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| 15:57 Uhr

Geräuschkulisse beschäftigt auch die Justiz
Lärm und Alkohol: Ärger am Spremberger Busbahnhof

Schon jetzt liegen erste Silvesterknaller am Spremberger Busbahnhof auf der Erde. Stadtverordnete wünschen sich mehr und effektivere Kontrollen durch die zuständigen Behörden.
Schon jetzt liegen erste Silvesterknaller am Spremberger Busbahnhof auf der Erde. Stadtverordnete wünschen sich mehr und effektivere Kontrollen durch die zuständigen Behörden. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg. Mehr Kontrollen nach Beschwerden über Lärm, Alkoholkonsum und Müll gefordert.

Donnerstag, 12.30 Uhr. Fünf Schüler stehen am Spremberger Busbahnhof, zwei weitere sitzen etwas abseits auf einer Bank. Klar, sagt ein Junge, ein oder zwei Biermixgetränke seien nachmittags schon mal drin. Ja, sagt ein Mädchen, manchmal träfen sich am Busbahnhof um die 40 Leute. Aber es sei doch nicht so, dass sie übermäßig Alkohol trinken oder ohne jede Rücksicht lärmen.

Nebenan steigt ein Busfahrer aus. Kurze Raucherpause. Ein paar Meter weiter liegt ein zerfledderter Handschuh auf der Bank. Über den Boden schiebt der Wind abgebrannte Silvesterknaller. Der Busfahrer kennt die Beschwerden über Lärm und Müll. Er selbst hat kein Problem mit den Schülern, wie er sagt. Aber über den Abfall, der sich am Busbahnhof sammelt, ärgert er sich wie viele andere Leute.

Die parteilose Bürgermeisterin Christine Herntier ging in der vergangenen Woche auf das Problem ein, als die Stadtverordneten am Mittwoch im Bürgerhaus tagten. Sie habe „Kenntnis von Beschwerden und Vorfällen am Busbahnhof“ erhalten, sagte sie. Täglich kontrollierten Mitarbeiter des Fachbereichs für Sicherheit und Ordnung den Platz, und das werde auch so bleiben. Im Sommer seien Sozialarbeiter am Busbahnhof unterwegs.

Für die Fraktion der Linken beteiligt sich die Lehrerin Monika Droese an den Konferenzen der Stadtverordneten. „Ich möchte anregen, dann zu kontrollieren, wenn am Busbahnhof wirklich etwas los ist“, entgegnete sie der Bürgermeisterin. Morgens um sieben Uhr und nachmittags zwischen 14 Uhr und 15 Uhr lohne sich eine Kontrolle eher. „Die Zeiten dafür sind der Situation nicht ganz angepasst“, sagte Monika Droese.

Der Konrektor der Berufsorientierenden Oberschule kennt die Beschwerden über Alkoholkonsum und Lärm am benachbarten Busbahnhof. Roland Wolter erläutert: „Leider werden die Probleme immer mit unserem Haus in Verbindung gebracht, obwohl sich auch Jugendliche aus anderen Schulen dort versammeln.“

Das bestätigen die Schüler, die am Donnerstag unter dem Vordach stehen. Sie träfen oft auf Freunde und Bekannte vom Gymnasium, berichten sie. Manchmal gesellten sich auch junge Leute zu ihnen, die inzwischen nicht mehr zur Schule gehen.

Nach eigenen Worten hält der Konrektor der Berufsorientierenden Oberschule regelmäßigen Kontakt zum Betreiber des Markts am Busbahnhof, ebenso wie zum Hauseigentümer nebenan. „Wenn dort etwas passieren sollte, können wir sofort reagieren“, sagt Roland Wolter. „Unsere Schüler werden darüber belehrt, dass sie sich außerhalb unseres Geländes ebenso vernünftig verhalten sollen wie in der Schule.“ An zwei Beschwerden seit Jahresbeginn erinnert er sich. Einmal lärmten demnach junge Leute morgens um sieben Uhr unter einem Fenster. In der vergangenen Woche schaute Roland Wolter erneut am Busbahnhof vorbei. „Wir Pädagogen können belehren und auf Schüler einwirken“, sagt er. „Das ist unser Spielraum, den wir auch nutzen.“ Wer daran zweifle, sei „gern eingeladen, sich in unserer Schule selbst ein Bild zu machen“.

Inzwischen hat sich die Lage am Busbahnhof etwas beruhigt. So schätzt es der Fraktionschef der Nächsten Generation ein, Benny Stobinski. „Allerdings sieht es da immer noch saumäßig aus.“ Im November berichtete er im sozialen Netzwerk Twitter von Jugendlichen, die um 15 Uhr mit Drei Liter Schnaps über die Bussteige torkelten. Polizeibeamte rieten ihm dazu, in solchen Fällen die Telefonnummer 110 anzurufen. Er hält eine regelmäßige Kontrolle durch die Polizei jedoch für wirksamer. Auch die Mitarbeiter des Fachbereichs für Ordnung und Sicherheit könnten nach seinen Worten gezielt ein paar Jugendliche ansprechen und ihre Eltern informieren. „Das würde schon etwas bringen“, sagt Benny Stobinski, der in Spremberg als Sozialarbeiter tätig ist. Eine Diskussion wie in Cottbus über ein Alkoholverbot an öffentlichen Plätzen hält er allerdings für falsch. „Das wahre Problem besteht doch darin, dass Cola inzwischen mehr Geld kostet als das billigste Bier.“

Die Geräuschkulisse am Busbahnhof beschäftigt auch die Justiz. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg befasst sich derzeit mit einem Berufungsverfahren, nachdem im Jahr 2015 ein Cottbuser Richter entschieden hatte, dass der zulässige Lärm-Maximalwert in den Nachtstunden am Haus eines benachbarten Klägers deutlich überschritten wird. Damals ordnete der Verwaltungsrichter an, die Baugenehmigung müsse aufgehoben werden, und die Kreisverwaltung habe die Kosten des Verfahrens zu tragen. Daraufhin stellte der Landkreis einen Antrag beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg, der Berufungsinstanz der Bundesländer. Dort ist bisher noch keine Entscheidung gefallen, wie die Pressestelle des Gerichts mitteilt.