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| 13:03 Uhr

Vereinsleben
Spendenaktion oder Armutszeugnis?

Bagenz . Bagenzer Feuerwehr hat Geld für Mannschaftstransportwagen gesammelt. Verwaltung hat Bauchweh. Von Annett Igel-Allzeit

Die Bagenzer Feuerwehrkameraden sind stolz auf ihre „Wasserkuh Emma“. Das Tanklöschfahrzeug, das 5000 Liter Wasser fassen kann, sauste in der Nacht zum Sonntag mit nach Sellessen zu den brennenden Lastwagen auf dem Gelände des Holzfachhandels. 2017 haben die Bagenzer das Fahrzeug, das besonders bei Waldbränden in der Region eine große Hilfe sein soll,  bekommen. 380 000 Euro hat es gekostet. 82 000 Euro zahlte die Gemeinde Neuhausen/Spree als Eigenanteil. Rund 80 Prozent wurden über Fördermittel finanziert. Einziger Makel, so Ortsvorsteher Ronny Schiele in der jüngsten Gemeindevertretersitzung: „Es passen nur drei Feuerwehrleute in den Tanker. Stehen sie nach einer Alarmierung zu sechst vorm Feuerwehrgerätehaus, müssen drei hoffen, dass benachbarter Wehren sie mit zum Einsatzort nehmen. Klappt das nicht, gehen drei Kameraden wieder heim und sind entsprechend demotiviert.“

Deshalb wurden die Männer und Frauen um Ortswehrführer Michael Mummert hellhörig, als sie erfuhren, dass ein Mannschaftstransportwagen (MTW) zum Verkauf steht. Baujahr 1998, 72 000 Kilometer auf dem Tacho, auch der Preis soll gestimmt haben. Die Bagenzer Feuerwehr bildet fleißig Nachwuchs aus. Sie begannen, Spenden im Dorf zu sammeln. Mit dem MTW könnte auch die Jugendfeuerwehr zu Ausflügen und Wettbewerben gefahren werden, das überzeugte mehrere Bagenzer.

Dieter Perko, Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen/Spree, staunt über die spontane Spendenbereitschaft. Die Summe wollte er in der Gemeindevertretersitzung jedoch nicht nennen, denn er ärgerte sich. „So kann es nicht gehen. Wir als Gemeinde sind Aufgabenträger des Brand- und Katastrophenschutzes. Dafür können wir nicht bei den Bürgern um Geld betteln. Wir haben uns vorgenommen, jedes Jahr eine Ortswehr mit einem Fahrzeug auszustatten. Das ist uns bei der schwierigen Haushaltssituation nicht ganz gelungen“, so Bürgermeister Perko. Die Ortswehren müssten etwas Geduld haben. Für ein neues Feuerwehrfahrzeug 2019 für die Ortswehr in Sergen hofft die Verwaltung auf den Zuwendungsbescheid. Ein vorläufiger Bescheid sei da. 

Insgesamt verfüge Neuhausen/Spree in den Ortswehren über 21 Einsatzfahrzeuge – viele stammen aus den 70er- und 80er-Jahren, das älteste aus dem Baujahr 1961. „Aber mit Spenden von Bürgern ein Fahrzeug für eine Aufgabe der Gemeinde zu kaufen – das möchte ich nicht“, so Dieter Perko. Die Spenden seien zurückzuzahlen, sagt er, wenn die Bagenzer kein anderes Spendenziel für die Feuerwehrjugend finden.

Der Fuhrpark der Gemeindverwaltung stehe auch für die Jugendfeuerwehr mit ihren 63 Kindern und Jugendlichen zur Verfügung, versichert der Bürgermeister: „Für den Gemeindebus muss man sich nur rechtzeitig anmelden.“ Auch im Finanzausschuss sei das Thema diskutiert worden. Die Grundidee sei ehrenwert, sagt Jörg Weidmann, Ortsvorsteher in Klein Döbbern.  Der Bagenzer Ortswehrführer Wummert habe das sicher gut gemeint. Aber mit den Spenden der Bürger könne nur der Kauf des Fahrzeuges abgedeckt werden.  Sämtliche Halterkosten des 20 Jahre alten MTW müsste die Gemeinde tragen – einschließlich Versicherung 700 bis 1000 Euro im Jahr. Ronny Schiele versicherte zwar, dass sein Ortswehrführer in der Gemeindeverwaltung nachgefragt habe, doch zumindest vom Bürgermeister hatte es kein grünes Licht gegeben. „Dann bemühen wir uns lieber um Lottomittel für ein weiteres Transportfahrzeug im Fuhrpark“, schlägt Perko vor.

Für den Kauf stimmte am Ende nur Ronny Schiele. Er betonte, dass die Spendensammlung kein Betteln gewesen sei. Die Mehrheit der Gemeindevertreter stimmte gegen den MTW-Kauf mit Bagenzer Spenden.