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| 13:42 Uhr

Schulklasse reist vorzeitig ab
Vermummte randalieren vor Bagenzer Herberge

 Vor dem Grundstück der Jugendherberge in Bagenz randalierten am Mittwochabend circa zehn Vermummte, weil sie einer Falschmeldung im Internet Glauben schenkten.
Vor dem Grundstück der Jugendherberge in Bagenz randalierten am Mittwochabend circa zehn Vermummte, weil sie einer Falschmeldung im Internet Glauben schenkten. FOTO: LR / Marcel Laggai
Bagenz. Die wilden Gerüchte über eine tote und eine angeblich von Ausländern vergewaltigte Frau am Bagenzer Stausee haben zu einer Attacke auf eine Ferienanlage geführt. Mit fatalen Folgen. Von Annett Igel-Allzeit und Marcel Laggai

Mit der Parole „Ausländer raus“ ist am Mittwochabend eine Gruppe Vermummter zur Ferienanlage Seenland in Bagenz gezogen. Laut Polizei sollen sie Baseballschläger und Zaunlatten bei sich getragen haben. Und pyrotechnische Erzeugnisse, die sie auf das Grundstück warfen.

Die Ferienanlage war jahrzehntelang eine Jugendherberge an der Talsperre Spremberg. Zur Tatzeit war eine Schulklasse aus Frankfurt (Oder) in der Herberge untergebracht.

Ein Vater, der als Betreuer der Schüler mitreiste, schildert die Sache wie folgt: „Ich hörte draußen einen Knall und wollte natürlich nachsehen, ob einer der Schüler sich einen Spaß erlauben wollte.“ Außerhalb der Herberge habe er dann eine Gruppe von Vermummten gesehen, die mehrere Gegenstände Richtung Gebäude warfen, wie er hinzufügt.

Polizeifahndung nach Vermummten am Bagenzer Stausee

Vermutlich ist es einem der Gäste zu verdanken, das nicht mehr passierte: Er sprang nach der Aussage von Zeugen in seinen Kleintransporter und schaltete die Scheinwerfer an, woraufhin die Vermummten verschreckt das Weite suchten.

Wie die Polizei bestätigt, ist niemand durch diese Attacke verletzt worden. Sofort wurde nach der Gruppe der Vermummten gefahndet, auch ein Polizeihubschrauber kam zum Einsatz. Sieben Tatverdächtige im Alter zwischen 18 und 26 Jahren konnten vorläufig festgenommen werden.

Nach ersten Erkenntnissen der Kriminalpolizei der Direktion Süd in Cottbus sollen sich die Vermummten bei ihrer Aktion auf Meldungen in den sozialen Medien beziehen. Von „einer Vergewaltigung einer Frau und einer noch nicht bestätigten Toten am Stausee“ war dort die Rede, von einer „Maßnahme der Polizei“, von „mehreren verdächtigten Migranten“, von denen zwei „stiften gegangen“ sein sollen. Inzwischen haben Polizei und Staatsanwaltschaft sich zu diesen Gerüchten geäußert.

Schulklasse reist nach Vorfall bei Bagenz früher ab

In der Gemeindeverwaltung Neuhausen/Spree stehen am Donnerstag die Telefone nicht mehr still. Dieter Perko (CDU), der Bürgermeister, sucht sofort den Kontakt zum Eigentümer der Anlage.

„Camper, Leute, die ihren Urlaub in Bagenz planen, rufen uns an“, sagt Perko. Er hat ein Gespräch in die Polizeidirektion Cottbus. Ortsvorsteher Ronny Schiele schüttelt den Kopf: Es ist schlimm, wie das in sozialen Medien läuft. Wir sind mitten in der Saisonvorbereitung.“

Die Schulklasse, die bis Freitag bleiben und in den Geburtstag einer anwesenden Schülerin reinfeiern wollte, reiste aufgrund des Vorfalls bereits am Donnerstag ab.

Der mitgereiste Vater ist indes froh, dass sich die Schüler mittlerweile wieder halbwegs beruhigt hätten. „Die Klasse war nach der Attacke so dermaßen aufgekratzt und auch verängstigt, dass wir Erwachsene sie erst gegen 3 Uhr in der Nacht besänftigen konnten“, sagt er.