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| 15:35 Uhr

Kultur dient als Zeitmaschine
Bergbau fasziniert Künstler

Das Bild von Dieter Dressler  aus dem Jahr 1961 im Fundus des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst zeigt die „Landschaft Schwarze Pumpe“.
Das Bild von Dieter Dressler aus dem Jahr 1961 im Fundus des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst zeigt die „Landschaft Schwarze Pumpe“. FOTO: Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cott / Andreas Kämper
Spremberg/Knappenrode. Wie Maler, Regisseure und Musiker die Lausitz im industriellen Wandel begleiten.

So dient Kunst als Zeitmaschine. Selbst wenn eines Tages nur noch Seen an die Bergbaugebiete in der Lausitz erinnern sollten, erzählen Gemälde, Filme und Bücher weiter von dieser Epoche. Der Katalog zur aktuellen Ausstellung in der Energiefabrik Knappenrode beleuchtet, wie das Kraftwerk in Schwarze Pumpe und andere Industrieanlagen Künstler inspirierten.

Jörg Sperling arbeitet im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus. Für seinen Beitrag im Katalog folgte er den Spuren der Braunkohle in Gemälden und Fotos aus der DDR. Er erzählt, wie die Maler Dieter Dressler und Günther Friedrich im Jahr 1956 ein Atelier auf der Großbaustelle in Schwarze Pumpe einrichteten. Das sei „nicht ungewöhnlich für jene Zeit“, schreibt Jörg Sperling. Allerdings folgten die beiden Künstler nach seinen Worten nicht dem Wunsch des Staates nach propagandistischen Aufbaubildern. So habe Dieter Dressler sein Gemälde eines Lokheizers als „unbeschönigtes Arbeiterporträt“ angelegt, „das mit wenig Pathos auskommt“.

Die Ausstellung in der Energiefabrik konzentriert sich auf „Kunst im Bergbau der DDR“. Wie stark sich die Kulturszene vom Lausitzer Revier inspirieren lässt, zeigen zwei weitere Beispiele. So spielte das Deutsche Filmorchester Babelsberg am Sonntag im Industriepark Schwarze Pumpe Musik aus der James-Bond-Reihe. Der Regisseur Andreas Dresen hat eben seinen Film „Gundermann“ über den Baggerfahrer und Musiker aus Spreetal fertiggestellt, der ab 23. August im Kino läuft. Die Dreharbeiten fanden unter anderem im Tagebau Nochten statt.

Ein Zitat des sorbischen Malers Jan Buick deutet an, warum sich viele Künstler von den Motiven des Bergbaus anregen lassen. Er fühle sich „in eine Landschaft hineingestellt“, die „dem menschlichen Auge gänzlich fremd ist“, schrieb er im Jahr 1986 in einem Katalog der Staatlichen Kunstsammlungen in Cottbus. „Unendliche Weiten von Erdmassen, in der Ferne die Silhouette des Kraftwerkes.“ Dieses Zitat erwähnt der Autor Bernd Gork in einem Beitrag für die Ausstellung der Energiefabrik Knappenrode. Vielleicht nicht ganz zufällig erinnert es an den Auftakt der Science-Fiction-Serie „Raumschiff Enterprise“, in der eine männliche Stimme raunt: „Der Weltraum. Unendliche Weiten.“

Neben der Faszination für die Landschaft des Bergbaus bilden die Kunstwerke auch den Schrecken ab. Wie ein Abgesang wirke das Objekt „Ein Nationalgericht“ von Steffen Mertens, befindet Jörg Sperling in seinem Aufsatz für den Katalog.  „Montiert aus alten Maschinenteilen, imitiert der Künstler eine nachdenkliche Büste vor kohlegefülltem Teller.“ So werfe der Titel die Frage auf, was die Ausbeutung der Naturressourcen letztlich anrichte.

Jörg Sperling erläutert, wie die Idee entstand, einen Beitrag für den Katalog der Ausstellung zu schreiben. „Es hat sich ja fast von selbst ergeben, weil ich seit Jahrzehnten zu diesem Thema nachforsche.“ Außerdem habe das Cottbuser Museum zehn Kunstwerke für die Energiefabrik bereitgestellt. Zur kritischen Einordnung zähle jedoch auch, dass einst viele Bilder als Auftragskunst entstanden.

Dazu schreibt der Direktor des Dresdener Instituts für Kulturstudien, Dr.  Paul Kaiser: Die DDR habe Gründungsmythen benötigt, mit deren Hilfe sie ihre „Herrschaftsmacht zu symbolisieren vermochte“. Er erwähnt das Bild „Brigade Mamai“ aus dem Jahr 1961 von Walter Dötsch. Es sei im Auftrag des Rates des Bezirkes Halle entstanden, nach einem Aufruf eben jener Brigade, die sich verpflichtet hatte, „sozialistisch zu arbeiten, zu lernen und zu leben“.

Knappenrode: Museumsleiterin Kristin Zinke in der Schaltzentrale vor dem Bild "Die Aura der Schmelzer".
Knappenrode: Museumsleiterin Kristin Zinke in der Schaltzentrale vor dem Bild "Die Aura der Schmelzer". FOTO: LR / Peter Bandermann