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Braunes Langohr wird erwartet

Günter Walczak, Daniel Glaser und Wieland Böttger prüfen, ob die Fledermäuse hinter der Holzverschalung in der Bühlower Friedhofskapelle Rücken- und Bauchkontakt haben.
Günter Walczak, Daniel Glaser und Wieland Böttger prüfen, ob die Fledermäuse hinter der Holzverschalung in der Bühlower Friedhofskapelle Rücken- und Bauchkontakt haben. FOTO: Igel-Allzeit
Spremberg. Die Friedhofskapelle in Bühlow ist gerettet. Sie gehört jetzt den Fledermäusen, Lurchen, Vögeln, Hornissen … Eins der beiden Kapellenfenster wurde zum kleinen Einflugloch umgestalten, in einer Ecke ein Steinhaufen aufgeschichtet, Holzschalungen und Sauerkrautplatten an der Wand befestigt, ein Sockel aus alten Mauersteinen und Nischen hochgezogen, Betonhohlblöcke aufgestellt. Annett Igel-Allzeit

Daniel Glaser, Leiter der Betriebsstätten des Behindertenwerkes Spremberg, stellt die Holzleiter an die Luke zum Dachboden. Fürs Ausleuchten hat Wieland Böttger, Vorsitzender des Spremberger Regionalverbandes des Naturschutzbundes (Nabu), eine große Taschenlampe mitgebracht. Denn während im Kapellenraum nun ideale Bedingungen fürs Überwintern der Fledermäuse herrschen, eignet sich der Dachboden als Sommerquartier der kleinen Flugsäuger.

Das Behindertenwerk arbeitet seit einigen Jahren mit dem Nabu zusammen. "Unsere Beschäftigten sind froh über etwas Abwechslung außerhalb der Werkstätten. Und so ein Fledermausquartier zu möblieren, ist schon eine spannende Aufgabe", sagt Daniel Glaser. Das Dach haben Dachdecker mit alten Ziegeln neu gedeckt. Die Dachfirstziegel wurden mit kleinen Holzscheiten leicht angehoben, damit die Fledermaus darunter passt. Schwalbenbretter, die durchaus auch andere Vögel nutzen, fanden an der Rückseite der Fassadentürmchen Platz. Und stolz ist Glaser auch auf die Gestaltung der Kapellenrückwand, wo die Lurche ihr Einschlupfloch haben.

Zur Einweihung des neuen Fledermausquartiers am Donnerstag auf dem Bühlower Friedhof hatte der Spremberger Nabu-Regionalverband die Helfer und Förderer eingeladen. Und die beiden Fledermausexperten unter ihnen - der Diplombiologe Jens Teubner vom Landesamt für Umwelt und Günter Walczak, Fledermaus-Sachverständiger beim Senftenberger Nabu-Regionalverband, der den Sprembergern oft hilft - freuten sich über das Kleinod in der Friedhofsruhe. Sie konnten bei der Begehung den Sprembergern Naturfreunden zeigen, wo genau den Fledermäusen noch eine Anflugleiste hilft.

Auch Claudius Schneider vom Fördermanagement Naturschutzfonds Brandenburg war gekommen, um zu sehen, wie die Umgestaltung so einer Kapelle, die es in vielen Dörfern Brandenburgs gibt, gelingen kann. Mit 7268 Euro hatte die Naturfonds-Stiftung aus Mitteln des Zweckertrages der Lotterie Glücksspirale das Bühlower Naturschutzprojekt unterstützen können. Die zweite Hälfte der Kosten teilen sich die Stadt Spremberg, der Landkreis Spree-Neiße, der Nabu-Bundesverband und die Leag. Aber auch Bühlower Bürger halfen, sagt Wieland Böttger: "Sie haben für uns einen Anbau aus DDR-Zeiten abgerissen, damit die Kapelle wieder in ihrer ursprünglichen Form dasteht." Der Sellessener Ortsvorsteher Hardy Kordian ist froh. 2009 hatten Bühlower noch für den Erhalt der Kapelle demonstrieren müssen. Wie Doritha Drews, die zuständige Sachgebietsleiterin im Rathaus, bestätigt, hätte die Stadt die Kapelle als Trauerhalle einfach nicht halten und sanieren können. Die zwei Tafeln mit den Namen aller Gefallenen im Ersten und Zweiten Weltkrieg aus Bühlow, die in der Kapelle hingen, haben einen neuen Platz in der Spremberger Kreuzkirche gefunden. Und auch über die beiden alten Leuchter, die jetzt bei den Umbauten auf dem Dachboden entdeckt worden, will Kordian mit dem Gemeindekirchenrat sprechen. "Vielleicht finden sie Platz bei den Tafeln", hofft Kordian.

Zum Thema:
Inzwischen sind für das Land Brandenburg 18 Fledermausarten bestätigt, weiß Jens Teubner vom Landesamt für Umwelt (LfU). Zumindest mit dem Braunen Langohr, mit dem Grauen Langohr, mit der Zwergfledermaus und durch die Nähe zur Talsperre auch mit der Wasserfledermaus dürfen die Bühlower in ihrer Friedhofskapelle rechnen. 150 Naturfreunde helfen landesweit, die Fledermäuse zu beobachten und zu zählen. Auch der Spremberger Regionalverband will sich nach den Umbauten mehr am Zählen beteiligen. "Weil dass nicht allein mit Feldstecher und Klappstuhl gelingt, haben wir uns jetzt eine Horchbox angeschafft", so der Spremberger Nabu-Vorstandsvorsitzende Wieland Böttger.