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| 02:35 Uhr

Bei Lothar Uschner ist immer alles irgendwie in Butter

Nägel mit Köpfen: Lothar Uschner brachte im Welzower ATZ den Gästen die Bedeutung diverser Redewendungen nahe.
Nägel mit Köpfen: Lothar Uschner brachte im Welzower ATZ den Gästen die Bedeutung diverser Redewendungen nahe. FOTO: trt1
Welzow. Wer möchte das nicht? Mal einen Tag "blau machen". Also schwänzen. Beziehungsweise alle Viere gerade sein lassen. Lothar Uschner jedenfalls nicht. trt1

Der Welzower Physik- und Informatiklehrer im (Un)Ruhestand hat jetzt im Archäotechnischen Zentrum (ATZ) über alte deutsche Redewendungen referiert. Das "Blau machen" komme demnach von arbeitsfreien Montagen der mittelalterlichen Handwerker während der Fastenzeit. In jener Zeit war der kirchliche Altar in blauer Farbe geschmückt. Oder die Sache mit der Butter. "Wenn heute jemand sagt, es sei alles in Butter, dann meint er damit, dass alles in Ordnung ist", erklärt Uschner. Ursprünglich habe sich diese Redewendung allerdings auf den Transport zerbrechlicher Waren bezogen. Um diese auf den schlechten Straßen und Wegen zu schützen, seien sie in Fässer eingelassen worden, die mit flüssiger Butter ausgefüllt waren. Nach deren Erstarren konnte die Waren kein Schlagloch mehr erschrecken. Schon seit Jahren befasst sich Lothar Uschner mit mittelalterlichen Redewendungen. "Durch den Dialog mit meinen beiden Enkeltöchtern bin ich auf dieses Thema gestoßen. Denn die Kinder wollten wissen, was dahinter steckt", berichtet der pensionierte Pädagoge. In einer Buchhandlung sei er dann auf ein altes Buch mit dem Titel "Schwein gehabt" gestoßen, das auf seine Fragen genau die richtigen Antworten parat hatte. Und da sich der inzwischen 72-Jährige schon lange für das ATZ engagiert, habe sich ein Vortrag angeboten.

Uschner hat herausgefunden, dass die meisten Redewendungen ihren Ursprung im Mittelalter haben. Zu Papier seien sie aber erst im 18. Jahrhundert gebracht worden. Viele Leute benutzten die Wendungen, ohne deren wirklichen Hintergrund zu kennen.

Beispiel gefällig? Wer "auf den Hund gekommen ist", hat in der Regel fast alles Geld verloren. Mit richtigen Hunden habe dies allerdings wenig zu tun. Vielmehr mit hölzernen Geldtruhen. Waren diese so gut wie leer, seien die Inhaber auf den Boden gestoßen, der nicht selten bunt bemalt war. Beispielsweise mit einem oder mehreren Hunden. Oder die Sache mit den "fluchenden Kesselflickern". Die gab es selbst in Welzow, wie Lother Uschner weiß. Nämlich in der Zentralwerkstatt, im Volksmund kurz als "ZW" bezeichnet. Dort mussten die Arbeiter defekte Behälter per Lötkolben schließen. Da die Tätigkeit körperlich anstrengend war, sei öfter geflucht worden. Ebenso natürlich bei den echten Kesselflickern, die bereits im Mittelalter defekte Kupferbehälter reparierten. Darüber hinaus besaß dieses Handwerk keine Ehre. Schließlich zählten die Kesselflicker zum "fahrenden Volk", waren nirgendwo richtig sesshaft. Bis heute wird dieser Beruf eigenen Recherchen zufolge vorwiegend von Zigeunern in Rumänien und Bulgarien ausgeführt.

Was Lothar Uschner an den Redewendungen besonders fasziniert? Und zwar ein Gemälde des niederländischen Künstlers Pieter Bruegel der Ältere. Der Maler hat es im Jahr 1559 tatsächlich geschafft, mehr als 100 dieser Redewendungen in nur einem Bild festzuhalten. "Das hat bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen", resümiert Uschner.