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| 15:20 Uhr

Gräber erzählen Dorfgeschichte
Archäologen werten Fund aus

Dieses Bild zeigt freigelegten Leichenbrand an der Fundstelle.
Dieses Bild zeigt freigelegten Leichenbrand an der Fundstelle. FOTO: LR / Freie Universität Berlin
Spremberg/Berlin. Untersuchung bei Hornow soll im nächsten Jahr weitergehen.

Perlen und Kämme sollten die Toten einst ins Jenseits begleiten. Eine erste Bilanz der Arbeit auf einem germanischen Gräberfeld in der Nähe von Spremberg zieht Dr. Morten Hegewisch vom Institut für Prähistorische Archäologie in Berlin. Er hat in der vergangenen Woche gemeinsam mit Studenten die Fundstelle untersucht, auf die ehrenamtliche Denkmalpfleger gestoßen waren.  Sie befindet sich bei Hornow.

Dr. Morten Hegewisch erläutert: „Wir entdeckten dort eine Reihe von Brandbestattungen, zum Teil schon vom Pflug beschädigt.“ Nach ersten Erkenntnissen scheinen die Germanen im dritten oder vierten Jahrhundert nach Christus an dieser Stelle auch Kinder begraben zu haben. „Wie lange sie ihre Toten dort bestatteten, wissen wir nicht“, sagt der Fachmann aus Berlin. „Sie wurden zuvor auf einem Scheiterhaufen verbrannt, samt der Beigaben wie Glasperlen, manchmal auch einem Messer, Gürtelschnallen und Kämmen.“ Als Leichenbrand bezeichnet er die Knochenreste, die auf dem Gräberfeld lagen.

Im nächsten Jahr wollen die Forscher ihre Arbeit an dieser Stelle fortsetzen. Bis dahin wird der Eigentümer des Grundstücks kontrollieren, ob sich Fremde dem Fundort nähern. „Die Entdeckung ist wichtig für die Ortsgeschichte“, sagt Morten Hegewisch. „Wenn Leute Raubgräberei betreiben, ist das so, als würde jemand mutwillig Seiten aus einer Dorfchronik reißen.“

Die Objekte lagern jetzt an der Freien Universität in Berlin. Die Archäologen bereiten sie auf, um sie später dem Landesdenkmalamt zu übergeben. Jedes Fundstück registrieren sie in einer Liste. Wenn der Zahn der Zeit nicht zu stark an den Knochenresten und Beigaben genagt hat, werden sie einer Restauration unterzogen. Damit besteht die Chance, dass sie sich in Exponate verwandeln. Nach Ansicht des Berliner Experten könnte sich das Archäologische Landesmuseum in Brandenburg dafür eignen.

Die Prähistorische Archäologie besitzt erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts den Status als eigenständige wissenschaftliche Disziplin. Darauf weist Dr. Jan Ahlrichs hin, der bei Morten Hegewisch an der Freien Universität studierte.