildprägender Objekte in der Stadt Spremberg“. Im Papier enthalten sind zahlreiche Immobilien, die mittel- und langfristig von der Stadt in Angriff genommen werden sollen.

„Darunter sind teils ‚dicke Brocken‘, die wie Leuchtfeuer aus dem bis dato schon vielerorts sanierten Stadtbild hervorstechen“, erklärt Silvia Schimko, die bereits seit vielen Jahren mit der Stadtplanung betraut ist. Damit gemeint sind Industriebrachen, wie etwa der ehemalige Schlachthof an der Berliner Straße oder die ehemalige Tuchfabrik Levy an der Georgenstraße. Letztere Immobilie bereitet der Frau von der Stadtplanung sichtlich Bauchschmerzen. „Eigentlich sollten dort Wohnungen entstehen, weil das Objekt aber dermaßen belastet ist, beharken sich sowohl Gesundheitsamt als auch Denkmalbehörde“,  offenbart Schimko spürbar emotional.

Ohnehin müsse man gleich an mehreren „Fronten“  kämpfen. „Jedes Objekt hat seine Eigenheiten. Es fängt bei den Besitzverhältnissen an und endet bei bösen Überraschungen und verdeckten Kosten, die die Eigentümer mitunter bis an den Rand einer Insolvenz bringen“, sagt die Bürgermeisterin. Diese „undankbare Arbeit“ geschehe jedoch meist im Hintergrund und werde von Bürgen nur selten wahrgenommen.

Ähnlich wie die Arbeiten im ehemaligen Wasch- und Färbehaus, die bis dato verborgen von der Öffentlichkeit aktuell jedoch an Fahrt gewinnen, wie Ebeling beteuert. „Da wir nun die Zusagen von der Bank und vom Land haben, sind die Verträge mit den Firmen auch geschlossen, sodass sich auch von außen bald etwas tut.“ Der Spremberger, der schon öfter alte Häuser saniert hat, bezieht sich damit auf die Höhensanierung. Dank eines Gerüstes könnten dann das Dach, die Fassade und Fenster von den unterschiedlichen Gewerken erledigt werden.  „Wenn das Wetter mitspielt, dann kann es schon im März damit losgehen.“ Während im Inneren beispielsweise Elektrik, Abwasser oder etwa eine neue Treppe fest auf der To-do-Liste stehen.

Dabei  hat Ebeling schon im Vorfeld einen straffen Zeitplan vorgelegt, stehen doch schon zwei Mieter fest auf seiner Liste. „Ich werde in die Wohnung unter das Dach ziehen, und in den Geschäftsbereich  im Erdgeschoss wird die Weinhandlung Schulz ziehen“, so der Eigentümer. Man plane die Schlüsselübergabe für den 1. Januar 2020. Auch der Inhaber der Weinhandlung, Sebastian Schulz, freut sich bereits auf die neuen Räume. Zumal der Unternehmer dadurch erheblich an Fläche gewinnt. „Statt aktuell 80 Quadratmetern werden wir dann 200 Quadratmeter Geschäftsfläche unser eigen nennen“, erklärt Schulz.