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Amt Döbern-Land stellt sich hinter die Oberschule

Döbern.. Auf Drängen der Schule wurde Amtsdirektor Werner Guckenberger gestern konkreter: Das Amt Döbern-Land sei Träger der Oberschule und entscheide über die Entwicklung, so lange 40 Schüler für zwei Klassen pro Jahrgang zusammenkämen, erklärte er gegenüber der Jürgen Scholz

RUNDSCHAU. Der Druck zum öffentlichen Bekenntnis, den Schulleiter Dr. Andreas Steiger aufbaute, hat einen Grund: In wenigen Wochen beginnt das Wahlverfahren in den sechsten Klassen - und Steiger befürchtet, dass die Äußerungen von Landrat Dieter Friese (SPD) die Eltern beeinflussen könnten.

Zweizügigkeit kein Problem
Qualität, so Steiger, sei nicht an der Klassenzahl pro Jahrgang festzumachen. Steiger verweist auf Preise, die seine Schüler bei der Mathe-Olympiade im vergangenen Jahr gewonnen haben. Bei den zentralen Prüfungsergebnissen in Mathematik und Deutsch habe die damalige Gesamt- und jetzige Oberschule „Germanus Theiß“ überdurchschnittlich gut abgeschnitten: „Wir waren im Schnitt eine Note besser als die anderen Schulen“ , erklärt Steiger und will damit das Qualitätsargument, das Friese für mindestens dreizügige weiterführende Schulen anführte, für seine Schule in Anspruch nehmen. Auch wenn auf die jetzt noch vierzügigen Jahrgänge neun und zehn nur halb so starke Jahrgänge folgen, hätte dies keine Auswirkung auf die Qualität des Unterrichtes, ist Steiger überzeugt: Zurzeit favorisiere man in Döbern das kooperative Modell, fasste Steiger die Eindrücke nach einem Vierteljahr zusammen. Im Januar wird die Schulkonferenz entscheiden, wie sich die Oberschule Döbern ausrichten soll. Im kooperativen Modell wäre ein leistungsbezogener Unterricht in Klassen möglich. Dafür brauche man kein Kurssystem.
Bisher habe man nie Probleme gehabt, die verlangte Mindestzahl von 40 Schülern zusammenzubekommen, betont Steiger. Daran werde sich auch nichts ändern, wenn jetzt die Eltern nicht in ihrem Wahlverhalten beeinflusst würden, ist sich der Schulleiter sicher.

Nachteil durch Neißeverkehr
Im Gegenteil, man könne sicherlich zehn bis zwölf Schüler mehr haben aus dem Amtsbereich, wenn Döbern nicht bei den Schülerfahrtkosten benachteiligt werde, ist Amtsdirektor Werner Guckenberger sicher. Sechs Schüler aus Groß Schacksdorf würden die Oberschule in Forst wegen der Schülerfahrtkostenregelung des Landkreises Spree-Neiße besuchen. Denn die sieht vor, dass die Schüler die nächstgelegene Schule besuchen müssen, um entsprechend den weiteren Regelungen der Satzung bei den Fahrtkosten unterstützt zu werden. Der kreiseigene Neißeverkehr habe die Entfernung nach Forst aber mit zwei Entfernungswaben günstiger eingestuft als nach Döbern mit drei Waben, erklärt der Döberner Hauptamtsleiter Günter Quander und sieht darin bereits eine Benachteiligung des Schulstandortes Döbern: „Nach Kilometern wäre der Weg nach Döbern aber kürzer als der nach Forst.“ Das gleiche gelte für größere Bereiche von Wadelsdorf und Klein Loitz, wo Spremberger Schulen begünstigt würden. Das sei das eigentliche Thema beim internen Gespräch während des Arbeitsbesuchs des Landrats gewesen, so Quander.

Von Diskussion überrascht
Man habe „Friese ins Boot holen“ wollen, um die Wabenstruktur des Neißeverkehrs zu verändern. Dann sei er überrascht worden von der Schließungsdiskussion im Pressegespräch, räumte Guckenberger gestern ein. Mit einer anderen Tarifzonenstruktur könne die Oberschule auch auf Schüler aus dem Gemeindebereich Neuhausen, beispielsweise aus Kahren, setzen, ist Schulleiter Steiger überzeugt. Hauptamtsleiter Quander überlegte gar laut, ob man nicht mit einer Art Begrüßungsgeld den Eltern die finanziellen Nachteile durch das Entfallen der Kreisunterstützung abnehmen solle. An diesem Punkt fing Guckenberger gestern seinen vorpreschenden Hauptamtsleiter Quander allerdings gleich wieder ein. Das sei „für uns zurzeit kein Thema, aber wenn es notwendig wird“ , so Guckenberger, könne man den Gedanken aufgreifen und weiter verfolgen. Inzwischen hat er seine Überraschung über den Vorstoß Frieses überwunden: „Wir machen unsere Schulentwicklung“ , verwies Guckenberger auf die Zuständigkeit des Amtes, „und wenn 40 Schüler da sind, machen wir unsere Klassen!“

Hintergrund:
Während seines Arbeitsbesuches im Amt Döbern-Land hatte sich Landrat Dieter Friese vergangene Woche für einen starken Grundschulstandort Döbern ausgesprochen, aber gleichzeitig die Frage aufgeworfen, ob eine zweizügige Oberschule auf Dauer den Schülern eine qualitativ gute Ausbildung auf den Weg geben könne. Die Schülerzahlen sprächen gegen drei mindestens zweizügige Oberschulstandorte zwischen Spremberg und Forst, weshalb er den Oberschulstandort Döbern mittelfristig als fraglich ansehe, so Friese (die RUNDSCHAU berichtete). Schulleiter Dr. An-
dreas Steiger betont, dass die Zweizügigkeit von Oberschulen in Brandenburg durchaus vorgesehen sei.