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| 15:54 Uhr

Früherer Chef trug Material zusammen
Aus der Lebensgeschichte eines Betriebes

Hier diskutieren der Macher der Ausstellung, Uwe Rogin (l.), und Karl Laue als einstiger Betriebsdirektor über die breite Produktpalette des Baumaschinenbetriebes.
Hier diskutieren der Macher der Ausstellung, Uwe Rogin (l.), und Karl Laue als einstiger Betriebsdirektor über die breite Produktpalette des Baumaschinenbetriebes. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
Welzow. Eine neue Ausstellung mit Bezug zur DDR-Wirtschaft lockt in die Welzower Heimatstube.

Vor einem halben Jahrhundert hatte die Geburtsstunde des Welzower Baumaschinenbetriebes geschlagen. Aus diesem Anlass präsentiert der Welzower Heimatverein eine Ausstellung, die das Werden und Vergehen eines der größten Unternehmungen der Stadt präsentiert. Der ehemalige Chef der technologischen Rationalisierung des Baumaschinenbetriebes, Uwe Rogin, hat zahlreiche Dokumente, Fotos, Pläne, Prospekte und vieles mehr zusammengetragen. Kein Wunder, bezeichnet sich der heute 70-Jährige doch als „Baumaschinenkind“.

In den Jahren von 1964 bis 1966 durchlief der gebürtige Welzower in der damaligen Zentralwerkstatt, der Vorgängerin des Baumaschinenbetriebes, eine Lehre als Betriebsschlosser. Nach dem Maschinenbaustudium kehrte Rogin nach Welzow zurück. Das war im Jahr 1972. Die Zentralwerkstatt (ZW), die verschiedene Tagebaugeräte wieder in Ordnung brachte, gab es nicht mehr, der Betrieb hatte eine komplette Umstrukturierung durchlaufen. „Den Grund bildeten die Beschlüsse des siebten Parteitages der SED im Jahr 1967. In deren Folge wurden Tagebaue geschlossen, weil die Lieferung von Erdöl aus der Sowjetunion einen geringeren Kohlebedarf möglich machen und damit auf die Reparaturkapazität der ZW Welzow verzichtet werden sollte. Zudem lief das Wohnungsbauprogramm der DDR an. Das wiederum hatte zur Folge, dass es einen hohen Bedarf an Baumaschinen gab“, erklärt Uwe Rogin.

„Letztendlich führte dies zum Ministerratsbeschluss, den VEB Zentralwerkstatt Welzow in einem Maschinenbaubetrieb für Baumaschinen umzuprofilieren“, resümiert der Experte. Ab Jahresbeginn 1969 lautete die Bezeichnung „VEB Baumechanisierung Welzow“. Fanden dort anfangs 800 Menschen Arbeit und Brot, waren es später 600, da sich für viele in der Kohle bessere Verdienstmöglichkeiten auftaten. Dennoch waren die Baumaschinen nach dem Braunkohlenbohrung- und Schachtbaubetrieb (BuS) das zweitgrößte Werk in dem Ort, der erst im Herbst 1969 das Stadtrecht erhalten hatte.

Das beste Pferd im Stall der Baumechanisierung, später Baumaschinen, bildeten die Betonmischanlagen, die in 27 Länder weltwelt exportiert wurden. In der DDR dienten sie vor allem dem industriellen Wohnungsbau, sprich der Platte. Die hervorragende Qualität der Erzeugnisse des Baumaschinenbetriebes dokumentieren mehrere Medaillen, unter anderen von der Leipziger Frühjahrsmesse. Darüber hinaus galt die Unternehmung als „Betrieb der ausgezeichneten Qualitätsarbeit“, einer Anerkennung die von der obersten Gütekontrolle der DDR verleihen wurde. Die entsprechenden Medaillen und Dokumente sind in der Ausstellung zu sehen.

Nach der politischen Wende ging es mit den Welzower Baumaschinen schnell bergab. Die Treuhand wollte den Betrieb an Schweizer Investoren verkaufen, berichtet Uwe Rogin. Allerdings verschwand in diesem Zug Fördergeld in Millionenhöhe. „Letztendlich hatte der vermeintliche Investor kein eigenes Geld in die Hand genommen“, erinnert sich Uwe Rogin, der den Betrieb im Jahr 1993 verlassen musste. Anschließend fiel Baumaschinen Welzow an die Treuhand zurück, es folgten immer wieder neue Geschäftsführer. Am Ende wurde in den Jahren 2010 bis 2012 die Liquidation vollzogen. Heute gehören die einstigen Betriebsflächen zum einen der Stadt Welzow und zum anderen der Firma B+B Baumaschinen Service.

Uwe Rogin fungierte nach der Wende noch für 20 Jahre als Welzower Flugplatzchef. Seit fünf Jahren ist der 70-Jährige Pensionär. Während der Ausstellungseröffnung gastiert auch Karl Laue in der Heimatstube. Der heute 93-Jährige fungierte von 1969 bis 1991 als Betriebsdirektor bei Baumaschinen Welzow. Sein Resümee: „Wenn unser Betrieb nach der Wende nicht kaputtgefahren worden wäre, würden er noch heute existieren.“ Laue lebt in Herzberg (Elster).

Die Baumaschinen-Ausstellung ist mindestens ein Jahr in der Heimatstube in der Spremberger Straße zu sehen. Besichtigt werden kann sie mittwochs zwischen 16 und 18 Uhr sowie jeden ersten Sonnabend im Monat von 14 bis 18 Uhr.