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| 08:47 Uhr

Beliebtes Camp entzweit Stadtpolitik

In der Bergbau-Erlebniswelt findet regelmäßig das Hollycamp statt, bei dem Jugendliche miteinander Filme drehen.
In der Bergbau-Erlebniswelt findet regelmäßig das Hollycamp statt, bei dem Jugendliche miteinander Filme drehen. FOTO: mat1
Spremberg. Zwei politische Fraktionen debattieren um die Zukunft des Feriencamps am Felixsee. Die CDU schlägt vor, das Geld besser in Spremberg zu investieren und ein Camp am Kochsagrund zu bauen. Die Nächste Generation warnt hingegen: Das wäre das Ende der beliebten Anlage in Bohsdorf. René Wappler

Oft betont der Spremberger CDU-Fraktionschef Andreas Bränzel, dass bei den Sparvorgaben der kommunalen Haushalte nicht nur Disziplin gefragt ist, sondern auch Ideenreichtum. Deshalb forderte er im Dezember bei der jüngsten Stadtverordnetenkonferenz ein Leitbild für die Zukunft von Spremberg, und er regte an, im Gebiet am Schomberg langfristig ein Zentrum für Bildung, Sport und Freizeit zu etablieren.

Mit einem neuen Vorstoß will er diesem Ziel etwas näherkommen - und trifft dabei sofort auf Protest. Die Idee seiner Fraktion lautet so: Im Kochsagrund könnte ein neues Feriencamp entstehen, das sich aus dem Haushaltsplan für die Jahre 2017 und 2018 finanzieren ließe. Dieser Plan enthält bislang eine Investition von 360 000 Euro für die Sanierung des bestehende Feriencamps in Bohsdorf. Doch die CDU-Fraktion regt an, das Geld stattdessen für eine neue Anlage dieser Art in Spremberg auszugeben. Der Kochsagrund biete sich dafür an, weil das Gelände dann in der Nähe der Tennisanlage, der Motocrossstrecke, am Freibad und der geplanten Schwimmhalle läge.

Darüber hinaus führt CDU-Fraktionschef Andreas Bränzel fehlende Unterlagen ins Feld: "Die Stiftung SPI hat noch kein schlüssiges Betreiberkonzept für das Camp in Bohsdorf vorgelegt, obwohl dies bis zum Ende des Jahres 2016 passieren sollte." Ohne ein solches Konzept könne sich die Stadt Spremberg ohnehin nicht mit der vorgesehenen Summe an diesem Ort engagieren.

Gegen die Idee der CDU protestiert eine Spremberger Wählergruppe: Die Mitglieder der Nächsten Generation fürchten, dass auf diese Weise "ein ganz außergewöhnliches Kleinod" verschwindet. Das Feriendorf am Felixsee sei "gerade durch die Abgeschiedenheit, die Ruhe, die Freiheit zu einer Marke geworden". So sagt der Sprecher der Wählergruppe, Ronny Sembol: "Wir sind enttäuscht angesichts der CDU-Position, und wir werden uns jedem Plan entgegenstellen, der die Schließung des Feriencamps zur Folge hätte." Für vorgeschoben hält Ronny Sembol das Argument der Christdemokraten, da kein Konzept für die Bohsdorfer Anlage vorliege, lasse sich mit ihr auch nicht weiterplanen. "Vielleicht hat Andreas Bränzel ja nicht mit dem starken Widerstand früherer Besucher des Feriencamps gerechnet", vermutet Renny Sembol. Tatsächlich gibt es bereits eine Internetpetition unter dem Titel "Rettet Bohsdorf", umrahmt von einem Video der Nächsten Generation, die bis zum Montagnachmittag mehr als 180 Unterschriften gesammelt hat.

Doch CDU-Fraktionschef Andreas Bränzel bleibt bei seinem Standpunkt. "Ich habe ja gehofft, eine Diskussion anzuschieben", sagt er. "Allerdings spreche ich nicht davon, das Camp in Bohsdorf zu schließen." Vielmehr müsse sich die Politik auch der Frage widmen, wo sich die Stadt Spremberg in Zukunft finanziell engagieren werde - ob in fremden Gemeinden oder in der eigenen Kommune. So weist Andreas Bränzel darauf hin, dass die Stadtverordneten im vergangenen Jahr schweren Herzens Kürzungen im sozialen Bereich und Steuererhöhungen befürworteten: Gerade deshalb sei es wichtig, jede geplante Investition zu untersuchen und zu hinterfragen. "Falls sich junge Leute finden, die einen Verein gründen und das Objekt in Bohsdorf kaufen wollen, würde ich sie gern unterstützen", versichert Andreas Bränzel. Ein mögliches Szenario wäre nach seinen Worten auch der Kauf des Feriencamps am Felixsee durch die Stiftung selbst - zu einem symbolischen Preis.

Die Feriencamp am Felixsee ist nach Angaben der Stiftung SPI eine Kinder- und Jugendferienanlage mit sechs Bungalows, einem Hauptgebäude und einem Sozialgebäude, sowie weitläufiger naturbelassener Aussenanlage. Jährlich registriert die Anlage 2600 bis 3000 Übernachtungen. Die letzte grundlegende Sanierung liegt beriets knapp 20 Jahre zurück. Der Spremberger Haushaltsplan sieht unter anderem Investitionen in die Bungalows und die Außenanlagen vor, mit möglicher Förderung durch die Europäische Union.