ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:46 Uhr

Gesundheit
Wenn Medikamente plötzlich falsch wirken

Apothekerin Beatrice Steckmann über Medikamente und ihre Wechselwirkungen auf.
Apothekerin Beatrice Steckmann über Medikamente und ihre Wechselwirkungen auf. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. Apothekerin Beatrice Steckmann klärt über Wechselwirkungen bei Arzneien am Pflegestammtisch auf. Von Anja Guhlan

Medikamente sollen Beschwerden lindern und Krankheiten heilen. „Ein Medikament kann mit anderen Arzneimitteln, aber auch mit Lebensmitteln oder Alkohol in Wechselwirkung treten, wenn die Einnahme gleichzeitig oder kurz hintereinander erfolgt“, erläutert Beatrice Steckmann beim 6. Pflegestammtisch vor rund 30 Teilnehmern im Spremberger Kanu-Bootshaus. Zu den Teilnehmern gehören unter anderem Vertreter von Tagespflegeinrichtungen, Pflegeheimen und Hauskrankenpflegediensten. Sie alle wollen beim regelmäßigen Stammtisch für die Branche, der stets von der Lenkungsgruppe „Generationsfreundliche Stadt“ organisiert und initiiert wird, mehr über bestimmte Themen erfahren. Zum sechsten  Stammtisch referiert nun Apothekerin Beatrice Steckmann, die die Filialleitung in der Spremberger Turmapotheke inne hat über Medikamente und ihre Wechselwirkungen. „Vor allem jene Menschen, die regelmäßig viele Medikamente einnehmen müssen, wie ältere Menschen und chronisch Kranke, sind meist von Wechselwirkungen betroffen“, sagt Steckmann, für die Patienten mit meist acht Medikamenten schon keine Seltenheit mehr sind. Zunächst klärt die Apothekerin auf, was Wechselwirkungen sind. „Wenn sich zwei Medikamente gegenseitig beeinflussen, spricht man von einer Interaktion – einer Wechselwirkung“, so die Fachfrau. Die Medikamente können dabei ihre Wirkung wechselseitig entweder verstärken oder abschwächen. So sind beispielsweise Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac keine guten Partner für bestimmte Blutdrucksenker, die oft zusammen geschluckt werden. Es kann eine Erhöhung des Blutdrucks die Folge sein oder eine Verschlechterung der Nierenfunktion auftreten. „Manchmal ist eine Wechselwirkung  von Medikamenten von den Ärzten aber auch erwünscht“, bemerkt die Apothekerin. Zum Beispiel mit zwei unterschiedlichen Blutdrucksenkern, die ihre Wirkung verstärken. Solche Arzneien stehen dann aber meist unter ärztlicher Kontrolle.

Aber nicht nur Medikamente können sich gegenseitig beeinflussen: Auch die Einnahme von Alkohol oder das Rauchen können mit Arzneien unterschiedlich reagieren. Die Apothekerin rät Arzneien nie in Kombination mit Alkohol einzunehmen, da das Medikament  dann oft anders wirkt. Auch die Wirkung bestimmter Asthmamittel wird während des Rauchens aufgehoben. Ebenso können pflanzliche Wirkstoffe wie Johanniskraut, Ginkgo oder Ginseng einen gravierenden Einfluss auf Medikamente haben, wenn sie parallel eingenommen werden.

Laut Steckmann werden vor allem  Wechselwirkungen mit Lebensmitteln recht „stiefmütterlich“ behandelt. Die Expertin rät, Medikamente stets mit einem Viertel Liter Leitungswasser einzunehmen, denn hierbei gibt es keine Wechselwirkungen. Das sieht bei Milch und einigen Fruchtsäften wie Grapefruitsaft schon ganz anders aus. Auch ob Medikamente vor oder nach dem Essen eingenommen werden, sollte in Bezug auf Wechselwirkungen beachtet werden.  Denn Nahrung kann auch manche Arzneien unwirksam machen oder ihren Wirkungseintritt verzögern.

In jedem Fall rät Steckmann sich stets von einem Arzt und Apotheker beraten zu lassen. Für die Pflegekräfte ist Steckmanns Vortrag besonders wertvoll. Einige von ihnen weisen nochmal auf die hohe Bedeutung eines gut geführten Medikamentenplans hin. Beatrice Steckmann kann das nur befürworten: „Bei der Einnahme von mehreren Arzneien ist ein strikter Medikamentenplan sehr sinnvoll.  Ein solcher Plan gibt dann oft Sicherheit“, meint Steckmann und verrät, das die Handhabe mit Medikamentenplänen in der Lausitz aber flächendeckend sehr gut läuft. Sie kenne aus ihrer beruflichen Karriere Gebiete und Regionen, wo solche Pläne wesentlich schlechter im Alltag gehandhabt werden.