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| 17:58 Uhr

Vernissage in Spremberg
Sie wachsen auch im Kunstkurs

 Die Spremberger Marisa Schiffer und Ricardo Wanke haben zur Vernissage im Spremberger Erwin-Strittmatter-Gymnasium eins von vier Bilder ersteigern können.
Die Spremberger Marisa Schiffer und Ricardo Wanke haben zur Vernissage im Spremberger Erwin-Strittmatter-Gymnasium eins von vier Bilder ersteigern können. FOTO: LR / Annett Igtel-Allzeit
Spremberg. Die Vernissage in Sprembergs Gymnasium übertrifft die Erwartungen vieler junger Künstler. Von Annett Igel-Allzeit

Die Berge wirken düster, der Boden karg. Der Mensch in der Mitte streckt die Hände aus. Die langen Finger sind mächtig in Bewegung. Doch sie können sie nicht halten  – die Zeit. Die weiß-blaue Uhr zerrinnt zwischen den Fingern. Die Zeiger winden sich. Der Mensch hat kein Gesicht bekommen. Sondern es kann Ariane, Nikolas oder Charly  sein. „Damit sich jeder im Bild wiederfindet“, erklärt Luisa Schiffer. Sie ist eine der jungen Leute, die in den Winterferien das größte Bild der Ausstellung gemeinsam schufen.

Die Vernissage der Zwölftklässler hat seit Jahren Tradition am Erwin-Strittmatter-Gymnasium. Weil es die Jugendlichen drängt, stets etwas völlig Neues einzubringen, ist das Niveau inzwischen hoch. Bewegt haben sich die 35 Schülerinnen und Schüler, in diesem Jahrgang den Kunstkurs wählten – mit Kunstlehrerin Ingrid Michel zwischen Impressionismus und Expressionismus mit Linolschnitten, Stillleben, Kaltnadelradierungen. Landschaftsmalereien, Fotografien und Grafiken. Mit ihrem Thema „Die Kunst der Stunde“ wortspielen sie und fragen sich, ob sie die Gunst der Stunde, ja, der vielen Unterrichtsstunden genutzt haben? Eltern und Großeltern sind gekommen, Lehrer, Freunde, ehemalige Schüler, ehemalige Lehrer.

Die Reaktionen der Besucher werden genau beobachtet

Manuela Pusch und Michaela Schröter, Lehrerinnen in der Kollerberggrundschule, fachsimpeln vor den Fotografien, mit denen die Jugendlichen in ihrer Heimat Architektur, Zeit, Licht, Schatten und Geräusche eingefangen haben. „Wir kommen jedes Jahr her“, sagt Manuela Pusch, „und finden hier immer Namen von Schülerinnen und Schülern, die wir einst selbst unterrichtet haben.“ „Es ist toll, wie sie sich entwickeln“, sagt Michaela Schröter.

Eileen Kobus beobachtet gespannt die Reaktionen der Besucher. In kleinen Texten haben die Schüler beschrieben, warum sie in ihren Nachbildnissen zu Originalen der Künstlergruppe „Die Brücke“ Farben, Haltungen, Gesichtszüge veränderten. Eileen Kobus hat die Liegende in Max Pechsteins Bild „Früher Morgen“ in den späten Abend verlegt. „Mit dramatischem Rot und mit Blau, das den Kontrast sichert“, erklärt sie. Sie will die Trägheit und die Chips-Tüte, mit der viele abends vorm Fernseher landen, kritisieren. Ganz anders blickte Jannes Winkler auf Pechsteins Gemälde, Die Liegende war ihm zu verklemmt. Sein „Früher Morgen“ ist eine Schwangere, die er entspannt auf die Seite legt. Er schneidet ihr Freude ins Gesicht. Dass ihnen Ingrid Michel für die Begegnung mit den Expressionisten Linolschnitt-Meser in die Hand drückte, half beim neuen Blick auf die Meisterwerke, so Eileen Kobus.

Künstlerisch Experimentiert wurde auf vielen Wegen

Im langen Flur hängen lange Landschaften. „Zwei schöne Fotografien waren unsere Vorlagen“, erinnert sich Gene Flatau an jene Kunststunden. Unheimlich sollten ihre Landschaften werden,  Tiefe sollten sie hineinbringen. Es wurden unendliche Weiten. Mit gelben Flüssen, roten Bäumen, grünen Fußspuren.

Amy Kühn hat mit der Fotokamera am ältesten Wohnhäuschen in Spremberg eine Rose entdeckt, die purpurrot blüht, aber sonst nur noch Dornen hat. Maria Blume suchte Geräusche in der modernen Stadt – und fand das Krachen und Poltern unter der Schaufel des Abrissbaggers. Auch in der Porträt-Fotografie passiert ganz viel: Gesichter lehnen sich förmlich aus den Rahmen.

Mit Acryllack, Zeitungsartikeln, Malerkrepp und Wissen aus der Farbenlehre, wie Jannik Wierick zeigt, haben sie auf Leinwänden experimentiert. Lisa Lehmann bereut es nicht, sich vor drei Jahren für den Kunstkurs entschieden zu haben: „Mich fasziniert, dass die Kunst durch alle Zeiten der Menschheit fortbesteht.“ Tim Nakoinz nickt: „Es kommen nur neue Techniken dazu und vermischen sich miteinander.“ Die abstrakte Malerei, die nach winzigen Ausschnitten aus Foto-Vorlagen entsteht, bringt eine ganze Gruppe Eltern ins Gespräch über Zebras, Kugelfische, Krabbelkäfer, Motorräder und Bohrmaschinen.