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Briefe entscheiden über die drittgrößte Wahl

Klaus-Dieter Peters hat sich die Unterlagen zu seinem ersten Einsatz in Ostdeutschland aus dem Jahr 1990 bis heute aufgehoben.
Klaus-Dieter Peters hat sich die Unterlagen zu seinem ersten Einsatz in Ostdeutschland aus dem Jahr 1990 bis heute aufgehoben. FOTO: wr
Spremberg. Die drittgrößte Wahl in Deutschland findet in diesem Jahr statt: Mehr als 51 Millionen Versicherte stimmen bei der Sozialwahl über ihre Vertreter bei der Rentenversicherung und den Ersatzkassen der gesetzlichen Krankenversicherung ab. Die Unterlagen dazu werden derzeit verschickt. René Wappler

Ein 70-jähriger Mann kam zum ehrenamtlichen Versichertenberater in Spremberg. Wann er denn endlich mal seine Rente bekomme, wollte er wissen. "Der Mann hatte als selbstständiger Unternehmer stets gut verdient", erinnert sich Klaus-Dieter Peters. "Im Gespräch stellte sich heraus: Statt die Rente zu beantragen, glaubte er, sie würde ihm mit dem Wechsel in den Ruhestand von selbst ins Haus schneien."

Das Beispiel zeigt: Gerade bei der finanziellen Absicherung im Alter besteht enormer Klärungsbedarf. Um diese Fragen kümmern sich unter anderem die Parlamente der gesetzlichen Versicherungen, die mithilfe der Sozialwahl alle sechs Jahre neu bestimmt werden. Zwar handelt es sich um eine reine Briefwahl. Doch nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund hat in Deutschland nur das Votum für den Bundestag und das Europaparlament eine größere Dimension. Dabei stimmen die Berechtigten bei der Sozialwahl nicht über Personen ab, sondern über Listen.

In Spremberg hilft Klaus-Dieter Peters als Vertreter der Beitragszahlenden bei Fragen zur Rente, zum Steuerrecht und bei Klagen vor dem Sozialgericht. "Diese Themen werden aufgrund des demografischen Wandels immer wichtiger", sagt er. "Leider wird die Sozialwahl in meinen Augen nicht richtig vermarktet: Viele Leute wissen aufgrund der vielen Gruppierungen nicht so richtig, was dahintersteckt."

Peters selbst kann sich vorstellen, die Funktion des Versichertenberaters noch bis zum Jahr 2026 auszufüllen. Dann würde sein 40-jähriges Jubiläum anstehen: Im Jahr 1986 wurde er erstmals gewählt - damals im Kreis Aachen.