| 02:45 Uhr

Betriebserlaubnis entzogen
Biogasanlage steht seit März still

Die Biogasanlage in Hornow auf dem Geländes des Landwirts Rainer Noack steht seit März still.
Die Biogasanlage in Hornow auf dem Geländes des Landwirts Rainer Noack steht seit März still. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Hornow. Die Biogasanlage in Hornow steht seit März still. Das Landesamt für Umwelt (LfU) hat der Biogas Produktion Hornow GmbH die Betriebserlaubnis entzogen, weil eine Grundvoraussetzung nicht mehr erfüllt ist: Der Landwirt Rainer Noack, dem das Grundstück gehört, auf dem die Anlage errichtet wurde, beliefert die Biogasanlage nicht mehr. Annett Igel-Allzeit

Noack bewirtschaftet seit vielen Jahren seinen Landwirtschaftsbetrieb und wurde 2010 zusätzlich Betriebsführer für die Biogasanlage. Er versorgte die Anlage mit Silage von seinen Feldern, mit Rindergülle und Hühnertrockenkot. Den Gärrest, den er "erntete", brachte er als wertvollen Dünger auf seine Felder. "Es waren alles sehr kurze Transportwege. Aber dann verschlechterte sich die Zahlungsmoral der Biogasgesellschaft zunehmend", so Noack. Im Dezember 2015 habe er deshalb die Verträge gekündigt und die Arbeiten eingestellt. "Ich musste zwei von drei Mitarbeitern entlassen. Und die Silage wurde sogar bis aus 300 Kilometern Entfernung herangefahren", weiß der Landwirt. Als im September öffentlich wurde, dass sich die Biogas Produktion Hornow mit dem Landesamt für Umwelt in einem Verwaltungsgerichtsverfahren befindet und das Fortbestehen der Biogasanlage ungewiss ist, landeten beunruhigte Anrufe bei den Noacks.

Die Biogas Produktion Hornow GmbH ist ein Tochterunternehmen der KTG Energie AG und die AG gehört zur KTG Agrar. Nach der großen Pleite der KTG Agrar im vergangenen Jahr musste auch die KTG Energie ein Insolvenzverfahren beantragen, die Zech-Gruppe kaufte sie auf. Über die Jahre hatte die KTG Energie, gegründet 2006, Biogasanlagen an 21 Standorten in ganz Deutschland. In Brandenburg gehörte neben Wuthenow in Ostprignitz-Ruppin, Vehlefanz in Oberhavel, Seelow in Märkisch-Oderland, Baruth und Nonnendorf in Teltow-Fläming und Schöllnitz in Oberspreewald-Lausitz auch Hornow dazu.

Rainer Noack ist ein Landwirt durch und durch. Mit seinem Sohn bewältigt er den landwirtschaftlichen Betrieb. Sein Getreide bringt er zum Landhandel und zu Mischfutterwerken. Und die Biogasanlage auf seinem Grundstück weiß er durchaus zu schätzen. Als Betriebsführer hat er sie geregelt und kontrolliert. Der Mais und das Gras kamen von seinen Feldern, der Hühnermist von Ehlego in Roggosen, die Rindergülle aus Groß Düben. Die Siloernte 2016 hat er nach Cottbus und Senftenberg verkauft. Doch er muss rechnen. "Wenn die Anlagenbetreiber es selbst abholen, bekomme ich noch weniger Geld. Und da mir nun die Gärreste fehlen, muss ich Dünger zukaufen." Er ist gespannt auf den Ausgang der Gerichtsverhandlungen: Zum einen klagt die Betreibergesellschaft gegen das LfU, zum anderen klagt die Betreibergesellschaft gegen ihn wegen seiner Vertragskündigung. Weiterhin hat Landwirt Noack als Grundstückeigentümer eine Klage auf Heimfall eingereicht.

2009 hatte Rainer Noack die Baugenehmigung und die Betriebserlaubnis für die Anlage erhalten. "Es ist eine privilegierte Anlage für den Landwirt im Außenbereich", erklärt er. Es gab Ärger, als die Anlage gebaut wurde. "Aber das Projekt Biogasanlage Hornow war lange genug vorher bekannt, die Pläne lagen aus und man konnte sich darüber informieren. Während des Bauens wurden Änderungen zugunsten der Nachbarin vorgenommen." Eigentümer der Anlage sei noch immer die Biogas Produktion Hornow GmbH in Oranienburg.

Vom Landesamt für Umwelt gibt es zum laufenden Verfahren erwartungsgemäß noch keine Auskünfte. Aber LfU-Referent Thomas Frey erklärt, dass zu mehreren Biogasanlagen derzeit juristische Auseinandersetzungen laufen - immer gehe es um die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. "Wenn die Genehmigungsvoraussetzungen nicht mehr gegeben sind, kann eine Stilllegung - als für den Betreiber weitreichendste Maßnahme - angeordnet werden. Das ist auch im Genehmigungsbescheid zur Anlage so festgeschrieben", erklärt Frey. Zu hoffen ist, dass sich die Verhandlungen zu lang hinziehen. "Nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz erlischt die Genehmigung, wenn eine Anlage mehr als drei Jahren nicht mehr betrieben wurde", so Frey. Der Anlagenbetreiber, die GmbH in Oranienburg also, habe weiter für die Betriebssicherheit zu sorgen. "So dürfen keine Umweltgefahren von der Anlage ausgehen", sagt Frey. Ob sie zurückgebaut werden muss, sei durch die baurechtlichen Vorgaben im Genehmigungsbescheid im Einzelfall geregelt.

Laut LfU laufen in Brandenburg aktuell 482 genehmigte Biogasanlagen. Sie produzieren 1,8 Millionen Kilowattstunden Energie pro Jahr.