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| 17:22 Uhr

Spremberg
Und Weihnachten wieder daheim?

Eckbert Kwast hat sich mit den Folgen des Ersten Weltkrieges in der Spremberger und Forster Region befasst. Auch über die Lager der Kriegsgefangenen in Merzdorf, Sielow und Groß Breesen berichtet die Sonderausstellung im Niederlausitzer Heidemuseum.
Eckbert Kwast hat sich mit den Folgen des Ersten Weltkrieges in der Spremberger und Forster Region befasst. Auch über die Lager der Kriegsgefangenen in Merzdorf, Sielow und Groß Breesen berichtet die Sonderausstellung im Niederlausitzer Heidemuseum. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Neue Sonderausstellung zeigt Not im Spree-Neiße-Kreis während des Ersten Weltkrieges.

Vor 100 Jahren tobte der Erste Weltkrieg. Vorsichtig blättert Eckbert Kwast, Fachleiter des Niederlausitzer Heidemuseums, im Spremberger Anzeiger vom Sommer 1914. Auf den Titel „Der Bruch zwischen Österreich und Serbien“ am 28. Juli folgte eine Zeitungsausgabe später die bange Frage: „Krieg oder Frieden?“ Musste der Anzeiger am 31. Juli noch widerrufen, dass der deutsche Kaiser die Mobilmachung befohlen hatte, ging es am 1. August unterm Titel „Vor der Entscheidung über den Weltkrieg“ doch um die Mobilmachung.

Eckbert Kwast überlegt, welche Zeitungsseite er in der Vitrine aufgeschlagen lässt. Die neue Sonderausstellung „Heimatfront“ wird bis Mitte August zu sehen sein. Sollte er in den Wochen immer mal wieder die Vitrine öffnen und umblättern?

Auf seinem Arbeitstisch liegen Notgeld, Fotografien, Plakate, der Staubpinsel. Auch zwei Bücher des Arztes und Schriftstellers Theo Malade, der damals in Spremberg über seinen ersten Frontaufenthalt berichtet hatte, will Eckbert Kwast zeigen. Der alte Mittelpunktstein, der mit dem Ende des Ersten Weltkriegs seine Gültigkeit verlor, liegt auf der Sackkarre. Ein roter Wandteppich hängt mit Grüßen aus Beverloo, wo die belgische Armee schon seit Mitte der 1830er-Jahre einen großen Truppenübungsplatz hatte. „Eine Frau aus Döbern brachte uns den Teppich. Sie hat ihn auf dem Dachboden entdeckt“, so Eckbert Kwast.

Während die Spitze der Pickelhaube des Offiziers scharf blinkt, ist es beim einfachen Gefreiten ein Knubbel. Kwast legt eine Zeichnung neben die Haube, auf der sich ein Soldat erschöpft über einen Zaun beugt. „Nein, den Krieg verherrlichen wir nicht. Es geht uns um seine Auswirkungen. Viele Soldaten, die im Sommer 1914 los marschierten, dachten doch, dass sie Weihnachten wieder zu Hause sind.“ Vier Jahre blieben die Familien allein. Von der Front kamen Postkarten, die Nachricht vom Tod des Sohnes, des Ehemanns. Und es kamen kleine Geschenke: Vasen aus Kartuschen, Brieföffner aus Granatsplittern, Armreifen mit Eisernen Kreuzen – zwischen den Gefechten hatten die Soldaten Zeit.

An der Heimatfront in der Lausitz stiegen derweil die Preise. Lebensmittel wurden rationiert. Eckbert Kwast zeigt das Foto von einer Menschenmenge vorm Fleisch- und Wurstgeschäft Leuschner in der Langen Straße: „Sie stehen nach 50 Gramm Fleisch an.“ Auch den Unternehmen, die nun vornehmlich für den Krieg produzierten, fehlten Männer. Neben Schweißern wurden Schweißerinnen gesucht. Auch von der Flugzeugwerft Rieck & Hawerländer in Spremberg. „Die Firma verschwand 1918 wieder. Ob sie nur eine Briefkastenfirma war, wissen wir noch nicht“, so der Museumsleiter. Trotzdem wurde in der Zeit das Kraftwerk Trattendorf aufgebaut. „Mit vielen Frauen“, weiß Eckbert Kwast von Fotos. Im August 1917 lieferte es den ersten Strom.