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Politiker beraten über Schwimmhalle
Bäder-Streit lebt wieder auf

Den Vorschlag der CDU zur Spremberger Schwimhalle nahmen Mitglieder der SPD und der Linken am Montagabend im Hauptausschuss skeptisch auf. ⇥Foto: René Wappler
Den Vorschlag der CDU zur Spremberger Schwimhalle nahmen Mitglieder der SPD und der Linken am Montagabend im Hauptausschuss skeptisch auf. ⇥Foto: René Wappler FOTO: René Wappler / LR
Spremberg. Vorschlag der Spremberger CDU stößt bei SPD und Linken auf Widerstand. René Wappler

Im Streit um die Zukunft der Spremberger Schwimmhalle verhärten sich die Fronten: Die CDU-Fraktion hat am Montagabend zwei Varianten vorgestellt, mit denen sich die SPD und die Linke keinesfalls anfreunden wollen. Im Hauptausschuss kam es darüber erneut zum Streit.

Von einer „lustigen Beschlussvorlage“ der Christdemokraten sprach SPD-Fraktionschef Dirk Süßmilch. Kurz zuvor hatte Andreas Bränzel im Namen der CDU zwei Varianten zum künftigen Standort der Schwimmhalle ins Spiel gebracht: Die Details für das Gelände am Freibad Kochsagrund könnten demnach während der Planung konkreter eingeordnet werden, wobei allerdings ein vernünftiges Verkehrskonzept nötig sei. Der Beschluss solle „den endgültigen Standort innerhalb des Gebietes ausdrücklich offen lassen“, erklärte Andreas Bränzel. Die zweite Variante bezieht sich auf den Standort in der Berliner Straße: Ein Votum für ihn käme nach dem Willen der CDU nur in Frage, wenn mit ihm Verhandlungen mit dem Eigentümer über den Verkauf einhergehen, weil sich das Grundstück nicht im Besitz der Stadt befindet.

Diese Vorschläge lehnte SPD-Fraktionschef Dirk Süßmilch ab. Er warf der CDU vor, sie handele nicht fair: „Bei der Variante für den Kochsagrund sagen Sie, naja, lassen wir uns mal noch eine Tür offen, und in der Variante für die Berliner Straße legen Sie sich genau darauf fest, was passieren soll.“ So gewinne er den Eindruck, die CDU wolle „ohne Not Fakten schaffen“, obwohl die Bauarbeiten für die Schwimmhalle frühestens im Jahr 2019 oder gar im Jahr 2020 beginnen werden. So bleibe die SPD dabei, dass sich der aktuelle Standort auch für eine neue Halle am besten eigne. „Da können Sie noch so tief Luft holen“, sagte Dirk Süßmilch zu Andreas Bränzel, „da müssen Sie jetzt durch.“ Darüber hinaus gibt es nach den Worten des Sozialdemokraten Indizien dafür, „dass das Gelände am Kochsagrund für ein so schweres Gebäude gar nicht geeignet ist“.

Der CDU-Politiker Raik Nowka verteidigte den Vorschlag seiner Fraktion. Aus gutem Grund sei der Standort für den Bau am Kochsagrund in der ersten Variante „breit gefasst“. Zwar gebe es in allen Fraktionen Bedenken, weil die Busverbindung zu wünschen lässt. Doch die meisten Besucher würden ohnehin mit eigenen Verkehrsmitteln anreisen, gab Raik Nowka zu bedenken.

Ihm widersprach Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos): „So einfach beiseite zu wischen“ sei das Problem des öffentlichen Nahverkehrs nicht. Bei einem Besuch der Stadt Burgstädt habe sie bemerkt, dass die Busse in kurzem Abstand an der dortigen Schwimmhalle hielten.

Auch Elke Franke von der Fraktion der Linken führte das Problem der Busverbindung am Kochsagrund ins Feld – neben weiteren Argumenten, mit denen sie den Vorschlag der CDU entkräften wollte. „In diesem Jahr habe ich erstmals einen Storch neben dem Freibad am Kochsagrund gesehen“, sagte sie. „Da wird im Ernstfall ein Biotop gefährdet.“ Außerdem plädierte sie wie Dirk Süßmilch dafür, den Baugrund an diesem Standort „unbedingt zu untersuchen“: Ob dort eine Schwimmhalle stehe oder ein Freibad, das sei „ein wichtiger Unterschied“.

Für den Fraktionschef der Nächsten Generation steht wiederum fest, dass die Stadt Spremberg nicht mehr auf Dauer ein Freibad und eine Schwimmhalle an zwei verschiedenen Standorten betreiben kann. Vor dieser Tatsache drücke sich die SPD, merkte Benny Stobinski im Hauptausschuss an. Mit der Adresse an der Berliner Straße verbinden sich für ihn zwei weitere Probleme: „Zum einen gehört uns dieses Grundstück nicht, zum anderen halte ich es für gewagt, nur wegen des besseren Busverkehrs dafür zu plädieren.“ Seine Fraktion werde sich dafür aussprechen, den Platz am Freibad Kochsagrund zu prüfen. Allerdings bleibe der öffentliche Nahverkehr ein Thema, „mit dem wir uns auseinandersetzen müssen“. Schließlich seien Ortsteile wie Trattendorf ab 19 Uhr regelrecht von der Innenstadt abgeschnitten. „Vielleicht wäre eine Ringlinie für Busse ein gutes Modell“, erklärte Benny Stobinski.

Weniger eindeutig äußerte sich Christina Schönherr, die für die Fraktion der Vereinten Wählergruppen am Hauptausschuss teilnahm. „In unserer Fraktion sind sämtliche Meinungen vertreten“, sagte sie. „Aber in Bezug auf die Diskussion um den Verkehr glaube ich: Was wir hier als weite Entfernungen bezeichnen, würden die Leute anderswo vielleicht belächeln.“

Immerhin wird die Bewerbung der Stadt Spremberg für die Landesgartenschau im Jahr 2022 keine negativen Folgen für die Schwimmhalle haben: Das stellte die städtische Fachbereichsleiterin für Finanzen fest. „Wir werden im Jahr 2021 voraussichtlich einen finanziellen Spielraum von 4,5 Millionen Euro im Haushalt verzeichnen“, sagte Cornelia Koch. „Dennoch müssen wir natürlich diszipliniert bleiben.“