So viel Offenheit überrascht und schockiert die Lokalpolitiker aller Fraktionen am Donnerstagnachmittag gleichermaßen. Denn was sie da vom Geschäftsführer der EKZ Stadtpromenade Cottbus GmbH zu hören bekommen, haben sie so nicht erwartet. Sie erfahren erstmals, dass die Hausbank Eurohypo aus dem Geschäft ausgestiegen ist, die Verhandlungen mit potenziellen neuen Partnern erst im vergangenen Jahr richtig Fahrt aufnahmen, das neue Finanzierungsmodell noch immer nicht steht. Bisher ist demnach noch nicht einmal die Umfinanzierung des bestehenden Hauses gesichert. Frühestens im September sei es soweit. Erst danach könne die Erweiterung in Angriff genommen werden. EKZ-Chef René Becker wird trotzdem nicht müde zu betonen: "Wir haben nie an dem Projekt gezweifelt und wollen es auch umsetzen."

Der Unternehmer erklärt: "Die Eurohypo hat sich 2010 ohne Begründung zurückgezogen. Danach haben wir neue Partner gesucht. Es hat Angebote gegeben. Die scheiterten bis dato aber an den persönlichen Bürgschaften." Allein 2013 habe das Unternehmen mit neun Banken Gespräche über eine Umfinanzierung des Projektes geführt - bisher ohne Erfolg. Deshalb haben sich die Bauherren Mitte vergangenen Jahres mit der B+K GmbH ein auf das Immobiliengeschäft spezialisiertes Finanzberatungs-Unternehmen ins Boot geholt. "Diese Einsicht ist vielleicht zu spät gekommen", so Becker. Seither hätten die Verhandlungen eine positive Wende genommen. Nächste Woche stehen demnach Vor-Ort-Gespräche mit mehreren Bankenvertretern in Cottbus an.

Das bestätigt Finanzberater Peter Knopp. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Westdeutschen Immobilienbank steht den Cottbuser Bauherren zur Seite. Er wird deutlich: "Der Knackpunkt ist das Bestandshaus. Wenn wir das nicht auf neue finanzielle Füße stellen können, gibt es auch keinen Anbau." Spätestens Ende März gebe es darauf eine Antwort. Ob bei den Gesprächen kommende Woche die drohende Aufhebung des Bebauungsplanes hinderlich ist, beantwortet er mit einer rhetorischen Frage: "Würde ich sechs Wochen bevor der erste Bauabschnitt in den Griff zu kriegen ist, die Reißleine ziehen?" Er ergänzt nach mehrmaligem Nachhaken der Abgeordneten: "Wenn sich die Stadt gegen einen Anbau stellt, dann müssen die Gespräche neu geführt werden. Denn alle bisherigen Gutachten beziehen den zweiten Bauabschnitt ein." Der Finanzberater bestärkt die Position der Bauherren: "Wir glaube an das Projekt. Ansonsten hätten wir den Auftrag nicht angenommen." Allein die Tatsache, dass die Bankenvertreter anreisen, zeige, dass sich der Standort Cottbus trotz der negativen sozio-ökonomischen Eckdaten bewiesen habe. Becker hebt den Erfolg des Einkaufszentrums hervor. Demnach konnte der Nettoumsatz von 36 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 52 Millionen Euro im vergangenen Jahr gesteigert werden. "Der Umsatz in der gesamten Sprem ist nicht einmal halb so hoch", sagt Becker. Gemeinsam mit Galeria Kaufhof bediene das Blechen-Carré 80 Prozent der Käuferschaft in Cottbus.

Die Abgeordneten nehmen all das zur Kenntnis. Kaum einer der Lokalpolitiker hält seine Skepsis zurück. Auf die Frage, ob die EKZ den Baugrund bei einem Scheitern des Anbaus verkaufen würde, gibt es eine ruppig vorgetragene Antwort von Becker: "Wir werden das Grundstück nicht verkaufen. Dann machen wir etwas Neues."