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Spremberg
Fast 300 Bäume mussten weg

Die Winterlinde an der KLeinen Spree wurde gestutzt und mit Seilen gesichert.
Die Winterlinde an der KLeinen Spree wurde gestutzt und mit Seilen gesichert. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Bei den Ersatzpflanzungen im gesamten Stadtgebiet setzt Spremberg auf Vielfalt.

Auf städtischen Flächen in Spremberg sind im Vorjahr 123 Bäume gefallen. Hinzu kamen 167 genehmigte Baumfällungen  auf privaten Grundstücken. Ein Baum an der Kita Kollergberg war zum Sicherheitsproblem geworden. Auf den Friedhöfen in Hornow, Schwarze Pumpe und Wadelsdorf waren elf Bäume  ein Risiko. Für die Brückenbaustelle in der Wendenstraße mussten 38 Bäume weichen. Entlang der Straßen waren 35 und auf Grünanlagen 36 Bäume nicht mehr tragbar. Auf Spremberger Spielplätzen  sind zwei Bäume gefällt worden. „Manchmal sehen wir erst nach der Fällung genau, warum der Baum so viel Totholz trug“, so Doritha Drews, die als Sachgebeietsleiterin Tiefbau auch verantwortlich fürs Grünwesen ist. Eine Blutbuche – sie gehört zu Doritha Drews Lieblingsbäumen – im Stadtpark hatte 2014 kaum noch kleinere Äste und Zweige in der Krone. Pflegemaßnahmen halfen nicht. „Nach der Fällung zeigte ein Würfelmuster und nach einigen Tagen die  Schwarzfärbung der Schnittfläche, dass der Brandkrustenpilz die Blutbuche befallen hatte. Dieser Pilz ist lange nicht zu erkennen, er hat sehr kleine Fruchtkörper und begünstigt die Weißfäule“, so Doritha Drews.

Auch eine Rosskastanie in der Bahnhofstraße, die am Stamm eine große Wunde hatte, weil sie mal angefahren worden war, musste 2017 weichen, mit der Kernfäule verlor sie ihre Standfestigkeit. Bei einer Robinie in Graustein an der Dorfaue mussten die Experten nach intensiver Suche einen langen dünnen Riss, der von der ersten Baumgabel den Stamm hinunterlief. Und die Roteiche am Goetheplatz/Ecke Kirschallee, die zunehmend Totholz abwarf, war mit ihrem Standort nicht mehr zurechtgekommen: „Sie hatte erhebliche Versorgungsprobleme. Wir haben sie 2016 im Kronenbereich kräftig zurückgeschnitten. Das hätten wir 2017 erneut tun können, aber spätestens 2019 wäre die Fällung fällig gewesen“, erklärt Doritha Drews.

Während eine Platane in der Strittmatter-Promenade nicht zu halten war, gibt es für eine Winterlinde in der Poststraße Hoffnung. Sie würde in der Baumreihe zwischen Kleiner Spree und historischem Postgebäude fehlen. „Wir haben den Zwiesel­ausbruch mit Seilen gesichert“, so Doritha Drews. Für neun Bäume ließ die Stadtverwaltung extra Gutachten erstellen. Das hat sich für sieben Bäume gelohnt: Die durch einen Blitzeinschlag geschädigte Eiche in der Grazer Straße, Linden am Pfortenplatz, in der Johannesgasse und am Schloss Hornow sowie eine der ohnehin durch die Miniermotte gebeutelten  Kastanien in der Bahnhofstraße leben noch mindestens zehn Jahre.

Unter den 167 Baumfällungen auf privaten Grundstücken waren weit über 90 Nadelgehölze, aber auch zehn Linden, neun Robinien, jeweils sieben Birken, Eichen und Walnussbäume, sechs Erlen, vier Ahornbäume, zwei Ulmen, eine Buche, eine Esche. Wenn die Standfestigkeit nicht gegeben ist, ein Baum auf ein Haus zu fallen droht, er das Dach beschädigt, wird der Griff zur Säge genehmigt. Auch Erweiterungsbauten seien oft ein Fällungsgrund. 17 beantragte Baumfällungen lehnte die Stadt im Vorjahr ab.

Grundsätzlich, betont Doritha Drews, ist es verboten Bäume, Hecken, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis 30. September zu beseitigen. Lediglich Form- und Pflegeschnitte seien erlaubt. Für die Verkehrssicherheit  und bei behördlichen Maßnahmen könne dieses Verbot aufgehoben werden. Zudem gehört es zu vielen Fällungsgenehmigungen eine Auflage: Ersatzpflanzungen. So sind im Stadtgebiet im Zuge des Ausbaus der Ortsdurchfahrt B 156 im Vorjahr 44 Säulenhainbuchen gesetzt worden. „2018“, so Doritha Drews, „kommen zwölf Rosskastanien und 13 Kugelrobinien dazu.“  Die 38 Bäume, die in der Wendenstraße fallen mussten, wurden durch 42 Jungbäume im Stadtpark und auf dem Friedhof Georgenberg ersetzt. Die Ersatzpflanzungen, die im Frühjahr und Herbst 2018 realisiert werden  – 184 im gesamten Stadtgebiet – versprechen Vielfalt. Zum Beispiel bekommt der Schulhof in Schwarze Pumpe eine Zierkirsche, die Kita Kollerberg den Rotlaubigen Ahorn. Am Rainer-Scheudeck-Platz sollen vier Trompetenbäume und in der Erwin-Strittmatter-Promenade neben Ulmen und Platanen zwei Tulpenbäume blühen.