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| 17:24 Uhr

Arbeitslosenservice Spremberg braucht Zuschüsse
Ein Förderprogramm namens Faust

Carola Lademann (l.) und Yvonne Gundermann-Scheudeck müssen auf Fördermittel hoffen.
Carola Lademann (l.) und Yvonne Gundermann-Scheudeck müssen auf Fördermittel hoffen. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Der Arbeitslosenservice in Spremberg ist bis zum Jahresende gerettet. Und dann? Von Annett Igel-Allzeit

Als im Mai 2008 die Spremberger Arbeitslosenquote um einen Prozentpunkt auf 17,6 sank, war das eine gute Nachricht. Für Juni dieses Jahres wurden 6,9 Prozent verkündet. Carola Lademann, die Bereichsleiterin Süd des Arbeitslosenverbandes (ALV) Brandenburg, nickt: „Angesichts sinkender Arbeitslosenzahlen müssen wir uns fragen lassen, ob wir noch eine Daseinsberechtigung haben.“ In Sprembergs Bildungs- und Sozialausschuss hielt sie ihren Vortrag. Damit die Ausschussmitglieder den Zuschuss der Stadt zur Miete und zum Aufwand der ehrenamtlichen Tätigkeit nicht streichen.

Carola Lademann muss im Ausschuss nach Rita Richter ans Rednerpult. Rita Richter, Leiterin des Eigenbetriebs Jobcenter Spree-Neiße in Spremberg, hat zuvor unter anderem von den neuen Computerplätzen für Jobcenter-Kunden erzählt. „Wir“, so Carola Lademann, „sind für die Arbeitslosen da, die allein am Computer nicht zurechtkommen.“

Nach dem Sozialausschuss hat der Hauptausschuss 4500 Euro für den Arbeitslosenservice bewilligt – aufgeteilt in 2995,20 Euro Mietzuschuss für Veranstaltungsraum und Bürgerinformationsraum und 1504,80 Euro als Aufwandsentschädigung für ehrenamtliche Helfer. 3708 Euro wird der ALV tragen. Carola Lademann ist froh. Die Einrichtung ist für dieses Jahr gesichert.

Ob nun nach Bestätigung des Bundeshaushaltes der Landkreis Spree-Neiße noch Fördermittel an den Arbeitslosenservice weiterreichen kann? Wie Matthias Händler von der Landkreis-Pressestelle mitteilt, ist bestenfalls etwas über Faust zu erwarten. Faust steht für „Fähigkeiten ausbauen und stärken“ und ist ein Förderinstrument für die Heranführung an den Arbeitsmarkt. „Aber als Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung sind Faust-Maßnahmen generell nachrangig gegenüber anderen Förderinstrumenten einzuordnen. Im Vergleich zu den Vorjahren hat der Bund die Eingliederungsmittel erheblich reduziert.“ Das traf alle Bereiche. Matthias Händler: „Zwar können im Jobcenter Spree-Neiße an allen Standorten Faust-Maßnahmen laufen – aber im geringeren Umfang als in Vorjahren.“ Eine Förderzusage für den Arbeitslosenservice gibt es bisher nicht, im April lief hier die vorerst letzte Förderung aus.

Zu finden ist Sprembergs Arbeitslosenservice in der Heinrichstraße. Der ALV mietet Räume der Landeskirchlichen Gemeinschaft. In Regalen liegt Infomaterial aus: gering bezahlte Jobs in der Altenpflege, im Gartenbau, als Küchenhelfer. „Ältere Arbeitslose und Geringqualifizierte profitieren wenig von der guten Wirtschaftslage. Sie kommen zu uns, wenn sie mit einem Formular vom Eigenbetrieb Jobcenter nicht zurechtkommen oder eine Antwort auf eine Frage nicht verstanden haben“, sagt Carola Lademann.

Auch Menschen, die bisher immer in Arbeit waren und plötzlich gekündigt werden oder erstmals vom Arbeitslosengeld in die Hartz-IV-Leistungen fallen, stehen hilflos vor Yvonne Gundermann-Scheudeck, die ehrenamtlich den ALV-Service in Spremberg leitet. Und Rentner kommen, sagt sie: „Als Arbeitslose hatten sie uns kennengelernt, sind treu geblieben und kommen zu unseren Veranstaltungen und Vorträgen am Mittwochvormittag.“

Seit 2014 ist Carola Lademann für Teltow-Flämming Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße zuständig. Yvonne Gundermann-Scheudeck an der Seite zu haben, ist wichtig. Aber wie lange geht das ohne Faust-Fördermittel? Die Frauen wollen weiter helfen, verfolgen Gesetzesänderungen, recherchieren mit den Betroffenen nach Jobs, ermutigen zur Bewerbung, helfen Familien, das Teilhabe-Paket auszuschöpfen. Die Nähstube wollen sie halten. Und dann beschäftigt sie zunehmend das Thema Altersarmut. „Oft“, so Carola Lademann, „brauchen die Leute hier einfach jemanden, der ihnen zuhört, und etwas gesunden Optimismus.“