| 02:47 Uhr

Autosammler holt S-Bahn-Wagen

Oldtimer-Fan Holger Schwarz will einen S-Bahn-Waggon von Berlin nach Schwarze Pumpe holen.
Oldtimer-Fan Holger Schwarz will einen S-Bahn-Waggon von Berlin nach Schwarze Pumpe holen. FOTO: wr
Spremberg. Die beiden Männer laufen über die freie Fläche kurz vorm Hoftor. Holger Schwarz sagt: "Hier kommt der Waggon hin. René Wappler

"

Wolfgang Wandelt mustert den Boden, als würde er in Gedanken den Raum vermessen. Dann nickt er.

Ein S-Bahn-Wagen wird in der nächsten Woche von Berlin nach Schwarze Pumpe umziehen. 17 Meter lang. 3,15 Meter breit. Um die 16 Tonnen schwer. Über dieses Projekt spricht Holger Schwarz mit dem gelernten Autoschlosser Wolfgang Wandelt. Der scherzt: "Wir beide kennen uns schon seit 100 Jahren, als wir noch gar nicht auf der Welt waren."

Der S-Bahn-Waggon ist jedoch wirklich schon fast 100 Jahre alt. Über ihn scherzen die zwei Freunde auch nicht. Vielmehr sprechen sie in Ehrfurcht über ihn.

Wie eine Jungfrau zum Kind sei er zu diesem historischen Schatz gekommen, berichtet Holger Schwarz, der als Sprengstoffspürhundeführer bei der Polizei arbeitet. "Wir waren zum Training in Schöneweide, wo mir die Waggons auffielen", sagt er. "Dann traf ich die Leute vom Verein Historische S-Bahn, und als ich von der Idee erzählte, einen Waggon in Schwarze Pumpe aufzustellen, zeigte mir der Chef erst mal einen Vogel."

Nun dachte Holger Schwarz erst recht darüber nach, wie sich ein solcher Transport organisieren lässt. Er stellte Anträge dafür bei den zuständigen Ämtern in Berlin und Brandenburg. Als die Genehmigung vorlag, begann der erste Versuch. Er scheiterte allerdings bereits im Werk, das die Waggons beherbergt, weil der Tieflader nicht an einer Betonecke vorbeikam. Sie ragte zu sehr in die Höhe - und stand dem Transport damit im Weg.

Davon lässt sich Holger Schwarz nicht entmutigen. Er schwärmt von dem S-Bahn-Waggon, Baujahr 1921, komplett restauriert, der nach einem Schaden nicht mehr im Einsatz ist. Wie der Berliner Transportkontrolleur Walied Schön berichtet, entgleiste der Wagen im Juni 2008 nach einer Sonderfahrt kurz vor dem Bahnhof an der Friedrichstraße im S-Bahn-Tunnel: "Er wurde zur Untersuchung ins Werk Schöneweide überführt und blieb dort abgestellt."

Holger Schwarz hegt konkrete Pläne für die künftige Funktion des Waggons. "Ich will ihn so weit ertüchtigen, dass wir in ihm Schulungen für Verkehrsteilnehmer anbieten können", sagt er. "Schon wegen der nostalgischen Atmosphäre würde mir das besser gefallen als in einem nüchternen Konferenzraum."

Mit Nostalgie kennt er sich schließlich aus. In der Halle auf dem Grundstück stehen mehrere Oldtimer aus DDR-Zeiten. Ein DKW F7, Baujahr 1937, in Spremberg aus einer alten Garage voller Müll und Dreck befreit. Ein Kleintransporter der Marke Wartburg, Modell 311/7. Und ein roter P70, der in den Jahren 1955 bis 1959 produziert wurde.

Bei der Reise des S-Bahn-Waggons von Berlin auf das frühere Gewerbegrundstück in Schwarze Pumpe wird eine Transportfirma aus Königswartha helfen. In ihrem Bestand gibt es Krankfahrzeuge, die sich für diese Aufgabe eignen. Firmenchef Günter Kunaschk sagt: "Trafostationen, Baumaschinen, Mähdrescher haben wir bereits auf den Weg gebracht - aber noch nie einen S-Bahn-Waggon."

Einen mittleren vierstelligen Betrag dürfte Holger Schwarz für das Unterfangen ausgeben.

"Ich denke, dass es sich lohnt", sagt er.

Da pflichtet ihm auch sein alter Kumpel Wolfgang Wandelt bei.