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| 15:27 Uhr

Notruf-Missbrauch gilt als Straftat
Böswilliger Alarm kostet 470 Euro

Auch Fehlalarme schlagen bei der ohnehin schon hohen Zahl der Einsätze zu Buche, von denen Stadtwehrführer Frank Balkow und seine Kameraden berichten.
Auch Fehlalarme schlagen bei der ohnehin schon hohen Zahl der Einsätze zu Buche, von denen Stadtwehrführer Frank Balkow und seine Kameraden berichten. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg . Polizei prüft Zeugenaussagen zu Feuerwehreinsatz am Spremberger City Center.

Ein junger Mann aus Spremberg steht im Verdacht, die Brandmeldeanlage im City-Center mutwillig ausgelöst zu haben. Falls sich bestätigt, dass er die Schuld dafür trägt, muss er wohl für den Feuerwehreinsatz aufkommen. Allerdings sind die Ermittlungen der Polizei noch nicht abgeschlossen. Denn nach Angaben der Pressestelle gibt es widersprüchliche Aussagen von Zeugen. Somit sei auch noch nicht erwiesen, dass der junge Mann tatsächlich als Täter in Frage kommt.

Der Einsatzbericht der Spremberger Feuerwehr vermerkt den genauen Zeitpunkt des Alarms. 10. Mai, Himmelfahrtstag, 15.54 Uhr. Wegen eines eingeschlagenen Handmelders fuhren die Einsatzkräfte ins City-Center. Diese Geräte funktionieren so: Bei einem Brand zerstören die Mieter die Glasscheibe, um dann den Knopf zu drücken. Auf diese Weise alarmieren sie die Feuerwehr. Nur hatte sich am Himmelfahrtstag im City Center kein Brand ereignet. Im Einsatzbericht heißt es dazu: „Es konnte nach Kontrolle des Bereiches keine Gefahr festgestellt werden.“ Also setzten die Feuerwehrleute die Brandmeldeanlage zurück. Polizeibeamte waren ebenfalls vor Ort. Hinweise von Zeugen führten sie später auf die Spur eines möglichen Tatverdächtigen. Derzeit prüfen die Ermittler allerdings noch, wie zuverlässig diese Hinweise wirklich sind.

Die Mitarbeiter des Rathauses haben die Details zum Einsatz im City Center in ihrem Computersystem gespeichert. Wie Fachbereichsleiter Frank Kulik mitteilt, belaufen sich die Kosten auf 770 Euro. Er bestätigt: „Der Missbrauch des Notrufes ist eine Straftat.“

Paragraf 145 des Strafgesetzbuches erläutert, welches Urteil die Urheber von Fehlalarmen erwartet. Eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe droht demnach Tätern, die Notrufe oder Notzeichen missbrauchen oder vortäuschen, „dass wegen eines Unglücksfalles oder wegen gemeiner Gefahr oder Not die Hilfe anderer erforderlich sei“. Das mutwillige Auslösen der Brandmeldeanlage im Spremberger City Center fällt in diese Kategorie.

Grundsätzlich gelingt der Polizei eine hohe Aufklärungsquote bei Straftaten, die dem Paragraf 145 zuzuordnen sind. Bei 69 registrierten Fällen im Jahr 2016 in Cottbus und dem Spree-Neiße-Kreis betrug diese Quote 85,5 Prozent. 53 Fälle meldet Torsten Wendt von der Pressestelle der Polizei für das Jahr 2017. Die Aufklärungsquote belief sich dabei auf 84,9 Prozent.

Doch auch ohne Einsätze wegen des Missbrauchs von Notrufanlagen hätten die ehrenamtlichen Feuerwehrleute in Spremberg genug Arbeit. Darauf wies der stellvertretende Stadtwehrführer Christian Balzer im Mai hin, als er den Stadtverordneten im Bürgerhaus die aktuelle Statistik vorstellte. In 229 Fällen rückten die Feuerwehrleute im Jahr 2017 aus, in 73 Fällen von Januar bis Mai 2018. Von einer „Rekordzahl“ hatte Stadtwehrführer Frank Balkow bereits im Dezember 2017 bei der Jahresbilanz gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt konnte allerdings niemand ahnen, dass den Einwohnern der Innenstadt die größte Katastrophe noch bevorstand. In der Nacht zum 9. Juni löschten Feuerwehrleute 13 Brandstellen an elf Orten, zum Beispiel in der Badergasse und am Kirchplatz. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. Noch wissen sie jedoch nicht, wer dafür verantwortlich ist.

Ein weiterer Fall ereignete sich am vergangenen Wochenende. Ein Brandstifter versuchte nach Angaben der Polizei am Sonntag gegen 4.35 Uhr, eine Wohnungstür in einem Haus in der Dresdener Straße anzuzünden. Ein schwerer Schaden blieb nur aus, weil ein Nachbar die Flamme entdeckte und löschte. Der Täter ist den Ermittlern noch unbekannt.

Angesichts solcher Delikte wiegt es für die Feuerwehrleute umso schwerer, wenn jemand mutwillig den Notruf auslöst. Zu einem Fehlalarm kam es in Spremberg von Januar bis Mai 2018 in zehn Fällen, wie der stellvertretende Stadtwehrführer Christian Balzer berichtet. Mit diesen Fällen wächst der finanzielle Aufwand der Feuerwehr. Im Jahr 2017 betrug allein das Investitionsvolumen für Sachgüter 476 900 Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 lag es bei 234 900 Euro, im Jahr 2016 bei 296 700 Euro. 

Dazu gesellt sich ein psychologischer Faktor. In einer Studie des Institut für Arbeitswirtschaft in Kassel untersuchte der Autor Henning Bilhuber, wie sich Fehlalarme auf die Motivation von Feuerwehrleuten auswirken. Er kam zu dem Schluss: „Aufmerksamkeit und Einsatzbereitschaft sinken zwangsläufig mit jedem Fehlalarm, und es mangelt an notwendigen Erfolgserlebnissen, die ihrerseits eine wichtige Rolle beim Stressabbau haben.“