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| 15:29 Uhr

Wie Kunststoff der Gesundheit dienen kann
Schülerin sammelt 54 000 Deckel

Anik Reininger hat 54 000 Deckel gesammelt – mit Hilfe vieler Spremberger.
Anik Reininger hat 54 000 Deckel gesammelt – mit Hilfe vieler Spremberger. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg. Anik Reininger aus Spremberg unterstützt eine Aktion, die weltweit Kinderlähmung bekämpft.

Eine zwölfjährige Schülerin aus Spremberg sammelt Kunststoffdeckel, so lange, bis sie 54 000 Exemplare beisammen hat. Doch damit gibt sie sich keineswegs zufrieden. Anik Reininger trägt die Deckel nicht zum Selbstzweck zusammen. Vielmehr unterstützt sie eine Aktion,  die Kinderlähmung bekämpfen will. Dabei helfen ihr viele Menschen aus der Region.

Mit einem Heft sitzt Anik Reininger auf der Terrasse. Sie schlägt es auf, blättert darin, vergleicht aufgeschriebene Zahlen und Daten. In diesem Heft hat sie dokumentiert, woher die Deckel stammen, die in blauen Säcken auf dem Hof ihrer Familie lagern.

Am Anfang der sechsten Klasse hat sie mit dem Sammeln begonnen. „Ob Flaschen mit Cola, Wasser oder Milch – ich nehme alle Deckel aus Kunststoff.“

Die ursprüngliche Idee stammt vom Rotary Club. Seine Mitglieder verkauften die Deckel von Plastikflaschen an Firmen, die sie weiter verwerten. Vom Erlös kauften sie Rollstühle für bedürftige Menschen. An diesem Konzept orientiert sich nach eigener Aussage der Verein „Deckel drauf“. Mit dem Ertrag aus dem Verkauf unterstützt er das Projekt „End Polio now“, das ebenfalls der Rotary Club ins Leben gerufen hat. Wie der Berufsverband der Kinderärzte mitteilt, handelt es sich bei der Kinderlähmung um eine hoch ansteckende Infektionskrankheit mit dem Polio-Virus. Die Viren befallen demnach vor allem Teile der grauen Rückenmarksubstanz, was zu dauerhaften Lähmungen führen kann. Zwar wurden im Einsatz gegen die Krankheit beträchtliche Fortschritte erzielt. Doch der Rotary Club warnt: So lange auch ein einziges Kind daran erkranke, seien alle Kinder weltweit gefährdet.

Deshalb sammelt auch Anik Reininger aus Spremberg einen Berg an Kunststoffdeckeln. „Ich habe mich gefragt, was wäre, wenn ich die Krankheit bekomme, und mir niemand hilft“, sagt sie. Viele Firmen und Vereine aus der Region helfen ihr dabei. In ihrem Heft finden sich alle Fakten dazu. 3200 Deckel stammen aus dem Krankenhaus, 4700 vom Unternehmen Dako, 4600 von der Kindertagesstätte in Cantdorf. Der SPD-Politiker Ulrich Freese warb im Bundestag für die Aktion, wobei 1460 Deckel zusammenkamen. Dabei handelt es sich allerdings nur um einen Ausschnitt aus der Spendenliste, die mehr als ein Dutzend Seiten im Heft umfasst und einer gewissenhaften Buchführung gleichkommt.

Mitarbeiter der Entsorgungsfirma Alba stellten eine Tonne vor dem Grundstück der Familie auf. Darin hinterließen Besucher weitere 3000 Deckel. Anik Reininger sagt: „Wir sind inzwischen eine offizielle Abgabestelle für das Projekt.“

Dabei füllt das Sammeln für die Aktion gegen Kinderlähmung den Alltag der Schülerin noch lange nicht aus. Mehrmals im Monat trainiert sie bei den Spremberger Kanuten. In der Musikschule spielt sie Querflöte. In der Wasserwacht hat sie das Rettungsschwimmer-Abzeichen in Bronze belegt. „Keine Zeit bleibt mir aber mehr fürs Saxophon“, sagt sie. „Das habe ich früher gelernt.“

Schon jetzt trägt sie sich mit Ideen für ihr Berufsleben, die ebenso vielfältig sind wie ihre Interessen. So kann sich Anik Reininger vorstellen, eines Tages als Lehrerin zu arbeiten. Oder als Friseurin. „Mir macht es einfach Spaß, anderen Leuten zu helfen“, stellt sie fest. „Langeweile kenne ich nicht so richtig.“