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| 13:34 Uhr

Trickbetrüger schlagen wieder zu
Bankmitarbeiter bewahrt Rentnerin vor 75 000-Euro-Schaden

 Die Telefonbetrug-Mafia schlägt wieder verstärkt zu.
Die Telefonbetrug-Mafia schlägt wieder verstärkt zu. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Cottbus/Welzow. Telefonbetrüger treiben derzeit wieder verstärkt ihr Unwesen in der Lausitz. Eine Rentnerin (88) wäre ihnen fast zum Opfer gefallen. Ihre Bank bewahrte sie vor dem Schaden. Von Bodo Baumert

Trickbetrüger, die sich per Telefon als vermeintliche Enkel, als falsche Polizisten, Staatsanwälte oder Vertreter einer Gewinnspiels – eigentlich sollte niemand mehr auf solche Telefonanrufe hereinfallen. So oft wurde bereits davor gewarnt. Doch die Anrufer verstehen ihr Handwerk so gut, dass sie es immer wieder schaffen, Opfer einzulullen und auszunehmen.

Der jüngste Fall kommt aus Welzow, wie die Polizei am Montag berichtet. Am Freitagnachmittag scheiterte dort ein Betrugsversuch erst in letzter Minute. „Weil eine ‚Nichte’ bei einer Auktion wertvolle Gegenstände ersteigert hatte, benötigte sie nun von ihrer 88 Jahre alten Verwandten 75 000 Euro. Wenig später rief auch noch ein angeblicher Polizist an, dass die Frau zu einem Geldinstitut fahren und dort das geforderte Bargeld abheben sollte“, berichtet Polizeisprecher Torsten Wendt.

Eingeschüchtert machte sich die 88-Jährige tatsächlich auf den Weg zu ihrer Bank. Mitarbeiter des Geldinstituts erkannte den Trick allerdings und hielten die Rentnerin von ihrem Vorhaben ab.

Ähnlich verlief ein Fall in Annahütte. Dort hatten die Täter sich am Freitagnachmittag bei einer 85-jährigen Frau per Telefon gemeldet. Eine vermeintliche Enkelin brauche wegen einer finanziellen Notlage 35 000 Euro von ihrer Oma. Auch hier wollte die Rentnerin zur bank eilen, wurde aber zum Glück von einer nahen Verwandten davon abgehalten.

Leider sind das keine Einzelfälle. Die Serie der Telefonbetrugsversuche hält seit Jharen an.

Bande in Heilbronn hochgenommen

Erst in der vergangenen Woche ist es der Polizei wieder gelungen, eine Bande falscher Polizisten, die ältere Menschen um mindestens 500 000 Euro gebracht haben soll, hochzunehmen. Vor einer Woche wurden 20 Verdächtige ermittelt, wie die Kriminalpolizei Heilbronn am Montag mitteilte. Drei der mutmaßlichen Haupttäter sitzen in Untersuchungshaft, zwei weitere kamen gegen Auflagen frei, einer ist noch flüchtig.

Die hochmobile - laut Polizei bestens organisierte - Gruppe agierte in mehreren Regionen von Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen. Bei Durchsuchungen von sieben Objekten in vier Bundesländern wurden Beweismittel gesichert - Goldschmuck, Goldbarren, Münzen, Bargeld und hochwertige Uhren. Zwölf Taten sind bislang bekannt.

Die Anrufer saßen den Angaben nach in der Türkei. Auf dem Telefon-Display der Angerufenen erschien die Notrufnummer 110. Die Betrüger hatten im Telefonbuch nach älter klingenden Vornamen gesucht und vorwiegend alleinstehende Frauen angerufen, wie die Polizei erklärte.

Video wird zum Intthit

 Ein Internet-Video, mit dem die Münchner Polizei vor falschen Polizeibeamten warnt, ist innerhalb weniger Tage zum Renner geworden. Das Video, das die Polizei am Mittwoch veröffentlicht hatte, wurde allein bei Facebook bis Freitagmittag mehr als eine halbe Million Mal aufgerufen.

Der Münchner Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins fordert darin auf, mit Verwandten, Freunden und Kollegen über dieses Phänomen zu sprechen. Mehr als 300 Fälle von falschen Polizisten habe es innerhalb von drei Tagen in München gegeben, sagt der Polizeisprecher, während er mit verschränkten Armen an einer Wand des Münchner Rathausbalkons lehnt. (mit dpa)

Eine RUNDSCHAU-Special klärt auf: So können Sie sich gegen die Betrüger zur Wehr setzen.