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| 08:12 Uhr

Welzow
Dach-Provisorium soll weiteren Verfall verhindern

Welzow. Nach dem Feuer in der Rathsburg: Mehr Sicherheitsauflagen sorgen für Räumstopp an Brandruine.

Der Bereich der Rathsburg in Welzow ist weiterhin für den Durchgangsverkehr gesperrt. Der ehemalige Gasthof bekommt aber einen neuen Dachstuhl. Die von einer Spremberger Firma provisorisch errichtete Konstruktion soll nach Angaben von Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) einen weiteren Verfall des ausgebrannten Gemäuers verhindern. Was anschließend mit der „Ratze“, wie die Welzower das Gebäude volkstümlich nennen, passiert, hängt von einem Gutachten ab. Davon erhofft sich die Stadt als Eigentümerin Erkenntnisse, was mit der Ruine passieren könnte. Voraussichtlich Mitte Juni sollen diese Arbeiten erledigt sein. Bis dahin müsse auch die Kreuzung Spremberger Straße/Jahnstraße gesperrt bleiben.

Bei einer Brandserie im Januar und Februar hatte neben Schuppen, Bungalows und Wohnhäusern auch dieses Welzower Wahrzeichen in Flammen gestanden. In der Nacht zum 18. Februar brannte der Dachstuhl ab. Während zwei mutmaßliche Brandstifter seit Wochen in Untersuchungshaft sitzen, hat an der Rathsburg das Aufräumen begonnen. Schutt und verbrannte Gebäudeteile sollen weggeräumt werden.  „Im Anschluss daran wird das Objekt nochmals durch die Sachverständigen besichtigt.  Es werden Sicherungsmaßnahmen und eine provisorische Dachabdeckung durchgeführt“, kündigt Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) an. Doch der Kran drehte sich seit zwei Wochen nicht mehr, kein Bauarbeiter besteigt das Gerüst, kein Schutt kracht in die Container, denn zusätzliche Sicherheitsauflagen sind zu erfüllen, damit dort überhaupt gearbeitet werden kann, so Rainer Schmidt, Leiter des Bauamtes.

Wie die Bürgermeisterin bestätigt, werden sämtliche Aufwendungen zur Verkehrssicherheit, zur Räumung und Gebäudesicherung von der Versicherung getragen – zusätzlich zur Wertermittlung. Die Stadt wolle sich weiter für den Wiederaufbau einsetzen. „Es geht nun um das Wie und mit welchem Partner“, sagt Birgit Zuchold. Ein vollständiger Abriss bleibe die letzte Option, betont sie.

Das Spendenkonto, das die Verwaltung nach dem Brand für die Rathsburg eingerichtet hat, füllt sich nur langsam. 250 Euro waren es Mitte April. Seit Jahren wartet die Stadt auf einen Investor für die Rathsburg. Thema war ihr Zustand bereits vor dem Brand regelmäßig in den Sitzungen der Stadtverordneten. Ob sie genug für mögliche Interessenten tue, musste sich die Verwaltung immer wieder fragen lassen. Noch im September 2017 hatte sich die Bürgermeisterin über eine Zusatzförderung aus dem Programm „Kleine Städte“ gefreut: 50 000 Euro für die Sicherung der denkmalgeschützten Rathsburg. Parallel dazu sollte weiter nach einem Investor gesucht werden. Erst in der Woche vor dem Brand wurden Vorrichtungen angebracht, um Passanten vor herabstürzenden Gebäudeteilen zu schützen.

Die erste Schätzung des Brandschadens noch im Februar bezifferte die Polizei mit mindestens 200 000 Euro. Die provisorische Dachabdeckung soll verhindern, dass Nässe die unteren Etagen zerstört.

Im Jahr 1902 hatte Familie Rathsburg das große Gebäude als Hotel und Gaststätte vom Architekten Theodor Steudel errichten lassen – im Stil des Historismus. Steudel lockerte die Klinkerfassade mit hellen Betonelementen auf. Viele Welzower haben hier gefeiert: Betriebsfeste, runde Geburtstage, Hochzeiten, auch die Jugendweihen haben hier stattgefunden.  Doch die hübschen Giebel lassen sich jetzt nur noch erahnen. Den einst weit sichtbaren Eckturm haben die Flammen verschlungen.