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| 02:35 Uhr

Angebot von Bus und Bahn wird näher beleuchtet

Spremberg/Dresden. Eine Strategiekommission sucht nach besseren Wegen für den öffentlichen Nahverkehr. Dabei beleuchtet sie auch den länderübergreifenden Aspekt zwischen Sachsen und Brandenburg. Das teilt Carsten Enders von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag mit. René Wappler

Seine Fraktion hatte im Oktober 2015 eine Studie veröffentlicht, in der die Probleme des Nahverkehrs zur Sprache kamen. So sei die Fahrzeit der Buslinie 800 zwischen Hoyerswerda und Cottbus über Spremberg mit 90 Minuten viel zu lang. Eine Abstimmung zwischen Bahnverkehr und regionalen Busangeboten bestehe fast nie. Busse hielten nicht immer am Bahnhof.

"Von besonderem Interesse müsste die Reaktivierung der 2004 eingestellten Direktverbindung der Bahnlinie Hoyerswerda-Cottbus sein", heißt es in der Verkehrsstudie der Landtagsfraktion. Damit verbunden könnte eine touristische Seenland-Buslinie zwischen Niesky, Klitten, Spremberg und Hoyerswerda für das Sommerhalbjahr entstehen.

So widmet sich nun eine Strategiekommission dem öffentlichen Nahverkehr, an der sich auch die Geschäftsführer der Zweckverbände beteiligen. Carsten Enders von Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag erläutert: "Gerade eine reaktivierte Bahnstrecke, wie von uns angeregt, ist ja ein kostspieliges Projekt."

Momentan wird der sächsische Landeshaushalt für die nächsten zwei Jahre ausgehandelt. Dabei geht es auch um die Frage, wie viel Prozent der Bundesmittel die Zweckverbände bekommen, um die Leistungen im öffentlichen Nahverkehr auszuschreiben.

Carsten Enders erläutert: "Sowohl in Sachsen als auch in Brandenburg spielt die Mobilität der Menschen in den ländlichen Regionen eine entscheidende Rolle."

Unterdessen erklärt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Cottbus, Jens Krause: Der brandenburgische Finanzminister Christian Görke (Die Linke) sei gut beraten, indem er für den brandenburgischen Landeshaushalt des Jahres 2017 erstmals eigenständige Mittel im öffentlichen Nahverkehr einplane. Auch dem Land Brandenburg drohen nach den Worten des stellvertretenden IHK-Hauptgeschäftsführers "schmerzhafte Einschnitte durch weniger Geld für Bus und Bahn". Als Grund dafür nennt Jens Krause den Kieler Schlüssel, der die Verteilung der Bundesmittel in diesem Bereich auf die einzelnen Länder festlegt: Der prozentuale Anteil für Brandenburg soll demnach von derzeit 5,4274 Prozent auf 5,2861 Prozent im Jahr 2017 sinken. Dann könnte sich ein regelrechter Verteilungskampf des Geldes zwischen dem öffentlichen Nahverkehr in den Städten und den ländlichen Regionen anbahnen. Die IHK Cottbus verfolgt laut Jens Krause, "wie sich das Verhandlungsgeschick der Landesregierung entwickelt und welches Ergebnis am Ende zu verzeichnen sein wird".

Die Unternehmer im Spree-Neiße-Kreis kritisieren vor allem ungünstige Verbindungen zum Bahnverkehr sowie die Busfahrzeiten in den Abendstunden und an den Wochenenden. Wie aus einer Standortanalyse der IHK hervorgeht, wünschen sie sich in den Fahrplänen mehr Rücksicht auf die Schichtzeiten ortsansässiger Firmen, kleinere Busse mit kürzeren Takten und den Ausbau alternativer Konzepte wie Rufbusse und Kommunaltaxis.

In Sachsen erfüllt der öffentliche Nahverkehr schon heute teilweise nur noch "eine Alibifunktion", die nicht als Alternative zum eigenen Auto taugt: So lautet die Einschätzung der verkehrspolitischen Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag, Katja Meier. Vielerorts sei der Schülerverkehr die letzte Stütze.