Von Annett Igel-Allzeit

Groß ist der Jubel der Friedrichshainer Kegel-Männer und ihrer Fans im April gewesen: In Senftenberg konnten sich Mannschaftskapitän Stefan Mitrenga, Sven Blechstein, Marcel Schminke, Christoph Scholta, Silvio Kurtz und Dennis Schulz überraschend klar mit 6441 Holz gegen den SV Germania Schafstädt (6390 Holz) und Semper/AdW Berlin (6241) durchsetzen. Der Traum vom Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord/Ost ist damit erfüllt. Aber jetzt beginnt die Arbeit.

Am Pfingstwochenende haben mehrere Mitglieder der Abteilung Kegeln der Betriebssportvereinigung (BSV)  Grün-Weiß Friedrichshain auf den Knien gelegen. Die Bahnbanden werden blau gestrichen, Teppich verlegt, die Wände im Umkleidebereich gemalert.

Clemens Potratz aus Cottbus, einst Kegler in Hohenbocka, zeigt die zwei Seiten To-Do-Liste, die bei einer Bahnbegehung Ende Mai zusammengekommen waren. „Wer in die 2. Bundesliga aufsteigt, muss mit seiner Anlage auch die Bahnklassifizierung B erreichen, damit zu den Punktspielen die Voraussetzungen stimmen“, so Clemens Potratz. Es reicht nicht mehr, einen Umkleidebereich zu haben, sondern es muss einen Raum für die Gäste und einen Raum für die Heimmannschaft geben.

Die Karnevalisten, die die „Kulturinsel“, an die die Kegelhalle einst angebaut worden war, gepachtet haben, überlassen den Keglern dafür die kleine Bühne. Trockenbauwände und Türen werden eingebaut. „Wir brauchen eine zweite Dusche und neue Bänke für die Umkleideräume“, zählt Clemens Potratz weiter auf. Neue Kugel- und Kegelfangmatten müssen eingebaut und auch das Bedienpult hinter der Scheibe erneuert werden.

Bahn 4, die unter den Gästen immer als „Geisterbahn“ gefürchtet war, ist inzwischen eben. „Wir haben neue Holzbohlen einbauen lassen“, erklärt Bernd Marko und streicht mit der Hand über die Bahn. Auch die Streifen, vor denen die Kugeln im Wettkampf aufzulegen sind, wurden erneuert. Die Kugelrückläufe und Kugelkästen werden sie von einer Firma einbauen lassen – allein dafür müssen die Friedrichshainer Kegler mit Kosten im vierstelligen Bereich rechnen. Damit aber nicht genug: Auch optisch wollen sie ihre Räumlichkeiten aufwerten, den Küchenbereich und die Theke neu mauern, die Elektrik modernisieren. Nicht nur über neue Vorhänge denken sie nach, sondern auch die Wand zwischen Zuschauerraum und Kegelbahnen soll komplett aufgearbeitet werden und größere Scheiben bekommen. „Damit sich die Zuschauer nicht mehr den Hals verrenken müssen“, so Potratz. Und sämtliche Senken im Eingangsbereich auf dem Außengelände sollen verfüllt werden.

Wie der Friedrichshainer Lehrer Rolf Müller (1934 - 2008) einst in seinen heimatkundlichen Impressionen schrieb, wird in Friedrichshain seit 1909  – also seit 110 Jahren gekegelt. Die Sportler sollen sogar den Friedrichshainer Karneval Klub (FKK) aus der Taufe gehoben haben. Im Jahr 1949 ließen erstmals auch die Frauen die Kugeln über die Asphaltbahn rollen und steigerten sich so schnell in ihren Leistungen, dass sie sich Müller zufolge allein in den 50er-Jahren fünfmal den Meistertitel der DDR sichern konnten. Mit der Kegelhalle, die 1954 eingeweiht wurde, standen den Männern und Frauen vier Bahnen zur Verfügung. 1997 wurde sie umfangreich renoviert, so dass sich die Wettkampfbedingungen noch einmal deutlich verbesserten.

Nun wird wieder gewerkelt. „Einige Arbeiten müssen wir von Firmen erledigen lassen, aber sonst versuchen wir, so viel wie möglich selbst zu stemmen“, sagt Clemens Potratz. Zugleich suchen sie nach Fördertöpfen, hoffen auf Sponsoren. Im September, bestätigt Arno Kurtz vom Vorstand, werde der Spielbetrieb in der 2. Bundesliga Nord/Ost starten. Genug aktive Spieler hat der Verein. „Wir konnten jetzt sogar eine dritte Männermannschaft aufstellen“, sagt Bernd Marko. Insgesamt spielen in den Männer-, Frauen- und gemischten Mannschaften über 40 aktive Keglerinnen und Kegler. Viele kommen aus Friedrichshain – einige auch aus Cottbus wie Clemens Potratz, oder Groß Kölzig. Doch auch am kommenden Wochenende wird nicht trainiert, sondern gemauert, gemalert, geschliffen.