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| 01:08 Uhr

Auflösung der Gemeinde Haidemühl besiegelt

Haidemühl.. Seit gestern ist es offiziell: Landrat Dieter Friese (SPD) überbrachte Bürgermeister Dietmar Kiel und den Gemeindevertretern von Haidemühl in einer Sondersitzung den Bescheid über die Auflösung von Haidemühl als selbstständige Gemeinde. Zum 31. Gabi Böttcher

Dezember endet damit die mehr als 170 Jahre währende Geschichte dieser Industriesiedlung, die als Gosda im Jahre 1548 erstmals urkundlich erwähnt worden war. Drei Viertel der Einwohner haben inzwischen im neuen Spremberger Ortsteil Haidemühl ein neues Zuhause gefunden - das sind 484 Menschen. 1500 Hektar ehemaliger Haidemühler Fläche gehen an die Stadt Welzow über.
Was von Landrat Dieter Friese gestern nüchtern als Ende eines formellen Verwaltungsaktes eingeordnet wurde, ging den Haidemühler Gemeindevertretern und den Gästen - den Landrat eingeschlossen - spürbar ans Gefühl. Es sei ein Abschied ohne Wiederkehr, so Friese, und es werde zwei, drei Generationen brauchen, bis die Kirschbäume wieder so groß seien, wie es die alten waren. Doch der Landrat stellte die Umsiedlung auch in den Zusammenhang, der nicht an den Zäunen eines Ortes Halt macht. Vom Weiterbetrieb der Tagebaue Welzow-Süd, Jänschwalde und Cottbus- Nord hingen viele tausend Arbeitsplätze in der Kohle- und Energiewirtschaft ab, die für die Menschen und ihre Familien auch Heimat bedeuteten. Sich mit heimischer Braun- und Steinkohle unabhängiger von Energiequellen zu machen, die aus instabilen Regionen der Welt wie dem Nahen Osten kämen, sei wichtig. Der Landrat dan kte den Haidemühlern für ihr Opfer, das sie für die Gemeinschaft bringen. Ob Kausche, Horno oder Haidemühl, in keinem der drei Orte, deren Umsiedlung er als Landrat, miterlebt habe, sei es den Menschen leicht gefallen. Um so größer seien seine Hochachtung und der Respekt vor den Leistungen, vor den Gemeindevertretern, und dem von ihnen konstruktiv und sachlich begleiteten Prozess. Im Dank an das Bergbauunternehmen Vattenfall war sich Friese einig mit Sprembergs Bürgermeister Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU). Beide würdigten die Qualität der Umsiedlung, die im Vergleich zu den von Dr. Schulze Ende der 70er-Jahre selbst gemachten Erfahrungen eine völlig neue sei. Der Haidemühler Bürgermeister Dietmar Kiel, der immer für sich in Anspruch genommen hatte, für alle Haidemühler den Weg in den Neuanfang so gut wie nur irgend möglich zu ebnen, konnte gestern mit Stolz erklären, schuldenfrei nach Spremberg zu kommen. Mehr noch: Eine Sonderrücklage von mehr als zwei Millionen Euro wird unter anderem zur Finanzierung der Folgekosten des künftigen Dorfgemeinschaftszentrums zur Verfügung stehen. Dietmar Kiel machte auch deutlich, dass den neuen Sellessener Nachbarn mit der Erweiterung der Sportanlagen und der Aufnahme ins Förderprogramm Dorferneuerung verschiedene Mitnahmeeffekte zu Gute gekommen seien. Mit den 1500 Hektar Haidemühler Territoriums sieht er für Welzow in den kommenden Jahren nicht unerhebliche Gewerbesteuerzahlungen fließen. Sein Dankeschön an die Adresse der Welzower für den seit Bildung des Amtes Welzow im Jahr 1992 gemeinsam gegangenen Weg wurde vom amtierenden Bürgermeister Detlef Pusch zurückgegeben. Dieser bedankte sich für die faire, disziplinierte, von Toleranz und hohem rechtsstaatlichem Niveau geprägte Zusammenarbeit. Joachim Kretschmer, Leiter Bergschäden und Bauwesen bei Vattenfall Europe Mining AG, würdigte das gemeinsam Geleistete und wünschte den Haidemühlern, dass sie im neuen Ort auch schnell eine neue Heimat finden.
Dietmar Kiel, der per Glockenklang die Sondersitzung der Haidemühler Gemeindevertreter von historischer Einmaligkeit für beendet erklärte, kämpfte gegen seine Emotionen an. Als würde er dem Geschehen auch für sich selbst etwas von seinem zu Herzen gehenden Bann nehmen wollen, erinnerte er gegenüber der RUNDSCHAU an die vielen jungen Menschen aus der Region, die der Arbeit nach und damit hier wegziehen müssen. „Da gehen wir sehr schnell zur Tagesordnung über“ .