ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 10:54 Uhr

Ausstellung im Rathaus Spremberg
Die ganze Pracht der Nixenkleider

 Zehn der Spremberger Spreenixen präsentieren sich mit Cornelia Hansche (unten r.) und Schneidermeisterin Petra Höwt (3. v. l.) .
Zehn der Spremberger Spreenixen präsentieren sich mit Cornelia Hansche (unten r.) und Schneidermeisterin Petra Höwt (3. v. l.) . FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Aufwendig war der Aufbau der neuen Ausstellung im Rathaus – aber es hat sich gelohnt. Von Annett Igel-Allzeit

Die Stickereien erinnern an Muscheln, Blüten, Sterne. Die Pailletten wirken wie Tropfen. Leichte Stoffe verhüllen die Schulter, wehen um die Beine. Schwere Stoffe – grün wie Schilf oder Klee, türkis, azur- und nachtblau – liegen an der Taille, halten als Schleppe. Auch die Kronen, die Jens-Uwe Winkler mit Blüten, Muscheln, Bändern und Perlen gestaltete, sind zu sehen. Seit 23 Jahren hat Spremberg eine Spreenixe. Einmal all die Kleider der jungen Damen bewundernd abschreiten – das können jetzt die Besucher des Rathauses.

Am Freitag wurde unter dem Titel „Spremberger Spreenixen – Eine Zeitreise von Beginn bis in das Heute“ eine der schönsten Ausstellungen, die im Rathaus-Foyer Platz finden, eröffnet. Während auf der einen Seite die Kleider an Puppen ruhen, hängen an den Wänden Tafeln voller Fotos und Zeitungsausschnitte. Kinderzeichnungen sind dabei, Einladungskarten. Auf einer der Sondertafeln wird den Sponsoren gedankt. In der Vitrine haben die Nixen Erinnerungsstücke wie Bierdeckel, Tassen, ein Nixen-Relief, edle Tropfen, ein gehäkeltes Nixchen und Erinnungsalben zusammengetragen. Cornelia Hansche, Koordinatorin der Heimatfeste und Nixen-Mutter, erzählt, wie die Spreenixen mit ihren Kleidern, Koffern und Kisten vorm aufwendigen Aufbau der Ausstellung bei ihr ankamen. Nur Nixen-Schuhe sind kaum erhalten geblieben. Nicole Pietkiewicz, die amtierende Spreenixe, winkt ab: „In meinen zwei Jahren als 18. Spremberger Spreenixe habe ich vier oder fünf Paar Schuhe abgelaufen.“

Petra Höwt, die Schneiderin sämtlicher Nixenkleider, ist mit Sabine Mildner, die ihr bei mehreren Kleidern geholfen hat, und Frauen der Schneider-Innung zur Vernissage gekommen. Viele ehemalige Spreenixen und ihre Familien haben es auch geschafft. Hagen Rittel singt als Nachtwächter Kulke die Nixenlieder. Genug Puppen für die Kleiderschau zu bekommen, sei nicht einfach gewesen, sagt Cornelia Hansche: „Da halfen die Schneider-Innung, das Sonntagsche Haus, einige Spremberger, die solche Puppen privat haben, und zum Schluss im Stress noch mehrere Spremberger Gewerbetreibende.“

Aber die Geschichte vom süßen „Hauch von Nichts“, das zwischen den Kleidern hängt, muss Steffi Hergert, die 16. Spreenixe, selbst erzählen. Denn Frank Kuhlee fehlte zur Ausstellungseröffnung. Er habe, so beginnt Steffi Hergert, sich mal „einen Hauch von Nichts“ als Spreenixenkleid gewünscht. Und Spreenixe Steffi hatte den Mut und den Humor, ihm diesen Wunsch zur offiziellen Kleid-Präsentation vor versammelter Presse zu erfüllen. In der Bademode, die die Spreenixe fürs 24-Stunden-Schwimmen braucht, kam sie aus der Schneiderstube. „Wie ein ganz kurzes Nachthemdchen wirkt es ja“, so Steffi Hergert. Nicht nur Frank Kuhlee soll die Kinnlade runtergeklappt sein, auch die damalige Spremberger Sparkassen-Direktorin Ilona Fischer war sprachlos. Ein Hauch von Nichts für so viel Geld? Steffi Hergert hatte sich dann beeilt, schnell das tatsächliche Kleid anzuziehen.

Auch Antje Dorbritz, die 5. Spreenixe, erzählt bei ihrer Führung durch die Ausstellung so manche Anekdote. Und die kleine Tochter der 13. Spreenixe – Annegret Rittel war damals die erste singende Nixe – erkannte sofort das Kleid ihrer Mama. Mit Tordis Struck, der 7. Spreenixe, schaffte es Sprembergs schönstes Ehrenamt ins Internet. Sarah Hansche, 9. Spreenixe, war die erste fliegende Nixe. Und seit Janine Kantor, 17. Nixe, ist es üblich, zwei Jahre durchzuhalten. Bürgermeisterin Christine Herntier hat davor Hochachtung. Zugleich habe sie aber miterlebt, wie Nicole Pietkiewicz heftig schluchzte, als ihre zwei Jahre um waren, und strahlte, als sie noch einmal für die zurückgetretene 19. Spreenixe einspringen durfte.

Zum Heimatfest im August soll die 20. Spreenixe präsentiert werden. „In diesem Jahr haben wir endlich wieder zwei Bewerberinnen“, sagt Cornelia Hansche. Seit 2017 trifft die Jury ihre Wahl hinter verschlossenen Türen.

Mehr Fotos zur Ausstellungseröffnung auf www.lr-online.de/bilder