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Ammerreich und später Kuckuck

Ronald Beschow führt Vogelfreunde durch rekultivierte Bergbaufolgelandschaft am Wolkenberg.
Ronald Beschow führt Vogelfreunde durch rekultivierte Bergbaufolgelandschaft am Wolkenberg. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Wolkenberg. Der Nebel hat am Sonntag zur Vogelwanderung durch die rekultivierte Bergbaufolgelandschaft über dem Wolkenberg gehangen. Trotzdem erlebten die knapp 15 Naturfreunde um Vogelkundler Ronald Beschow vom Spremberger Nabu-Regionalverband mehr als 40 Vögel. Annett Igel-Allzeit

Während Wiesenweihe und Schwarzmilan lautlos über sie hinwegziehen, begrüßen die Kraniche sie lautstark. Feldlerchenmännchen flattern trillernd, besonders melodisch ist die Mönchsgrasmücke, die Vielfalt der Singdrossel überrascht. Immer wieder stellt Ronald Beschow das Fernrohr scharf. Goldammer und Grauammer werden verglichen. Die vier Bluthänflinge sind zu schnell, die Rauchschwalben nur auf der Durchreise.

Acht Stationen hat der 15 Kilometer lange ornithologische Lehrpfad, den es seit 2014 in der Bergbaufolgelandschaft zwischen Reiterhof Wuttke und dem Parkplatz Wolkenberg gibt. 207 verschiedene Vogelarten konnten laut Ronald Beschow bereits nachgewiesen werden. "Bei 90 Arten ist sicher, dass sie hier brüten, bei weiteren zwölf Arten arbeite ich noch am Nachweis."

Der Bereich am Wolkenberg gehöre zu den jüngeren Rekultivierungsgebieten, das jüngste ist Steinitz. In zwei Jahren lohnen sich auch dort Vogelwanderungen. Rund drei Kilometer zieht Beschow ins Gelände - vorbei an Wacholder zum Südhang, wo die Reben für den Landwein wachsen, an Aufforstungen entlang zur Zisterne, querfeldein zum Quellteich des Hühnerwassers. Beschow zeigt den Baum, wo der Hirsch seinen Bast abreibt. Auch am Fuchsbau lohnt sich eine Pause: "Hier hat sich ein junger Fuchs im Bauen versucht - so ungeschützt, wie der Eingang liegt", so Beschow.

Die Wacholderdrossel vermehrt den Sanddorn. Die Singdrossel und das Rotkehlchen fühlen sich in den jungen Kiefern wohl. Junge Laubbäume - Hainbuche, Ahorn, Eberesche, Traubeneiche, Elsbeere, Mehlbeere - gedeihen bis zum ersten Durchforsten. Für den Bluthänfling und die Wiesenschafstelze wird es grenzwertig, die Douglasien sind für sie bereits zu hoch. Nach und nach gehen Flächen an die Landwirtschaft. "Wir hoffen, dass sie nicht gleich die große Keule herausholen. Auf manchem Acker können wir uns atmen hören", sagt Beschow.

Die Ginsterbüsche gefallen den Ammern. Mit der Grauammer, der Goldammer, dem Ortolan, der Rohrammer brüten vier Ammerarten in der Tagebaufolgelandschaft. "Von der Grauammer, die sonst selten ist, habe wir 120 bis 160 Brutpaare." Stolz ist er auf den Steinschmätzer: "In Bayern soll es noch fünf Brutpaare geben, wir haben 50." Wie der Wiedehopf geht der Schmätzer in Steinhaufen. Das Rebhuhn meldet sich kurz. "Ich habe es in diesem Jahr noch nicht zu Gesicht bekommen", murmelt Beschow hinterm Fernglas. Mehr Glück hat die Gruppe mit Baumpieper, Klappergrasmücke, dem nur sechs Gramm leichten Goldhähnchen. Der Kuckuck ruft. "Er hat ein Problem, weil er noch zu seiner alten Zeit ankommt. Seine Wirtsvögel beginnen schon zehn Tage früher mit dem Brüten."

Bis Ende Mai dürften alle Vögel eingetroffen sein. Wie Winfried Nachtigall von der Vogelwarte Neschwitz hält auch Beschow noch nicht viel von Panikmache. Es gebe Schwankungen. Länger als in den Wintern davor habe diesmal der Schnee gelegen. "Aber der Haussperling geht wirklich weiter zurück, die Finken werden seltener auf den Dörfern", so Beschow. "Die alten Obstbäume fehlen den Vögeln. Aber auch blühende Blumenwiesen helfen nicht nur Insekten." Der Bluthänfling zum Beispiel fresse die Samen der Wiesenblumen. Auch deshalb startet der Spremberger Nabu-Regionalverband in diesem Jahr mit der Stadt ein Wiesenprojekt.

Zum Thema:
Den Naturfreunden am Wolkenberg tat es gut, sich ins Gezwitscher hineinzuhören. Vom 12. bis 14. Mai lädt der Nabu bundesweit wieder zur Gartenvogelzählung ein. An der Zählung im Vorjahr hatten laut Nabu aus Brandenburg 2116 Vogelfreunde teilgenommen - bundesweit meldeten 44 738 Teilnehmer ihre Beobachtungen. www.stundedergartenvoegel.de.