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Bergschlösschen lädt zu Festwoche ein

Birgit Kamenz, Cornelia Hansche und Sabine Klauke richten eine historische gute Stube im Bergschlösschen ein, unterstützt vom Sonntagschen Haus.
Birgit Kamenz, Cornelia Hansche und Sabine Klauke richten eine historische gute Stube im Bergschlösschen ein, unterstützt vom Sonntagschen Haus. FOTO: René Wappler
Spremberg. Für die Festwoche des Spremberger Bergschlösschens haben Einwohner der Stadt in ihren privaten Sammlungen nach Schätzen gesucht. Mit Erfolg: Viele dieser Utensilien schmücken nun das Jubiläum des Hauses. René Wappler

Freundlichst erlaubte sich Emil Wagner, zum Festessen mit darauf folgendem Ball einzuladen. "Sollte das Circular irgend Jemanden nicht zugehen, so bitte ich, etwaige Anmeldungen zur Theilnahme noch anzubringen."

Dieses Circular - heute eher als Anzeige bekannt - stammt aus dem Jahr 1866. Am 11. Oktober eröffnete Emil Wagner das Bergschlösschen. Die Ankündigung von damals zählt zu den Schätzen, die Birgit Kamenz aufbewahrt. Heute leitet sie das Gebäude, das sich in den 150 Jahren seines Bestehens vom Tanzlokal zum Gesellschaftshaus wandelte, später zum Haus der Pioniere, nach dem Ende der DDR zum Freizeitzentrum - und heute besitzt es den Status eines Mehrgenerationenhauses. Diese lange Geschichte nutzen die Mitarbeiter nun für eine Festwoche. Mit Hilfe von Bilderrätseln und GPS-Empfängern können sich die Besucher am Mittwoch auf die Spuren der Spremberger Stadthistorie begeben. Einen Modellbautag plant das Bergschlösschen für Donnerstag, und am Sonnabend lädt es zum "Tanz-Kaffee, wie es früher war" ein.

Für diesen Tanznachmittag haben viele Spremberger in ihren alten Utensilien gekramt und dabei kleine Schätze gehoben. Alte Schuhe, Bücher und komplette Gedecke aus Porzellan stehen bereits im Saal des Bergschlösschens. Die Leiterin Birgit Kamenz sagt: "Wir haben zwar auch nach alter Tontechnik wie zum Beispiel Grammophonen gesucht, aber vielleicht wollte die niemand für so ein Ereignis herausrücken, oder es gibt sie wirklich nicht mehr."

Der Chronist Ulrich Müller suchte alte Zeitungsartikel heraus, die von der Geschichte des Hauses berichten. Im Dezember 1947 lud demnach der "Stadtrat der Kreisstadt Spremberg" zur Weihnachtsschau im Bergschlösschen ein, samt Gesangsdarbietung des Volkschors und einem Auftritt von Knecht Ruprecht für die Kinder.

Inzwischen gilt das Gebäude als "offenes Haus für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis ins hohe Seniorenalter", wie Birgit Kamenz erläutert. 34 000 Besucher zählten die Mitarbeiter allein im Jahr 2015. Diese kamen vor allem aus Spremberg und Umgebung, aber auch aus Nachbarstädten wie Cottbus, Forst und Hoyerswerda.

Das Mehrgenerationenhaus finanziert seine Arbeit zu einem Anteil von nahezu 50 Prozent aus Zuschüssen der Stadt Spremberg. Weitere 25 Prozent steuert der Spree-Neiße-Kreis bei. Ein Viertel der Einnahmen stammt wiederum aus den eingenommenen Kursgebühren und aus Eintrittsgeld.

Die Tatsache, dass die Zahl der Besucher in der jüngeren Vergangenheit gestiegen ist, spricht dafür, dass dem Bergschlösschen noch viele erfolgreiche Jahrzehnte bevorstehen. Vielleicht feiert es ja im Oktober 2166 sogar seinen 300. Geburtstag - mit einem nostalgischen Rückblick auf das 21. Jahrhundert, als die Besucher noch mit GPS-Empfängern in Spremberg auf die Suche nach besonderen Gebäuden und Plätzen der Stadt gingen und gedruckte Zeitungen auf die Festwoche hinwiesen.

Zum Thema:
Die Festwoche beginnt am morgigen Mittwoch, 12. Oktober, mit einer Bildersuche und Geocaching: Die Bildersuchwanderung anhand von Fotos führt vom Bergschlösschen durch Spremberg. Bei dieser modernen "Schnitzeljagd" erfahren die Teilnehmer viele historische Fakten. Kindertagesstätten und Schulen haben vormittags die Gelegenheit, teilzunehmen. Von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr sind alle Generationen eingeladen. Der Workshop ist im Rahmen der Festwoche kostenfrei. Für weitere Fragen ist das Bergschlösschen unter Telefon 03563 2395 zu erreichen.