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| 17:03 Uhr

Schwerer Knochenjob für eine junge Frau?
Ofenbausetzerin aus Tauer wird „Lehrling des Monats“

 Anna Kossack lebt für den Beruf als Ofen- & Luftheizungsbauerin. Aktuell arbeitet sie mit ihrem Kollegen, Matthias Lisk, an einem Outdoor-Backofen.
Anna Kossack lebt für den Beruf als Ofen- & Luftheizungsbauerin. Aktuell arbeitet sie mit ihrem Kollegen, Matthias Lisk, an einem Outdoor-Backofen. FOTO: LR / Marcel Laggai
Jämlitz-Klein Düben. Vor mehr als 500 neuen Auszubildenden wird Anne Kossack als Lehrling des Monats ausgezeichnet. Der alte Beruf   hat durchaus Zukunft. Von Marcel Laggai

Hinter dem Ofen musste sich Anne Kossack aus Tauer nicht erst vorlocken lassen. Kein Wunder, begleitete sie doch ihren Vater, der einen Fachhandel für Kamine, Öfen und Schornsteine betreibt, regelmäßig auf Messen. So ist es nur auf den ersten Blick keine Überraschung, dass die 18-Jährige am Samstag die Auszeichnung „Lehrling des Monats“ entgegennehmen darf. In Branitz feiern über 500 Lehrlinge aus dem Kammerbezirk Cottbus den Auftakt ins neue Ausbildungsjahr. Die Willkommensparty für den Handwerkernachwuchs ist laut Kammer einzigartig in Brandenburg.

Dabei stieß der Entschluss, den Weg des Ofen- und Luftheizungsbauers einzuschlagen, bei ihren Eltern anfangs nicht auf positive Resonanz. „Als ich ihnen meine Entscheidung mitgeteilt habe, waren sie nicht wirklich begeistert, weil es eher ein Männerberuf ist und dort nicht selten ein anderer Ton angeschlagen wird“, erinnert sich Anne Kossack. Zusätzlich sei der Job auch recht körperlich. Doch weder Zementsäcke noch schwere Steine konnten sie von ihrem Entschluss abbringen. Erst ein  zweiwöchiges Schülerpraktikum habe die Eltern überzeugen können, so Anne Kossack.

Dieses Praktikum absolvierte die angehende Ofen- und Luftheizungsbauerin bei ihrem jetzigen Arbeitgeber Steffen Marko, der voller Lob für seinen Lehrling ist: „Sie ist ein Glücksgriff, weil sie diesen Beruf wirklich mit vollem Einsatz erlernen möchte.“ Bereits während des Praktikums habe sie sich wissbegierig gezeigt und von sich überzeugt, so der Ofenbau-Meister, dessen Vater die Firma 1966 gründete und der sich 1991 selbstständig machte.

Trotz des Arbeitsweges von circa 100 Kilometer täglich zeigte Anne Kossack seit Anbeginn der Lehre volles Engagement und konnte  schon etliche Öfen sozusagen aus dem Boden stampfen. Ein Umstand, den die 18-Jährige an ihrem Beruf schätzt: „Immer wenn ich Feierabend habe, kann ich die Fortschritte sehen.“ Darüber hinaus sei das Aufgabenfeld sehr abwechslungsreich, heißt es weiter. Mauern, Fließen legen, schweißen und lackieren sind nur ein Bruchteil dessen, was der Beruf mit sich bringt. Grundvoraussetzung: handwerkliches Geschick.

Eine Eigenschaft, mit der sich die 18-Jährige auch schon an ein Großprojekt trauen durfte. „Beispielsweise ein Ofen zwischen Küche, Wohn- und Jagdzimmer, der den Wert eines Kleinwagens hatte“, erzählt sie nicht ohne Stolz. Ein Zeichen der Wertschätzung und des Vertrauens vom Chef. Allerdings hätte ihr ein erfahrener Kollege dabei stets zur Seite gestanden, wie sie selbst gesteht. Matthias Lisk steht ihr auch bei dem aktuellen Projekt – ein Outdoor-Backofen – zur Seite. Auch er schätzt ihren Arbeitseifer. „Ihr Arbeitswille ist erkennbar, sie packt anstandslos mit an und arbeitet schon nahezu eigenständig“, so der Ofenbauer, der den Beruf bereits seit 25 Jahren ausübt.

Obwohl die 18-Jährige erst im kommenden Jahr die Abschlussprüfung vor sich hat, ist sie mit der Zukunftsplanung schon ein paar Schritte weiter. „Gern möchte ich auch meinen Meister machen und mich bestenfalls irgendwann selbstständig machen.“ Die praktischen und theoretischen Leistungen stimmen zumindest schon. Nicht ohne Grund fällt die Auszeichnung „Lehrling des Monats“ in diesem Monat auf die junge Frau, die doch ein wenig überrascht über die Ehrung war. „Ich habe mich im ersten Moment schon ein wenig ‚überfahren’ gefühlt habe.“ Trotzdem sei sie Stolz auf die bevorstehende Ehrung, fügt sie hinzu.

Schließlich gilt die Ehrung als Wertschätzung des Handwerks und gerade ihre Branche braucht sich vor einer Auftragsflaute zukünftig nicht zu fürchten. Gilt es doch zahlreiche ältere Öfen nach und nach auf die neuen CO2-Standards umzurüsten. „So sorgen auch wir mit unserer Arbeit für weniger Emissionen und von daher gibt es über Jahre hinweg einiges zu tun“, versichert Anne Kossack, die in ihrem Freundeskreis mitunter als Exot gesehen wird. Handwerklich würden nur die Jungs arbeiten und alte Schulfreunde zögen eher ein Studium vor, so die 18-Jährige. „Ich bin allerdings froh über meine Entscheidung.“