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Bibliothek reist durch den Landkreis

In diesem Jahr soll die Zahl der Bibliotheksmitarbeiter weiter sinken: Im Mai läuft eine befristete Stelle aus.
In diesem Jahr soll die Zahl der Bibliotheksmitarbeiter weiter sinken: Im Mai läuft eine befristete Stelle aus. FOTO: René Wappler
Spremberg. In der Spremberger Bibliothek wird der Bildungsausschuss des Spree-Neiße-Kreises am 26. Januar tagen. Den Ort haben die Mitglieder mit Bedacht ausgewählt: Der Kreistag streitet über die Zukunft des Hauses. René Wappler

Da kam eine ältere Dame in die Bibliothek und beklagte sich bei der Chefin: Ihr Enkel habe einfach keine Lust, irgendein Buch zu lesen.

"Probieren Sie es doch hiermit", sagte Kerstin Promnitz - und sie reichte der Dame ein Buch aus der Reihe "Gregs Tagebuch". Ein Comic-Roman, viele Bilder, wenig Text, beliebt bei Kindern.

Beim nächsten Besuch sagte die Frau: "Erstaunlich, es hat meinem Enkel gefallen."

Manchmal gehen Kinder - und Erwachsene - eben einen kleinen Umweg, und irgendwann wagen sie sich auch an andere Bücher: So hat es die Chefin der Kreisbibliothek erfahren. Schließlich kann jungen Leuten nichts so schnell die Lust am Lesen verderben wie ein Roman, dessen Lektüre sie eher quält als ermuntert.

Deshalb stellen die Mitarbeiter des Hauses im Spremberger Schlossbezirk ihr Programm mit Sorgfalt zusammen: Am 1. März findet der Vorlesewettbewerb der Schulsieger statt. Dann treten 13 Sechstklässler aus der Spree-Neiße-Region zum Kreisentscheid an. Zu einer musikalischen Lesung mit dem Burgfräulein Bö lädt die Bibliothek an mehreren Tagen im März ein - und reist damit durch Spremberg und andere Städte.

Ohnehin profitieren die Besucher vom Austausch mit den Partnerbibliotheken. Im Februar fahren die Spremberger Angestellten nach Forst und Guben, um den Bestand an DVDs auszutauschen und zu aktualisieren. Um das Sortiment an Büchern und Hörbüchern in Schwarze Pumpe, Jänschwalde und im Wohnheim in der Cottbuser Makarenkostraße kümmern sie sich wiederum im März. Das Angebot an Hörspielen und Konsolenspielen erneuern sie im April in Guben, Peitz, Kolkwitz und Burg.

Dabei wächst das Arbeitspensum der Mitarbeiter - und der politische Druck. Denn der Kreistag und die Stadtverordneten diskutieren über die Zukunft des Hauses. Anita Schreiber von der Spremberger Fraktion der Linken wies im Juli darauf hin, dass dieses Haus viele Aufgaben für den Landkreis übernimmt - wobei von einst sieben Personalstellen nur noch fünf existieren, eine davon befristet. Ab Mai 2017 wird auch diese Stelle auslaufen. So fragt Anita Schreiber: "Wie geht es dann weiter, wenn der Landkreis jetzt schon erklärt, es sei ein Zuschussgeschäft?" Sie fordert, die Stadt Spremberg müsse "sich klar positionieren".

Mit 140 000 Euro brutto beteiligt sich die Stadt Spremberg im Jahr 2017 an der Bibliothek. Fachbereichsleiter Frank Kulik erklärt dazu: "Wir tragen mit unserem städtischem Zuschuss Sorge für das Bibliotheksangebot." Zum Etat, der damit jedoch um 75 000 Euro sinkt, zählen die Personalkosten, das Geld für den Kauf von Medien und die Betriebskosten. Die Differenz für das Haushaltsjahr 2017 und die weitere Zukunft soll wiederum der Landkreis tragen, zusätzlich zum bisherigen jährlichen Zuschuss von rund 145 000 Euro im Jahr. Zunächst sollte dieser Beschluss für fünf Jahre gelten. Doch im Dezember 2016 schrieb CDU-Landrat Harald Altekrüger einen Brief an die parteilose Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier. Darin merkte er an, dass sich der Kreisausschuss eine kürzere Laufzeit der Vereinbarung wünsche: zwei statt fünf Jahren, bei gleich bleibenden Konditionen. Die Mitglieder des Kreisausschusses verweisen darauf, dass die geplante Kreisgebietsreform zu viele unwägbare Faktoren mit sich bringe. Die Spremberger Stadtverordneten entsprachen schließlich der Bitte des Landrats.

Doch die Diskussion um die Zukunft des Hauses hat womöglich erst begonnen. Der SPD-Kreistagsabgeordnete Horst Fillmer aus Peitz gab schon im November zu bedenken: "Diskutiert werden muss, ob wir eine Kreisbibliothek brauchen und ob dann Spremberg der richtige Standort ist."

Zum Thema:
Im März werden sich die Bibliotheken in Calau und Guben dem Onleihe-Verbund Niederlausitz anschließen, an dem sich auch die Kreisbibliothek in Spremberg beteiligt. Zu diesem Verbund zählen außerdem die Häuser in Senftenberg, Großräschen, Schwarzheide, Forst, Lübbenau und Vetschau. Die Nutzer können über das Angebot Bücher, Filme und Musik aus dem Internet laden, wenn sie sich zuvor angemeldet haben.