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| 08:28 Uhr

Archäologen-Team wurde in Sellessen fündig

Allmählich nimmt der neue Wohnstandort der Haidemühler in Sellessen Gestalt an. Zurzeit werden erste Erdarbeiten mit schwerer Technik durchgeführt. Dazwischen sieht man Menschen, die akribisch genau Zentimeter für Zentimeter den Erdboden untersuchen. Hierbei handelt es sich um Mitarbeiter des Archäologischen Institutes für Bodendenkmalpflege Brandenburg. Die Wissenschaftler forschen nach historischen Hinterlassenschaften unserer Vorfahren. Von AndrÉ Kurtas

Im Zuge der geplanten Umsiedlung besteht die Verpflichtung, die Bodendenkmale zu erhalten. "Durch massive Eingriffe wird ein Bodendenkmal ja unwiederbringlich zerstört. Deshalb sind wir hier vor Ort, um diese geschichtlichen Zeitzeugnisse zu sichern, zu bergen und zu dokumentieren", erklärt Grabungsleiter Armin Volkmann.
Um nichts zu übersehen, gehen die Forscher systematisch ans Werk. Von einer beauftragten Tiefbaufirma wird zuerst der Mutterboden abgetragen. "Wir sind immer mit dabei und schauen, ob sich Bodenverfärbungen zeigen, die eventuell auf eine Kulturhinterlassenschaft deuten könnten. Wo man etwas sieht oder gar findet, wird genauer gebuddelt", so der Wissenschaftler. Mit der Schaufel wird zunächst vorsichtig eine Planung vorgezeichnet, erst danach wird richtig gegraben. "Die Funde werden dabei vorsichtig freigelegt", so Volkmann.
2800 Jahre alter Pfosten
Erst in dieser Woche entdeckten die Archäologen in Sellessen historische Spuren. "Hier hat früher einmal ein Haus gestanden", ist sich Volkmann sicher. Der Wissenschaftler schließt das aus Spuren, die vermutlich von einem Holzpfosten stammen, der hier vor etwa 2800 Jahren senkrecht im Boden stand. "Wahrscheinlich hat dieser Pfosten eine tragende Funktion bei einem Gebäude gehabt", glaubt Volkmann. Das Holz verfaulte im Laufe der Jahre. Zurück blieb ein Loch, in das Kulturhinterlassenschaften der Menschen, die dort lebten, hineinfielen. Unter anderem fanden sich Scherben.
Leider sind Überreste, die auf einen weiteren Holzpfosten schließen lassen, bei dem Stellungsbau der russischen Armee im Zweiten Weltkrieg, die auch an dieser Stelle kämpfte, zerstört worden, bedauert Armin Volkmann. "Man hat an solchen Grabungsstellen oft eine zeitliche Überschneidung", weiß der Archäologe zu berichten.
Erst vor kurzem fand man im ehemaligen Haus einen toten russischen Soldaten. Inzwischen waren Mitarbeiter der Kriegsgräberfürsorge bereits in Sellessen vor Ort, um den Soldaten zu bergen, der bald bestattet werden soll. An der Grabungsstätte verblieb organisches Material, das jetzt genau untersucht wird. Somit will man zum Beispiel feststellen, woher genau der Tote kam.
Doch das Archäologen-Team um Armin Volkmann legte in den vier Wochen, in denen es nun schon am neuen zukünftigen Wohnstandort der Haidemühler gräbt, schon viele Fundstücke frei. In erster Linie finden sich in Sellessen Scherben, aber auch antike Holzkohle wurde schon entdeckt.
Die ältesten Fundstücke datieren die Forscher auf das Jahr 800 vor Christus. Und die Wissenschaftler hoffen auf mehr: "Wir arbeiten hier, bis die Umsiedlung abgeschlossen ist", so Volkmann. Derzeit sucht das Team an der Nord-Süd-Straße nach geschichtlichen Hinterlassenschaften.
Grabungen dauern an
Viele Hektar werden von Armin Volkmann und seinen Mitarbeitern in den kommenden Wochen und Monaten noch untersucht, bis am Standort Sellessen die ersten Haidemühler ihre neuen Häuser beziehen werden.
Wer wohl in 2800 Jahren ihre Hinterlassenschaften entdecken wird?