ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:07 Uhr

Döbern-Land
Bodenproben für den Waldfriedhof

Diplomforstingenieur schaut jetzt etwas ander anders auf die Bäume des Waldes bei Friedrichshain, hier sollen bal Bestattungen möglich werden.
Diplomforstingenieur schaut jetzt etwas ander anders auf die Bäume des Waldes bei Friedrichshain, hier sollen bal Bestattungen möglich werden. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Döbern-Land. Unter Bäumen bei Friedrichshain: Träger öffentlicher Belange werden noch gefragt. Von Annett Igel-Allzeit

Im Wald am Marienberg in Friedrichshain ist in dieser Woche gebohrt und mit einem Minibagger Erde geschürft worden. Die Chemnitzer Ingeniergesesellschaft für Baugrund, Geophysik und Umweltengineering analytec Dr. Steinhau prüft den Waldboden, denn Sebastian Freiherr von Rotenhan will hier gemeinsam mit seinem Sohn Franz von Rotenhan auf 20 Hektar einen Bestattungswald entwickeln. „Wir schauen, ob wir einen gesunden Waldboden vorfinden. Ist die Färbung auffällig oder stoßen wir gar auf eine Deponie, werden die Proben im Labor untersucht“, erklärt Uwe Kossatz von analytec, bevor er am Donnerstagmorgen seinen gelben Minibagger vom Hänger in Richtung Wald steuert.

Die sechs Rammkernsondierungen, die Kossatz mit Dr. Dietmar Steinhau bereits am Dienstag und Mittwoch durchgeführt hatte, gingen bis in eine Tiefe von sechs Metern. An weiteren 20 Stellen schürfte die Baggerschaufel bis zu 1,20 Meter tief. „Herauszufinden ist“, so Franz von Rotenhan, „ob die Urnen aus Naturstoffen wie Kork und Holz mit der Asche in unserem Waldstück gut verrotten können. Der Prozess darf nicht zu schnell gehen, aber auch nicht zu lange dauern“, erklärt er. Die Prüfung gehört zu einer ganzen Liste von Maßgaben, die die Rotenhans jetzt abzuarbeiten haben. Aber das macht sie nicht traurig, sondern sie sind froh, endlich handeln zu können. Seit ihr Vorhaben bekannt ist, gibt es immer wieder Anfragen.

Im April hatten sie ihren „Waldfriedhof Marienberg“ in der Felixseer Gemeindevertretersitzung vorgestellt. In der Amtsverwaltung Döbern-Land kam das Vorhaben gut an. Petra Dietrich aus dem Bereich Bauen, Gebäude- und Liegenschaftsmanagement freut sich auf eine weitere Bestattungsmöglichkeit.  Im Juni fasste die Gemeindevertretung Felixsee den einstimmigen Beschluss. Nur der Landkreis Spree-Neiße, für den Waldbestattungen natürlich Neuland sind, brauchte etwas mehr Zeit für die Prüfung des Antrags. „Sicher werden wir bis zum Sommer brauchen, um die Liste abzuarbeiten. Auch die Träger öffentlicher Belange müssen gehört werden“, so Franz von Rotenhan. Frühestens im Herbst 2018, schätzt er, könnte es die ersten Bestattungen geben.

Mit dem Waldfriedhof Schönburger Land im sächsischen Callenberg sammelt Franz von Rotenhan bereits gute Erfahrungen. Und in Sachsen hatte auch die Chemnitzer Ingenieurgesellschaft analytec den Boden geprüft. „In Vorbereitung auf einen Waldfriedhof ist das hier in Friedrichshain unser dritter Auftrag“, sagt Uwe Kossatz.

Frank Hartig, der Forstingenieur, der sich seit 2001 um die Rotenhanschen Wälder in der Boscor Forst GmbH bei Reuthen kümmert, schaut seit einigen Monaten noch einmal anders auf die einzelnen Bäume. Auf Naturverjüngung setzt die Boscor-Gruppe, zu der die Rotenhans gehören, im Waldbau. Mit der Zeit und bei einer intensiven Bejagung haben sich aus Flächen mit gleichaltrigen Kiefern gemischte Dauerwälder entwickelt. Statt Jungbäume anzupflanzen, wird auf den Eichelhäher gesetzt und gepflegt, was da unter Baumriesen aus dem Waldboden strebt. „Da der Boden im Faltenbogen nährstoffreich ist, gedeihen die Eichen wirklich gut“, sagt Hartig.

Buchen gibt es, Birken, Lärchen, Pappeln, Kiefern, Fichten.  Auf dem Marienberg, wo eine der zwei Andachtsstellen entstehen soll, bilden Douglasien mit einer Winterlinde ein Trio. Der Lebensbaum muss noch aus einer Zeit stammen, als auf dem Marienberg den Arbeitern der Glasfabrik Kultur und Vergnügen geboten wurden. Auch eine Weymouth-Kiefer, größte Nadelbaumart Nordamerikas, die bis zu 500 Jahre alt werden kann, steht auf dem 178 Meter hohen Berg – allerdings noch als Zwerg. Die erste Andachtsstelle soll nach den Plänen weiter unten im Gelände liegen. „Damit sie auch von Besuchern erreicht werden kann, die nicht mehr so gut zu Fuß sind oder im Rollstuhl sitzen“, erklärt Frank Hartig.  Waldwege sollen hergerichtet, neue Bänke aufgestellt werden. Nicht mehr als die Namenstafeln an den ausgewählten Bäumen werden an die Verstorbenen erinnern.

Lange schaut Frank Hartig in die Krone einer Eiche am Weg. Mehr als 100 Jahre sei sie ganz sicher schon alt, und ihre Seitenäste sind kräftig gewachsen. „Für die Holzwirtschaft wäre das nicht so gut, für die Bestattungsstätte einer Familie aber ist sie wirklich schön.“ Frank Hartig, der diese Flächen bejagt, weiß dass hier Wildschweine, Rothirsche, Rehe und die Wölfe „spazieren“ gehen. Aber er findet es auch wichtig, dass die trauernden Menschen den Bestattungswald durchdringen, ihn für sich entdecken können und das auch tröstet.  „Ich liebe den Wald besonders bei blauem Himmel und Schnee“, so Frank Hartig, „im Herbst riecht er am intensivsten. Aber auch ein Buchenwald im Mai, wenn das Grün der jungen Blätter hell leuchtet, ist herrlich.“