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| 18:00 Uhr

Schwarzer Schnee
Landesumweltamt sieht keine Gesundheitsgefahr

Jetzt soll sich die Landesregierung zum „schwarzen Schnee“ von Welzow und Proschim erklären.
Jetzt soll sich die Landesregierung zum „schwarzen Schnee“ von Welzow und Proschim erklären. FOTO: Hannelore Wodtke
Cottbus. Die Landesbehörde gibt Entwarnung. Alle Vorsorgewerte werden deutlich unterschritten.

(ta) Geht vom „schwarzen Schnee“ von Welzow und Proschim eine erhöhte Gesundheitsgefährdung für die Anwohner aus? Die vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Brandenburg vorgelegte Analyse des Materials vom März-Staubsturm in der Region hat den Verdacht nahegelegt. Das Brandenburger Landesumweltamt geht nach einem Vergleich mit gesetzlich festgeschriebenen Richtwerten davon aus, dass sich Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung nicht erkennen lassen.

BUND-Landeschef Carsten Preuß forderte dagegen am Mittwoch (die RUNDSCHAU berichtete), dass die Staubbelastung der Tagebaurand-Siedlungen überprüft werden müsse. „Die bisherigen Aussagen zu Feinstaub und Gesundheitsgefährdung sind wenig plausibel“, erklärte er. „Hier ist das Landesamt für Umwelt gefordert.“

Die RUNDSCHAU hat bei der Behörde nachgefragt. Pressesprecher Thomas Fey erläutert, dass die Behörde das von der beauftragten Eurofins Umwelt GmbH untersuchte Material zwar nicht genau kenne. Im Kontext zur BUND-Pressemitteilung sei aber davon auszugehen, dass es sich um eine relativ grobe Staubfraktion handele, die als sichtbarer Staubniederschlag in Welzow und Umgebung eingetragen wurde. Deshalb, so der Sprecher, würden zur Beurteilung einer potenziellen Gesundheitsgefährdung die Prüf- und Vorsorgewerte gemäß Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) für den Wirkungspfad Boden – Mensch (direkter Kontakt) herangezogen.

Die Analysewerte von Eurofin wurden daraufhin mit den Prüfwerten der BBodSchV für Kinderspielplätze (empfindlichstes Schutzgut) verglichen. Dabei liegen die feststellten Analysewerte bei Arsen 16,9 mg/kg (Grenzwert: 25 mg/kg), bei Blei 27 mg/kg (Grenzwert: 200 mg/kg) und Quecksilber 0,12 mg/kg (Grenzwert: 10 mg/kg) alle deutlich unter den Vorsorgewerten des Gesetzgebers. In einer ersten Reaktion auf die BUND-Analyse hatte die Vorsitzende des Umweltausschusses im Welzower Stadtparlament Hannelore Wodtke (Grüne Zukunft Welzow) dagegen erklärt: Wenn sie sich die toxische Liste der Untersuchung des BUND ansehe, würden bei ihr die Alarmglocken klingeln.

 Die Grünen im Landtag hatten vor dem Hintergrund der BUND-Erkenntnisse zudem darauf hingewiesen, dass die von Einwohnern wegen des „schwarzen Schnees“ geforderte Hilfe durch das Landesumweltamt versagt worden sei. Der Umgang der Behörde mit den Betroffenen sei inakzeptabel, kritisierte der umweltpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Benjamin Raschke. Darauf reagierte das Landesumweltamt verwundert. Denn nach Angaben von Pressesprecher Frey sei der Probe­nehmerin nach Eingang der Proben im Landesamt in einem ausführlichen Gespräch erklärt worden, wie die Probennahme professionalisiert werden könnte, um zu belastbareren Ergebnissen zu kommen. Alleine der Transportweg per Post – verbunden mit Temperaturschwankungen und Schütteln – beeinträchtigte die Qualität der Probe. „Ihr wurde für den Wiederholungsfall Unterstützung durch das Landesamt zugesagt“, sagte Frey.