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| 17:08 Uhr

Reisebranche im Wandel
Anspruch an Touristiker wächst

 Karin Hesse und ihre Mitarbeiter berichten, dass sie inzwischen mehr Dienstleister für die Stadt als eine reine Touristinformation sind.
Karin Hesse und ihre Mitarbeiter berichten, dass sie inzwischen mehr Dienstleister für die Stadt als eine reine Touristinformation sind. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Bedürfnisse der Besucher des Büros am Spremberger Markt ändern sich rasant.

Willkommen im Auskunftsbüro für alle Fragen der Welt. Ein Paar aus Karlsruhe will die nächste Silvesternacht in Spremberg feiern. Eine Frau erkundigt sich, wie sie ihren Müll entsorgen soll, wenn es die gelben Säcke nicht mehr gibt.  Eine weitere Besucherin betritt das Bürgerhaus, wo Robert Neumann am Tresen der Touristinformation Prospekte sortiert.

„Ich möchte eine Konzertkarte für meinen Mann kaufen“, sagt sie zu ihm. „Was Schönes, als Geschenk.“

Er fragt nach, was ihr Mann besonders mag.

„Hardrock eher nicht“, erklärt sie. „Comedy vielleicht.“

Robert Neumann sagt: „Vielleicht wäre Olaf Schubert was für ihn.“

Wieder öffnet sich die Tür. Eine Frau aus Spremberg bittet Robert Neumann um zwei Busfahrpläne. Er reicht sie ihr über den Tresen.

„Danke“, sagt sie. „Und einen kleinen Beutel, wenn Sie einen haben? Sonst werden die Fahrpläne im Regen nass.“

Um allen Wünschen gerecht zu werden, bräuchten die Mitarbeiter der Spremberger Touristinformation mehr Geld. Das sagt Geschäftsführerin Karin Hesse. „Die Bedürfnisse unserer Besucher haben sich geändert“, erklärt sie. „Früher kümmerte sich eine Touristinformation vor allem darum, Pensionen in der Stadt anzubieten.“ Doch das erledigten viele Gäste inzwischen selbst vor Antritt ihrer Reise.

So wandeln sich die Aufgaben der Touristinformation. Ihre Mitarbeiter präsentieren die Stadt auf Messen. Sie vermarkten E-Bikes. Sie drehen Kurzfilme für das Internetportal Youtube, in denen sie Restaurants und Sehenswürdigkeiten der Region vorstellen. Darüber hinaus bieten sie Tickets für Veranstaltungen an. 32 000 Euro nahmen sie im Jahr 2018 mit dem Verkauf von Stadtgutscheinen ein, den viele Spremberger als Geschenk für Freunde und Geschäftspartner nutzen. 20 000 Euro wurden davon wiederum an die teilnehmenden Händler ausgezahlt, wie die Chefin der Touristinformation berichtet.

Von der Stadt Spremberg erhält das Büro am Markt mit seinen drei Fachkräften einen Zuschuss. So zahlt sie laut einem Beschluss der Stadtverordneten vom  Dezember 2017 eine Summe von 47 000 Euro im Jahr an den Tourismusverein Spremberger Land. Dieser Betrag, damals um 32 000 Euro aufgestockt, liegt allerdings immer noch weit unter dem Wert, den die Tourismus Marketing Brandenburg GmbH in ihrem Leitfaden empfiehlt. „Die Zukunft der Tourist-Informationen“ lautet der Titel der Broschüre. Ihre Autoren gehen von 140 000 Euro im Jahr für Personal und Sachkosten aus. Dabei sprechen sie von einem Mindestbudget. Außerdem seien wenigstens 3,5 Stellen nötig, zwei davon in der Betreuung der Gäste, um moderne Anforderungen zu erfüllen.

Diese Zahlen beziehen sich auf eine Touristinformation mit ungefähr 10 000 Besuchern pro Jahr. Das Büro am Spremberger Markt zählte im Jahr 2018 jedoch nach Angaben der Geschäftsführerin mehr als 12 000 Besucher, und zwar mehr als 50 pro Tag.

Trotz ihres Einsatzes erleben die Mitarbeiter der Spremberger Touristinformation mitunter herbe Enttäuschungen, wie Karin Hesse einräumt. „Anderthalb Jahre hatten wir uns auf das Wegeleitsystem vorbereitet“, berichtet sie. „Dann scheiterte es daran, dass die polnischen Partner plötzlich ihre Teilnahme absagten.“ Nun prüfen die Touristiker gemeinsam mit den Mitarbeitern des Rathauses, ob es weitere Chancen gibt, an Geld für das Projekt zu kommen.

Karin Hesse sagt: „Oft sehen wir uns mit dem Vorwurf konfrontiert, wir würden uns zu wenig für die touristischen Anbieter in der Region einsetzen.“ Doch zugleich wundere sie sich darüber, dass die Kritiker zu wenig konkrete Forderungen an die Touristinformation herantragen. Zudem glaubt die Geschäftsführerin, in der Werbung für Veranstaltungen stecke noch Potenzial. „Ich ärgere mich, wenn es ein Traktorfest am Spremberger Stausee gibt, ich das aber nur von einer Litfasssäule erfahre.“ Damit entgehe ihr die Chance, die Gäste der Touristinformation auf solche Feste hinzuweisen.

Gemeinsam mit Karin Hesse arbeitet Marco Wentworth im Büro am Marktplatz. Er gibt zu bedenken: „Wir sind längst nicht mehr nur eine Touristinformation, sondern ein Dienstleister für die Stadt.“

 Doch auch die Dienstleister wissen nicht auf alle Fragen der Welt eine Antwort. So müssen sie  das Paar aus Karlsruhe vertrösten, das sich bereits jetzt mit Plänen für die nächste Silvesternacht trägt: Der Veranstaltungsplan stehe leider noch nicht fest.