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Langer Heimweg nach der Party
Bereitschaftsdienst gilt für Taxi-Firmen schon als Luxus

Spree-Neiße. Fifty-Fifty-Ticket für Jugendliche trifft auf ökonomische Grenzen.

Wer ein Fifty-Fifty-Ticket nutzen will, sollte sich vorher mit einem Taxi-Unternehmer seiner Wahl über den Termin abstimmen. Dazu raten Fachleute, nachdem sich Sandra Lehmann aus Forst beschwert hat. Die Kinder der Familie hatten sich zwar die Tickets besorgt, um nachts sicher von einer Party in Döbern nach Hause zu kommen. Doch als sie gegen zwei Uhr morgens per Telefon ein Taxi für die Heimfahrt buchen wollten, erreichten sie zunächst keinen Transportbetrieb.

Erst gegen 5.30 Uhr kamen sie wieder in Forst an. Denn letztlich reagierte nur eine Firma auf ihre Rundrufe, und zwar die des Taxi-Unternehmers Lutz Wilczok. Er sagt: „Es ist immer besser, rechtzeitig ein Taxi zu bestellen.“ Dann seien die Unternehmen besser in der Lage, auf die Nachfrage zu reagieren. „Heutzutage kann man leider nicht mehr davon ausgehen, dass am Wochenende nachts um zwei Uhr Taxen bereitstehen.“

Bei der Verwaltung des Spree-Neiße-Kreises arbeitet Monika Lengenfelder im Fachbereich für Verkehr. „Nur wenige Taxi-Unternehmer arbeiten noch mit einer Bereitschaft rund um die Uhr“, bestätigt sie. „Das kann sich kaum mehr jemand leisten.“

Von einer schwierigen wirtschaftlichen Lage berichtet auch ein Taxi-Unternehmer aus dem Spree-Neiße-Kreis, der allerdings in der Zeitung ungenannt bleiben will. Die Zeiten seien lange vorbei, da am Wochenende besonders viele Leute mit dem Taxi von Ort zu Ort fahren wollten. Außerdem sei es den Unternehmern verboten, einfach in einer anderen Gemeinde als dem Firmensitz ihren Service anzubieten. „Ich darf mich also nicht einmal nachts in Döbern mit meinem Taxi hinstellen und auf Fahrgäste warten, wenn ich in Forst oder Spremberg ansässig bin“, sagt der Unternehmer.

Tatsächlich schreibt das der Paragraf 47 des Personenbeförderungsgesetzes vor. Ein Taxi darf demnach nur in der Gemeinde bereitgehalten werden, in der sich der jeweilige Firmensitz befindet. Darauf weist Monika Lengenfelder von der Kreisverwaltung hin. „Ein Taxifahrer kann seine Passagiere zwar an jeden Ort ihrer Wahl transportieren und sie dort auch wieder abholen“, sagt sie. „Aber mehr ist ihm auch nicht erlaubt.“ Falls er in einer anderen Gemeinde als seinem Stammsitz das Taxischild einschalte, drohe ihm Ärger.

Die Gutscheine des Fifty-Fifty-Tickets gelten für junge Leute zwischen 16 und 25 Jahren. Das teilt die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) mit, die diesen Service ins Leben gerufen hat. Die Käufer können mit diesen Tickets freitags und samstags in der Nacht sowie in den Nächten vor und und an gesetzlichen Feiertagen jeweils von 20 Uhr bis 8 Uhr zur Disko und wieder nach Hause fahren. Für das Angebot zahlen sie nur den halben Preis. Die Tickets sind in den AOK-Servicecentern erhältlich.