Gleich drei Anlässe sollen damit verknüpft werden: der 725. Geburtstag von Welzow, 60 Jahre Volkssolidarität und fünf Jahre Begegnungszentrum Alte Dorfschule. Wer derzeit einen Blick in die Halle wirft, dürfte zweifeln, dass dieser Termin zu halten sein könnte. Nicht so die Laurischens. Sie sprühen nur so vor Elan, widmen sich fast rund um die Uhr diesem Projekt. Warum um Gottes Willen tun sie das? Beide könnten es zu Hause auf dem Sofa doch viel bequemer haben. "Ich konnte es einfach nicht mehr länger mit ansehen, wie hier nach und nach alles verfallen würde", erzählt Manfred Laurisch (64), der im vergangenen Jahr den Entschluss fasste, selbst Hand anzulegen. Schließlich waren in zurückliegenden Jahren auch schon Gelder in die Turnhalle geflossen, Heizung und Sanitäreinrichtung sind funktionstüchtig. Nachfolgende Anträge auf Förderung seien hingegen abgelehnt worden, und so war die Turnhalle ein paar Jahre lang in einen Dornröschenschlaf gefallen. Im Frühjahr vergangenen Jahres unterbreiteten die Laurischens der Stadtverwaltung ihre Vorschläge, wie dem ein Ende bereitet werden sollte. "Dort waren sie zunächst sehr skeptisch", erinnert sich das Ehepaar. Doch gegen die Entschlossenheit der beiden Rentner, Uta Laurisch ist zugleich als Vorsitzende der Welzower Ortsgruppe der Volkssolidarität aktiv, war offensichtlich kein Kraut gewachsen. Andere Partner und Helfer konnten für das Vorhaben begeistert werden. "Komischerweise mehr im Nachbarland Sachsen, als hier in Welzow", erzählen die beiden. Im eigenen Ort sei vielmehr das Gerücht unterwegs, Laurischens würden sich selbst eine Gaststätte herrichten wollen. Aber nichts da – ein multifunktionales Haus soll es werden. Denn wenn es größere Veranstaltungen über die Bühne zu bringen galt, fehlte schon oft ein geeigneter Saal. In der Turnhalle sollen künftig rund 100 Personen Platz finden können. Die Tische und Stühle sind übrigens schon seit vier Jahren da, warten nur noch auf ihre Benutzung. Uta und Manfred Laurisch sehen in dem Saal, der im Moment noch eine Baustelle ist, schon die Garderobe an der einen und die drei mal fünf Meter große Bühne an der anderen Seite. Die Möbelplatten sind schon da, auch die Lampen. Sie sollen so montiert werden, dass sie bei Bedarf an Stahlseilen soweit herabgelassen werden können, dass eine Wartung auch ohne Höhenflüge möglich ist.

Jeden Tag geht es in der alten Turnhalle ein Stück voran. Immer wieder gibt es ehrenamtliche Helfer, die mit zupacken. Die Organisation der Abläufe haben die Laurischens fest in der Hand, auch für den Materialfluss sorgen sie. Und offensichtlich mit solchem ansteckenden Charme, dass die um Hilfe Gebetenen kaum Nein sagen können. So bekamen sie im Hoyerswerdaer Globusmarkt gleich eine ganze Liste von Wünschen erfüllt – von Farbe über Putz bis zu Paneelen reichte die Palette. Oder Fensterbauer Peter Lehmann aus Klein Partwitz. Der hat nicht nur unentgeltlich Fensterglas zugeschnitten, sondern es auch gleich eingesetzt. In dieser Woche will er sich der Fensterbänke in der oberen Etage annehmen, in der noch Arbeitsräume hergerichtet werden sollen. Für das Loch, das derzeit noch in der Decke klafft, hat Praktiker Laurisch auch schon eine Lösung. Keine Spur von Nervosität, Schritt für Schritt werden die Aufgaben erledigt, am Abend bereits für den nächsten Tag geplant. Derzeit sind auf dem Boden Kabel zu verlegen, akkurat geschieht das. Nichts mehr ist von dem Unrat zu ahnen, von dem der Boden bereits im vergangenen Jahr befreit worden war. "Das hätten sie mal sehen sollen, das war der Dreck von hundert Jahren, den wir hier weggeräumt haben", erzählt das Ehepaar. Und freut sich über die vielen Helfer und Sponsoren, denen bei der Eröffnungsveranstaltung ein großes Dankeschön gesagt werden soll. Sogar Monteure aus Zittau waren darunter, die in der Alten Dorfschule Quartier bezogen hatten. Als Dankeschön dafür, dass sie im Seniorenclub fernsehen konnten, erledigten sie in ihrer Freizeit Maurerarbeiten in der Turnhalle.

Auch die Rentner, von denen sich wie Uta Laurisch selbst viele noch gut an ihre eigenen Sportstunden in der Halle erinnern können, helfen und haben viel für die Sanierung gespendet. "Die Jugend will bei der Reinigung mitmachen. Man muss die Menschen nur ansprechen", bringt Uta Laurisch ihr Erfolgsrezept auf einen einfachen Nenner. Nicht ohne Stolz holt sie ein Schreiben von Landrat Dieter Friese aus einem ihrer Aktenordner zum Projekt namens "Turnhalle, Schulstraße 6". Darin würdigt dieser ausdrücklich das ehrenamtliche Engagement, das die Turnhalle nun letztendlich vor dem Verfall bewahren wird. Nächster Schritt wäre die Sanierung des Eingangs und der Außenhaut. Dies stehe noch in den Sternen. Aber da rede der Denkmalschutz mit und es fehle das Geld. Die Stadt bemühe sich, welches aufzutreiben . . .