Mit der nächsten Kommunalwahl im Mai 2019 will sich  Elke Franke (61) von ihrer Funktion als Spremberger Stadtverordneten-Vorsteherin verabschieden. Aus der aktiven Politik zieht sie sich jedoch nicht zurück. Seit 20 Jahren arbeitet sie als Mitglied der Partei Die Linke im Stadtparlament mit. Im RUNDSCHAU-Interview erzählt sie vom Umgang mit Konflikten, den Vorzügen des Joggens und ihrer geliebten Labradorhündin Charlotte.

Frau Franke, verbergen Sie bei den Konferenzen der Stadtverordneten oft Ihre Gefühle? Es geht drunter und drüber, und Sie wirken gefasst.

Oh ja. Gerade in der aktuellen Legislaturperiode kommt es manchmal zu Beleidigungen. Da muss ich mich zusammenreißen.

Sie meinen wohl Beispiele wie dieses. Benny Stobinski von der Nächsten Generation sagt süffisant zu Peter Reininger von der CDU „Lesen ist schwer“, und der kontert später: „Ich kann schneller schreiben als Du.“

In solchen Situationen hilft nur eines: ruhig und gelassen zu reagieren. Vielleicht hilft mir dabei mein Alter.

Oder Ihr Beruf als Lehrerin.

Ich habe ja ein paar verhaltensauffällige Schüler. Insofern sehe ich manche Parallele zwischen meiner Arbeit und meiner Funktion bei den Stadtverordneten.

Trügt der Eindruck, oder reagieren in der Politik vor allem Männer hochemotional?

In Spremberg trifft das auf jeden Fall zu. Einige Abgeordnete glauben von sich, sie haben die Wahrheit gepachtet. Wer so denkt, geht auch nicht mehr auf Argumente anderer Leute ein. Als SPD-Fraktionschef Dirk Süßmilch neulich über den Neubau der Schwimmhalle sprach und ein paar grundsätzliche Dinge dazu äußerte, forderten andere Stadtverordnete, ich müsse ihn unterbrechen. Dabei hatte Dirk Süßmilch noch nicht einmal seine Redezeit von zehn Minuten beendet. Dass man gleich so bösartig reagiert, finde ich seltsam.

Aggressives Verhalten scheint sich auch im Alltag auszubreiten.

Eine Frau schrieb auf Facebook über uns Stadtverordnete, wir gehörten geteert und gefedert. Da stellten wir eine Strafanzeige. Wir haben es bei den Einwohnerfragestunden gemerkt oder auch beim Ortstermin des Bauausschusses in Schwarze Pumpe, als es um die Lärmschutzwand ging. Ich verstehe die Menschen vor Ort, aber so viel Respekt gegenüber dem Gutachter sollten sie aufbringen und ihn wenigstens ausreden lassen.

Woher kommt diese Wut?

Wenn ich das wüsste. Mich wundert auch die latente Fremdenfeindlichkeit. Eine Lehrerin sagt, sie würde wegen der vielen Asylbewerber am liebsten nach Ungarn auswandern. Dabei soll sie  Kindern Weltoffenheit vermitteln. Wir haben es doch reinem Glück zu verdanken, dass wir in Deutschland geboren sind und nicht in den Krisengebieten der Welt.

Das Konfliktpotenzial wird wohl wachsen, wenn die AfD in das nächste Stadtparlament von Spremberg einzieht.

Ich stelle mich darauf ein, dass das passiert. Aber vielleicht findet die Politik dann auch neue Lösungsansätze, zum Beispiel für den Strukturwandel. Da brauchen wir dringend Ideen. Zwar beende ich nach der aktuellen Legislaturperiode meine Funktion als Stadtverordnetenvorsteherin. Doch als Abgeordnete der Linken möchte ich weiter antreten. Insofern beschäftigen mich diese Fragen auch in Zukunft.

Sie haben nie für das Amt der Bürgermeisterin kandidiert, obwohl Ihnen viele Spremberger beste Chancen einräumten.

Tatsächlich sprachen mich etliche Leute an, sogar aus der CDU. Aber ich kann das nicht. Ich habe wenig Ahnung von Wirtschaft, von Finanzen, und ich hätte es nie gewagt, in die Fußstapfen von Klaus-Peter Schulze zu treten, als er im Jahr 2013 in die Bundespolitik wechselte. Außerdem mag ich meine Arbeit als Lehrerin zu sehr und den Sport, für den mir dann kaum noch Zeit bleiben würde.

Selbst nach einem Schicksalsschlag, dem Tod Ihres Mannes, nahmen Sie sich keine Auszeit von der Politik. Hat Ihnen damals ebenfalls der Sport geholfen?

Ganz bestimmt. Ich glaube, ich bin jemand, der Krisen verdrängt. Ich musste damals ganz schnell wieder arbeiten gehen und  mich um unsere Hündin Charlotte kümmern. Das brachte mich auch wieder in den Alltag zurück. Selbst heute noch, nach einer anstrengenden Sitzung, gehe ich zehn Kilometer laufen, und alles ist wieder gut.

Laufen Sie lieber morgens oder abends?

Am Morgen. Da ist es meistens schön ruhig. Ich kann mich besser entspannen, wenn ich allein unterwegs bin.

Mit Elke Franke
sprach René Wappler